Uwe Bogen
Wo Ballgefühl wichtiger ist als Tore
Die Tricks des Stuttgarters Jan Rüdenauer: Was Profifußballer von Freestylern lernen können
29. Juni 2026
Freestyle statt Flanke: Der 18-jährige Jan Rüdenauer aus Stuttgart gehört zu Deutschlands besten Ballkünstlern. Im Interview mit EchtStuttgart verrät er seinen WM-Tipp, erklärt, was Profis von Freestylern lernen können, und spricht über seinen Traum von der Weltspitze.
Während es im klassischen Fußball um Tore, Taktik und Mannschaftsspiel geht, stehen beim Freestyle-Fußball Technik, Ballgefühl, Kreativität und perfekte Körperkontrolle im Mittelpunkt. Einer, der diese außergewöhnliche Sportart auf höchstem Niveau beherrscht, ist der 18-jährige Jan Rüdenauer aus Stuttgart. Als Freestyle-Fußballer verfolgt er die Fußball-Weltmeisterschaft natürlich ganz genau – und hat auch einen Tipp für die KO-Runde: „Gegen Paraguay wird es ein Arbeitssieg.“ Sollte Deutschland anschließend auf Frankreich treffen, könnte dort allerdings Schluss sein, glaubt der Deutsche U18-Meister im Freestyle-Fußball.
In der Pandemie hat Jan Freestyle entdeckt
Was während der Corona-Pandemie mit dem einfachen Wunsch begann, Fußball zu spielen, aber dann halt allein, entwickelte sich für Jan zu einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte. Heute trainiert er täglich rund zwei Stunden und zählt zu den besten Freestyle-Fußballern Deutschlands.
Weil das normale Fußballtraining ausfiel, brachte er sich im Lockdown 2020 zunächst das Jonglieren bei. Schon bald folgten die ersten Tricks wie der berühmte „Around the World“, die er sich mithilfe von YouTube-Tutorials und Online-Workshops selbst beibrachte.
Bereits 2021 wagte Jan den Schritt auf die Wettkampfbühne und nahm an seinem ersten Freestyle-Turnier teil. Dort lernte er die internationale Szene kennen – und legte eine beeindruckende Entwicklung hin. 2023 wurde er Deutscher Meister in der U18, 2024 erreichte er Platz vier bei den Deutschen Meisterschaften der Herren. Zudem qualifizierte er sich mehrfach für die Weltmeisterschaften und schaffte es dort bereits unter die besten 128 Freestyler der Welt.
Jan möchte die Sportart bekannter machen
Doch Freestyle ist für Jan weit mehr als spektakuläre Tricks für Social Media. Er möchte die Sportart bekannter machen und zeigen, wie viel Technik, Körperkontrolle und Kreativität tatsächlich dahinterstecken. Deshalb tritt er regelmäßig bei Turnieren, Firmenveranstaltungen, Einkaufszentren und anderen Events auf. Gerade während der Fußball-Weltmeisterschaft ist der junge Stuttgarter besonders gefragt. Davon lebt er inzwischen und reist kreuz und quer durch Deutschland.
Dass auch Profifußballer vom Freestyle profitieren können, davon ist Jan überzeugt. „Vor allem Technik, Ballgefühl und Balance lassen sich durch Freestyle enorm verbessern“, sagt er. Wenn im Fernsehen Trainingsbilder der deutschen Nationalmannschaft zu sehen sind, erkennt er immer wieder Übungen, die ihren Ursprung im Freestyle haben – insbesondere bei jüngeren Spielern.
Als großer Fußballfan lässt sich Jan natürlich kaum ein WM-Spiel entgehen. Auch späte Anstoßzeiten gegen 3 Uhr schaut er sich an – selbst wenn er am nächsten Morgen dadurch etwas müder ins Training startet. Auf seine täglichen zwei Stunden Training verzichtet er dennoch nie.
Nun richtet sich der Blick auf das nächste große Ziel: Im August möchte Jan bei der Freestyle-Weltmeisterschaft in Amsterdam unter die besten 20 der rund 150 Teilnehmer landen. Mit Disziplin, Leidenschaft und unzähligen Trainingsstunden arbeitet der 18-Jährige jeden Tag daran, seinen Traum von der internationalen Spitze zu verwirklichen.
Neben seinen sportlichen Erfolgen hat sich Jan auch in den sozialen Medien eine wachsende Community aufgebaut. Seine Fans verfolgen bei seinem Insta-Profil Jan_fs_ seine spektakulären Tricks und Wettkampfauftritte.
Für Jan ist klar: Freestyle-Fußball ist weit mehr als Unterhaltung für Social Media. Es ist eine anspruchsvolle Sportart, die Technik, Ausdauer und Kreativität verbindet – und die seiner Meinung nach noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient.
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