SWR dreht bis zum 8. Oktober
Ein Giftmord hoch über Stuttgart: Für den neuen Tatort ermitteln Richy Müller und Felix Klare im Fernsehturm. Gastronom Dennis Shipley freut sich über die große Bühne für das Wahrzeichen – auch wenn er sich für sein Restaurant eine andere Todesart gewünscht hätte. Das Opfer stirbt nach dem Essen.
Ausgerechnet ein Giftmord im eigenen Restaurant. Dennis Shipley nimmt es mit Humor. „Ich hätte mir eine andere Todesart gewünscht“, sagt der Gastronom des Leonhards im Fernsehturm beim Gespräch mit EchtStuttgart. Schließlich wird in dem neuen Stuttgarter „Tatort“ eine Frau beim Essen vergiftet. Nicht gerade die Top-Werbung, die sich ein Wirt normalerweise wünscht.
Trotzdem freut sich Shipley über den ungewöhnlichen Besuch. „Es ist sehr gut, dass endlich mal ein Tatort im Fernsehturm gedreht wird.“ Die „Soko Stuttgart“ sei schließlich schon da gewesen, sagt er. Jetzt kommen auch Richy Müller und Felix Klare als Stuttgarter „Tatort“-Kommissare Thorsten Lannert und Sebastian Bootz.
Und diesmal ist der Fernsehturm nicht bloß für ein paar Sekunden im Hintergrund zu sehen. Er bekommt eine echte Hauptrolle.
„Tatort – Mord im Turm“ heißt der neue Fall, den der SWR noch bis zum 8. Oktober in Stuttgart dreht. Die Geschichte passt perfekt zu einem Krimi hoch über der Stadt: Niemand kann einfach verschwinden, der Kreis der Verdächtigen ist überschaubar – und praktisch jeder hat etwas zu verbergen.
Weingutbesitzer Walter Mentele feiert seinen 80. Geburtstag im Restaurant des Fernsehturms. Mit dabei sind seine Töchter, Schwiegersohn und Enkel, ein alter Freund sowie die Geschäftsführerin des Weinguts und deren Ehemann.
Der Abend läuft erstaunlich friedlich – bis der Geschäftsführerin Ute Apostolos nach dem Essen plötzlich schlecht wird. Sie verlässt die Feier und bricht zusammen. Dummerweise für den Täter passiert das direkt vor Lannert und Bootz. Die beiden sind eigentlich privat auf dem Turm und wollen nur ein Feierabendbier trinken.
Daraus wird nichts. Ute Apostolos stirbt, die Kommissare schalten in den Dienstmodus und lassen den Fernsehturm sperren. Schnell steht fest: Es war Gift. Und der Täter oder die Täterin muss unter den Gästen sein. Die schöne Aussicht dürfte da ziemlich schnell zur Nebensache werden.
Für Shipley und sein Team bedeuten die Dreharbeiten allerdings einiges an Organisation. Denn der SWR dreht nicht irgendwo in einer nachgebauten Fernsehturm-Kulisse, sondern dort, wo sonst die Gäste Kaffee trinken, Kuchen essen und Stuttgart von oben betrachten: im Panoramacafé.
Dabei hätte es eine einfachere Lösung gegeben. Auf der Veranstaltungsebene darunter wäre genug Platz gewesen, um ein Restaurant nachzubauen. Doch für den Film soll es der echte Ort sein – mit Blick auf das echte Stuttgart. Deshalb wird oben mal tagsüber, mal nachts gedreht. Restaurant und Café müssen während einzelner Drehzeiten für Besucher geschlossen bleiben. Für den Verdienstausfall bekommt Shipley Geld vom SWR. Ein finanzieller Glücksfall ist der „Tatort“ für ihn trotzdem nicht. „Reich wird man davon nicht“, sagt er.
Der Autor und Regisseur Adrian Goiginger ist Österreicher, aber kein Unbekannter in unserer Gegend. Mit Gerrit Klein führt er die Produktionsfirma Giganten Film, die neuerdings die „Tatort“-Folgen vom Schwarzwald realisiert. Goiginger und Klein haben außerdem die preisgekrönten Filme „Vier minus eins“ (Stuttgart-Premiere war im Atelier am Bollwerk“) und „Der Fuchs“ gedreht.
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Eigenwilliger Nebendarsteller des neuen „Tatorts“ ist das Stuttgarter Wetter. Denn wenn draußen statt Stadtpanorama nur graue Suppe zu sehen ist, lässt sich die gewünschte Szene nicht unbedingt drehen. Licht und Sicht müssen passen. Mal braucht die Filmcrew Stuttgart bei Tag, mal die Lichter der Stadt bei Nacht. Das macht die Dreharbeiten aufwendiger – sorgt aber dafür, dass der Fernsehturm im Film tatsächlich so aussieht, wie ihn die Stuttgarter kennen.
Genau darauf freut sich Shipley. Denn wenn der „Tatort“ später bundesweit ausgestrahlt wird, bekommen Millionen Zuschauer nicht irgendein Filmrestaurant zu sehen, sondern einen der Orte, auf den Stuttgart besonders stolz ist.
Der 1956 eröffnete Fernsehturm prägt die Silhouette der Stadt seit Jahrzehnten. Er war der erste Fernsehturm seiner Bauart weltweit und wurde zum Vorbild für zahlreiche weitere Türme. In Stuttgart gibt es zudem Bestrebungen, das Bauwerk auf den Weg zum UNESCO-Welterbe zu bringen. Da kommt ein prominenter Fernsehauftritt nicht ungelegen.
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Neben Richy Müller und Felix Klare stehen für „Mord im Turm“ Christian Pätzold, Christina Hecke, Julischka Eichel, Michael Pink, Michael Tschernow, Evelin Schwarz, Peter Lehmann, Vassily Kazakos, Sophie Lutz und Jürgen Hartmann vor der Kamera.
Gedreht wird noch bis zum 8. Oktober. Wer in diesen Tagen auf den Fernsehturm will, muss deshalb damit rechnen, dass Café und Restaurant zeitweise nicht zugänglich sind.
Für Shipley ist das verschmerzbar. Schließlich wird sein Arbeitsplatz bald in ganz Deutschland zu sehen sein.
Nur eines dürfte er sich wünschen: Dass die Zuschauer nach dem Giftmord nicht denken, Essen im Fernsehturm sei gefährlich. Für den Blick über Stuttgart gilt jedenfalls weiterhin: völlig unbedenklich.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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