Uwe Bogen

Die Kunst der Fotografie

Der Moment über dem Korb: Wie der junge Tom Weller Gold holt für Stuttgart

24. April 2026

Der Stuttgarter Sportfotograf Tom Weller gewinnt Gold in einem Weltklasse-Wettbewerb. Seine prämierten Aufnahmen zeigen echte Sportmomente, die verblüffen – ganz ohne Mithilfe von KI. EchtStuttgart hat den 26-Jährigen gefragt, wie  Meisterwerke entstehen und was einen herausragenden Fotografen ausmacht. 

im Interview mit EchtStuttgart erklärt Tom Weller, wie dieses Foto entstanden ist. Foto: Tom Weller

Zwei Spieler reißen die Arme nach oben, ihre Gesichter angespannt, jeder Muskel unter Strom. Über ihnen: der Basketball in Richtung  Korb. Geht er rein? Oder nicht? Die Aufnahme ist so perfekt, dass der Betrachter nicht daran zweifelt: Der sitzt!

Es ist eines der Bilder, mit denen Tom Weller Stuttgart gerade internationales Gold beschert.

Der Mann hinter dem Moment

Er ist  Sportfotograf, Mitglied im Verein Sportpresse Württemberg, Geschäftsführer der Agentur 24passion Media GmbH und unter anderem für die Deutsche Presse-Agentur weltweit im Einsatz. Der 26-Jährige  wurde jetzt  beim world sports photography award ausgezeichnet. In der neu geschaffenen Kategorie „Unter 30“ setzte er sich gegen mehr als 1700 Bewerberinnen und Bewerber durch.

Dass er gewonnen hat, erfuhr er selbst erst  am vergangenen Donnerstag kurz vor der öffentlichen Verkündung der Gewinner. Für ihn, der schon etliche Preise gewonnen hat, war’s völlig überraschend.

Der sich spiegelnde Skispringer Andreas Willinger. Foto: Tom Weller

Wer Wellers Bilder sieht, versteht schnell, warum Gold nach Stuttgart geht. Das Basketballfoto ist nicht nur ein Zufallstreffer, sondern das Ergebnis aus Technik, Timing  und Feingefühl.  „Das ist alles echt!“, versichert Weller im Gespräch mit dem Online-Magazin, das sich dem Echten verschrieben hat. Als Fotojournalist gehe es ihm darum, Realität zu dokumentieren. KI nutze er höchstens zur Beschriftung und Archivierung.

Der Trick liegt woanders: in der Vorbereitung! Vor dem Spiel installiert  der in Filderstadt geborene Tom Weller eine Kamera über dem Korb, die er während der Partie vom Spielfeld aus auslöst. 5000 bis 6000 Bilder entstehen so währen eines Spiels, rund 20 pro Sekunde. Und wie lange dauert später die Auswahl am Rechner? Erstaunlich schnell: „Vielleicht eine Viertelstunde.“

Wenn Realität surreal wirkt

Ein anderes preisgekröntes Bild zeigt den Skispringer Andreas Wellinger – und sorgt ebenfalls für einen zweiten Blick. Durch eine Spiegelung wirkt es, als würde sein Kopf aus einer Stahlplatte herausragen. Entstanden ist das Foto in Innsbruck, wo Weller Zugang zum Absprungturm hatte und genau den Moment erwischte, als Wellinger aus dem Aufzug trat.

Die Jury hat nicht ein einzelnes Foto prämiert, sondern einen Fotografen mit mehreren Aufnahmen. Dies zeigt, dass es sich nicht um einen Zufallstreffer handelt, sondern um Beständigkeit auf höchstem Niveau.

Und dann ist da noch dieses fast unwirkliche Motiv: ein Skispringer bei Nacht, Flutlicht, Sonnenuntergang – scheinbar schwebt er über den Wolken. Doch die vermeintlichen Wolken sind in Wahrheit aufgewirbelter Schnee. Realität, festgehalten im perfekten Augenblick – so spektakulär, dass sie fast surreal wirkt.

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein? Nein über dem Schnee. Foto: Tom Weller
Tom Weller bei der Arbeit.

Der Blick für das Besondere

Was einen guten Fotografen ausmacht? Für Tom ist es mehr als Technik. Instinkt gehört dazu. Und ein bisschen Glück. Das erinnert er an Torschützen, die er zuletzt beim Sieg des VfB im Halbfinale des DFB-Pokals in der MHP-Arena fotografieren hat. Entscheidend sei aber die Kreativität – der Blick für den Moment, den andere übersehen. Während viele Bilder nach dem Muster „Two men and  a ball“ entstehen, also austauschbar sind, sucht er das Außergewöhnliche.

Gerade in Zeiten von Instagram und einer Flut an Selfies wird genau das zum entscheidenden Unterschied. Wer auffallen will, muss hochkonzentriert sein, Dinge sehen, die andere übersehen und im richtigen Moment mit dem genau richtigen Blickwinkel abdrücken.

Zwischen Weltreisen und Zuhause

 Viele Monate im Jahr reist er zu den größten Sportevents der Welt, auch bei der kommenden Fußball-WM wird er im Einsatz sein – selbst wenn das bedeutet, „oft im Flugzeug“ zu sitzen.

Privat heißt das: lange Abwesenheiten. Seine Freundin wartet oft wochenlang. Doch wenn er zurückkommt, sei die Zeit umso wertvoller.

Für ihn selbst ist es eine Ehre, ganz nah dran zu sein – in der ersten Reihe der größten Sportereignisse. Ein Traum, den viele  junge Menschen haben, ist für ihn Realität geworden. Sehr früh sogar, Tom ist gerade mal 26  und schon seit Jahren weltweit mit der Top-Elite der Sportfotografie unterwegs. 

Foto: Tom Weller
Foto: Tom Weller

Seine Ausstellung wandert durch die Region 

Wer noch mehr  Arbeiten von Tom sehen will, hat momentan die Chance dazu: In der Ausstellung „2×26 | Faszination Sport“ in Oberriexingen (Landkreis Ludwigsburg) sind seine Werke noch bis Ende des Monats zu sehen. Danach wandert die Ausstellung weiter nach Wernau im Landkreis Esslingen. Kooperationspartner ist die KulturRegion Stuttgart.

Gold für Stuttgart! Die Stadt kann nicht nur auf Supersportler wie die des VfB stolz sein, sondern auch auf jene, die ihre besonderen Momente festhalten. Danke, Tom, dass wir deine unverfälschten Meisterwerke bei EchtStuttgart zeigen dürfen – so viel Echtes, Ungefiltertes , das von alleine so überzeugt, dass es keine KI bedarf, tut  unserer Stadt gut.

Der Erfolg von Tom Weller zeigt: In Stuttgart wächst eine neue Generation von Foto- und Sportenthusiasten heran, die Ehrgeiz mit Leidenschaft und Können verbinden.

Und wir sehen: Die größten Momente entstehen manchmal nicht auf dem Spielfeld – sondern genau darüber, über dem Korb – und dann voll  in den rein!

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