Uwe Bogen
EchtStuttgart auf Stadttour
A rechte Mauldasch isch ebbes Guads
30. April 2026
Das Team von EchtStuttgart sucht das Echte in Stuttgart. Erste Station unserer Entdeckungstour: ein Maultaschenkurs – an einem Ort, der Stadtgeschichte geschrieben hat. Beim gemeinsamen Kochen spürt man die schwäbische Identität.
Als Schwabe hat man im Laufe seines Lebens schon viele Maultaschen gegessen. Leider auch viele schlechte. Zu trocken, zu fad, zu lieblos, der Teig zu dick – manchmal sogar in Restaurants, die sich groß „schwäbisch“ nennen. Genau mit diesem Gefühl im Hinterkopf ist das Team von EchtStuttgart losgezogen.
Wir touren von nun an regelmäßig gemeinsam im Team durch die Stadt, um Orte aufzusuchen, die für das Typische an Stuttgart stehen. Zum Auftakt widmen wir uns der Maultasche, also der schwäbischen Identität.
Wer hat’s erfunden?
Der Legende nach kamen Zisterziensermönche im Kloster Maulbronn im Mittelalter drauf. Ihr Trick: Fleisch klein hacken, in Nudelteig verstecken – und so das Fastengebot umgehen, ohne dass „der Herrgott es sieht“. Daher der bis heute kursierende Spitzname: Herrgottsb’scheißerle.
Eine Variante der Geschichte erzählt von einem Laienbruder namens Jakob, der genau das am Gründonnerstag getan haben soll.
Ganz so einfach ist es historisch allerdings nicht. Es gibt Hinweise darauf, dass gefüllte Teigtaschen wie Ravioli aus dem Piemont ihren Weg über die Alpen nach Schwaben gefunden haben könnten. Dort wurden sie weiterentwickelt – bodenständig, praktisch, schwäbisch.
Auch der Name „Maultasche“ bleibt ein kleines Rätsel: Vielleicht geht er auf Maulbronn zurück. Vielleicht aber auch schlicht auf „Maul“ und „Tasche“. Jens Caspar, der das frühere Bio-Restaurant Lässig an der Gerokstraße 12 übernommen und zu einer Event-Location von Herr Kächele gemacht hat, sagt sowieso Mauldasch dazu. Der Schwabe schreibe sie mit d und ohne e am Ende.
Sicher ist nur: Aus einer einfachen Idee – und oft auch aus Resten – wurde ein echtes Kultgericht.
Beim Maultaschenkurs von Jens Caspar und Oliver Hornung ist das Team unseres Online-Magazins unter den etwa 100 Teilnehmern am Button oder dem Hoodie mit dem Logo EchtStgt zu erkennen. Dies sorgt für Neugierde. „Was heißt EchtStuttgart?“ werden wir immer wieder gefragt.
Die Antwort: EchtStgt steht für das Echte in Stuttgart. Für ehrliche Geschichten, besondere Orte und Menschen, die die Stadt prägen.
Herausgegeben wird das Magazin vom Lokalteil Verlag, den vier Stuttgart-Fans und Best Friends gemeinsam betreiben. Bisher haben wir Bücher, Stadt-Merch und Entdeckungstouren gemacht – seit Ostern gibt’s bei uns auch EchtStuttgart. Drei der vier Herausgeber und Teilhaber sind beim Maultaschenkurs dabei: Manuel Kloker, Patrick Mikolaj und Uwe Bogen.
„Danke für etwas mehr Medienvielfalt im Kessel“
Obwohl erst so kurz auf dem Markt, werden wir überhäuft mit Lob und Anerkennung, Die begeisterten Mails reißen nicht ab. Jüngst war in unserer Post zu lesen:
„Ich ziehe den Hut, wie ihr dieses Magazin aus dem Boden gestampft habt und etwas mehr Medienvielfalt in den Kessel bringt.“
In Zeiten von Pressekonzentrationen, da in vielen Zeitungen trotz unterschiedlicher Titel immer nur dasselbe zu lesen ist, scheint die Sehnsucht nach Neuem, nach Coolem, nach Überraschendem, nach etwas Anderem, also nach dem Echten groß zu sein. EchtStuttgart ist ein Magazin mit sozialem Anspruch – wir unterstützen und organisieren Hilfen für Menschen, denen es nicht so gut geht. „Helfen macht happy“, heißt eine Rubrik bei uns, um die sich unter anderem die bekannte Netzwerkerin und Fundraisierin Christina Semrau vom Kinder- und Erwachsenenhospiz kümmert.
Ein Ort mit Geschichte
Die Eventlocation an der Gerokstraße atmet Geschichte. Hier entwickelte Fritz Leonhardt vor über 70 Jahren die erste freitragende Leichtbetondecke Deutschlands. Ein Ort, der für Innovation steht – und heute für echtes Handwerk. Kursleiter Jens Caspar macht aber auch schnell klar: Hier geht es nicht nur ums Kochen.
Zwiebeln schneiden, Teig kneten, Füllung mischen – alles passiert gemeinsam. Die Zutaten sind hochwertig: Bioqualität, kein Fleisch aus Massentierhaltung, frische Produkte.
Wenn Kochen Gruppendynamik auslöst
Ein solcher Maultaschenkurs ist weit mehr als ein Koch-Event. Durch das gemeinsame Arbeiten entstehen automatisch gruppendynamische Prozesse: Menschen stimmen sich ab, verteilen Aufgaben, helfen sich gegenseitig. Da fördert Vertrauen und sorgt für gute Gespräche. Gerade weil man gemeinsam etwas schafft, entsteht Verbindung – ganz ohne Zwang. In einer oft digitalen Welt fühlt sich das überraschend gut und sehr echt an.
„Mauldasch“ mit Leidenschaft
Caspar ist Entertainer, Kenner und Liebhaber der schwäbischen Küche. Sein Wissen über die „Mauldasch“ ist beeindruckend. Und seine Idee, ein eigenes Maultaschenmuseum an der Gerokstraße zu eröffnen, wirkt plötzlich gar nicht mehr so abwegig.
Wenn die Teig-Fee auftaucht
Der Kurs lebt von Überraschungen. Eine davon: die Ernennung eines Gastes zur „Teig-Fee“. Nach einer Polonaise wird ein Teilnehmer bestimmt – nämlich derjenige, der in einen ausgelegten Reißnagel getreten ist.. An diesem Abend trifft es den Kunsthändler Frank Zimmermann, Unterstützer von EchtStgt. Mit Engelsflügeln und einem Heiligenschein ausgestattet, verteilt er den Teig an die Tische – ja, wie niedlich und wunderbar komisch!
Handwerk, das man schmeckt
Dann wird es ernst: Teig ausrollen, Füllung verteilen, zusammenklappen, mit Eiweiß zusammenkleben, schneiden. Ein entscheidendes Detail: In die Füllung gehört Sahne – und natürlich Zwiebeln, Spinat, Muskat, Salz, Pfeffer und feines Brät von der Wurst.
Die Maultaschen wandern sodann für 15 Minuten ins kochende Wasser. Wichtig: Das Wasser darf nicht nur heiß sein, sondern muss richtig kochen, sonst können die Maultaschen zerfallen und zur Suppe werden. Schließlich kommt der große Moment: Sie werden mit Zwiebelschmelze und Kartoffelsalat serviert.
Mmmmmh, so lecker! Schon der erste Bissen begeistert. Weil er zeigt, was möglich ist, wenn alles stimmt: Zutaten, Atmosphäre, Zusammenarbeit. Um es auf Schwäbisch zu sagen: A rechte Mauldasch isch ebbes Guads.
Die Maultaschenkurse sind zum Renner an der Gerokstraße geworden. Sie finden etwa dreimal in der Woche statt. Viele Schulklassen sind dabei, weil Lehrerinnen und Lehrer den Kinder zeigen wollen, wie gut frisch gemachtes Essen ist. Firmen buchen die Kurse zur Teambildung oder für neue Mitarbeiter, die von weither kommen und noch nichts über Stuttgart wissen. Buchen kann man die Kurse hier: https://www.herr-kaechele.de/kochkurse-lp/
Zu wem sollen wir kommen?
Die Stadttouren von EchtStuttgart gehen weiter. Wenn ihr glaubt, dass man auch bei Euch das Echte von Stuttgart findet, meldet Euch bei uns unter: info@echt-stuttgart.de.
AKTUELLES

