Comeback eines Traditionshauses
Sechs Jahre Stillstand, immer neue Verzögerungen – doch jetzt gibt es einen Zeitplan: Die künftigen Betreiber der Planie am Karlsplatz haben am Donnerstag den Vertrag mit dem Land unterschrieben. Im März 2027 soll das Stuttgarter Traditionslokal wieder öffnen.
Es ist eine Nachricht, auf die viele Stuttgarter seit Jahren warten: Die Rückkehr der Planie am Karlsplatz rückt endlich in greifbare Nähe. Am Donnerstag haben die künftigen Betreiber und Vertreter des Landes Baden-Württemberg den Vertrag für das ehemalige Grand Café Planie im Alten Waisenhaus unterschrieben.
Damit ist ein entscheidender Schritt geschafft. Und erstmals gibt es einen konkreten Zeitplan für das Comeback des traditionsreichen Kaffeehauses.
„Die Räumlichkeiten werden uns am 2. November übergeben“, sagt Robert Ruthenberg im Gespräch mit EchtStuttgart. „Die Eröffnung ist für März 2027 geplant.“
Bis dahin wartet auf Ruthenberg und seinen Geschäftspartner Marius Tim Schlatter noch jede Menge Arbeit. Die beiden Gastronomen, die unter anderem die Garbe in Plieningen betreiben, wollen aus der lange verwaisten Adresse wieder einen der lebendigsten Treffpunkte der Stuttgarter Innenstadt machen.
Die Geschichte der Wiedereröffnung ist auch eine Geschichte voller Verzögerungen. Seit sechs Jahren ist das einst so beliebte Grand Café Planie geschlossen. Die Sanierung des landeseigenen Gebäudes erwies sich als wesentlich aufwendiger als zunächst angenommen. Vor allem der schlechte Zustand der historischen Bausubstanz sorgte immer wieder für neue Zeitpläne.
Doch Ruthenberg und Schlatter sehen die gründliche Sanierung auch als Chance. Sie loben die Zusammenarbeit mit dem Land und sind überzeugt, dass sich die Geduld am Ende auszahlen wird.
Mit der Vertragsunterzeichnung beginnt für die beiden nun die entscheidende Phase ihres Prestigeprojekts.
Aus dem Grand Café Planie wird künftig schlicht die „Planie“. Der neue Name steht auch für einen Neustart, ohne die Geschichte des Hauses aus dem Blick zu verlieren.
Die Betreiber wollen ein modernes Kaffeehaus schaffen, das morgens ebenso attraktiv ist wie abends. Geplant ist ein gastronomisches Angebot vom Frühstück und Kaffee über Kuchen und Eis bis zum Abendessen und einem Glas Wein.
Ein besonderer Schwerpunkt soll auf regionalen Weinen liegen. Während in der Umgebung des Schlossplatzes zahlreiche Brauereigaststätten zu finden sind, möchten Ruthenberg und Schlatter die Planie als Adresse für Weinliebhaber etablieren..
Auch kulinarisch verfolgen die Gastronomen eine klare Linie: eine überschaubare Speisekarte mit hochwertigen Gerichten, regionalen Produkten und einem starken Bekenntnis zu Bio-Qualität und Nachhaltigkeit.
Schwäbische Klassiker sollen ebenso ihren Platz finden wie kreative Dinettes und vegetarische oder vegane Angebote. Hinzu kommen Kuchen, Torten und Eisspezialitäten, mit denen die Planie wieder an ihre große Kaffeehaustradition anknüpfen soll.
Auch bei der Gestaltung der Räume haben die neuen Betreiber ehrgeizige Vorstellungen. Die Einrichtung soll zeitlos, hochwertig und zugleich einladend werden. Statt eines einzigen großen Gastraums sind verschiedene Bereiche vorgesehen, die unterschiedliche Atmosphären ermöglichen.
Dabei soll die Planie ausdrücklich kein exklusiver Treffpunkt für eine kleine Zielgruppe werden. Ruthenberg und Schlatter wünschen sich ein lebendiges Haus, in dem sich Menschen ganz selbstverständlich auf einen schnellen Espresso, ein Geschäftsessen, Kaffee und Kuchen oder einen langen Abend mit Freunden treffen.
Die prominente Lage am Karlsplatz und die beliebten Außenplätze bieten dafür beste Voraussetzungen.
Dass die Erwartungen groß sind, wissen die beiden erfahrenen Gastronomen. Schließlich war das Grand Café Planie über viele Jahre weit mehr als nur ein Restaurant. Es war ein fester Bestandteil des Stuttgarter Stadtlebens, ein Ort zum Sehen und Gesehenwerden, zum Verweilen und Genießen.
Nun soll diese Geschichte ein neues Kapitel bekommen. Für Stuttgart wäre das nicht nur die Rückkehr eines traditionsreichen Kaffeehauses. Es wäre auch ein wichtiges Stück neuer Lebendigkeit für die Innenstadt.
Das rund acht Kilometer westlich der Stuttgarter Innenstadt gelegene Gebäude wurde 1968/69 während der Amtszeit von Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU) errichtet. Später wohnten dort auch seine Amtsnachfolger Lothar Späth und Günther Oettinger. Von 2013 bis 2026 nutzte der Maschinenbauer Trumpf die Immobilie für Tagungen und Fortbildungen.
Özdemirs Vorgänger Winfried Kretschmann (Grüne) hatte auf den repräsentativen Wohnsitz verzichtet. Er blieb mit seiner Frau Gerlinde in Laiz bei Sigmaringen. Als Grund nannte er unter anderem die Größe des Hauses, das für zwei Personen zu geräumig sei.
Nun wird die Villa wieder ihrem ursprünglichen Zweck dienen. Und mit Jörg Mink hat der neue Bewohner nicht nur einen erfreuten Nachbarn, sondern auch einen Wirt in unmittelbarer Nähe, der seine Vorliebe für vegetarische schwäbische Küche kennt.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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