„Die Toten Hosen ohne Hosen“: Die legendäre Freibad-Geschichte von 1990 in Sillenbuch
Stuttgart und die Toten Hosen – die Verbindung reicht weit zurück, bis in die Mausefalle der 1980er. Vor dem Konzert der Band auf dem Cannstatter Wasen blicken wir zurück auf unvergessene Höhepunkte und Kuriositäten – etwa auf „Die Toten Hosen ohne Hosen“, aufs Nacktbaden der Düsseldorfer in Sillenbuch.

Boss Open: Wie ein verregneter Freitag mit einem Tiebreak-Krimi zum Tennisfest wird
Regen, Regen, Regen – und trotzdem beste Stimmung. Unser Reporter erlebt bei den Boss Open einen langen Freitag, an dem der Centre Court immer wieder unter Planen verschwindet. Das Tennisfieber kann das nicht bremsen. Warum sich das Warten lohnt und man sogar Ski fahren kann, lest Ihr hier.

Stuttgart im Pop-Modus: Wo die Kultur von morgen entsteht
Internationale Acts, regionale Entdeckungen und Debatten über die großen Themen dieser Zeit: Die About Pop verwandelt die ganze Stadt am 12. und 13. Juni in ein Festivalgelände und zeigt, warum Pop heute weit mehr ist als Musik – und warum Stuttgart dafür die perfekte Bühne bietet.

Sammelfieber in Stuttgart: Die große Jagd nach den letzten WM-Stickern
Mit 48 Nationen und insgesamt 980 Stickern ist das WM-Album 2026 so umfangreich wie nie zuvor. Wer sein Heft vollbekommen will, kommt am Tauschen kaum vorbei. Die 1. Große Stuttgarter WM-Sticker-Tauschbörse bringt Sammlerinnen und Sammler aus der Region zusammen – pünktlich zum WM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft.