Uwe Bogen
Stuttgarts Gastro-Regeln zur WM
Nachtschicht für Fans der Fußball-WM: Classic Rock Café zeigt sogar Spaniens 2-Uhr-Spiel
3. Juni 2026
Wenn Spanien am 27. Juni gegen Uruguay um 2 Uhr deutscher Zeit um den Gruppensieg kämpft, sind die Fußballfans im Stuttgarter Classic Rock Café vor der Leinwand live dabei. David Blanco, spanischstämmiger Gastronom und eine feste Größe in der heimischen Gastro-Szene (unter anderem mit dem Schwabengarten in Leinfelden), kündigt gegenüber EchtStuttgart an, die Partie zu zeigen. Für viele Mitglieder der spanischen Community, die sich regelmäßig im unterhalb der L-Bank trifft, ist das Duell der Höhepunkt der Vorrunde – auch wenn der Anpfiff mitten in der Nacht erfolgt.
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird für Fans hierzulande zu einer besonderen Herausforderung. Wegen der Zeitverschiebung laufen zahlreiche Spiele erst nach Mitternacht oder sogar in den frühen Morgenstunden. Trotzdem ist die Vorfreude groß. Schließlich kehrt das größte Fußballturnier der Welt genau 20 Jahre nach dem Sommermärchen von 2006 zurück – jenem Turnier, das auch in Stuttgart unvergessliche Bilder, volle Plätze und eine einzigartige Stimmung hinterlassen hat.
Stadt Stuttgart schickt den Wirten die WM-Regeln für die Übertragung
Damit die Fußballnächte nicht zum Ärgernis für Nachbarn werden, hat die Stadt Stuttgart die Gastronomen schriftlich über die Regeln für WM-Übertragungen informiert. Demnach dürfen Spiele im Freien grundsätzlich nur bis 24 Uhr gezeigt werden. Bereits ab 22 Uhr muss die Lautstärke deutlich reduziert werden. Endet eine Partie kurz vor Mitternacht, muss unmittelbar nach dem Schlusspfiff Schluss sein: Die Nachberichterstattung der Fernsehsender darf dann nicht mehr übertragen werden.
Für die besonders späten Spiele gelten noch strengere Vorgaben. Partien, die erst nach Mitternacht beginnen, dürfen ausschließlich in Innenräumen gezeigt werden. Außerdem müssen die regulären Sperrzeiten der Gastronomie eingehalten werden. Von Sonntag bis Donnerstag endet der Betrieb um 3 Uhr, freitags und samstags um 5 Uhr morgens. Sollte eine Partie dann noch laufen, muss die Übertragung beendet werden – und die Gäste müssen den Heimweg antreten.
Eintrittsgelder dürfen nicht verlangt werden
Die Stadt macht außerdem deutlich, dass Public Viewing in Restaurants und Bars keinen Event-Charakter entwickeln soll. Eintrittsgelder sind nicht erlaubt, ebenso wenig Sponsorenaktionen oder besondere Werbeveranstaltungen rund um die Übertragungen.
Dabei dürfte der Andrang durchaus groß werden. Insgesamt gibt es bei dieser WM 17 verschiedene Anstoßzeiten. Am häufigsten wird um 21 Uhr deutscher Zeit gespielt, doch elf Partien beginnen erst um 3 Uhr morgens, weitere erst um Mitternacht. Besonders die Spiele an der amerikanischen Westküste sorgen für extreme Uhrzeiten. Wer Begegnungen aus Los Angeles oder San Francisco live verfolgen möchte, muss oft bis 3 oder 4 Uhr morgens wach bleiben.
Deutlich angenehmer haben es die Fans der deutschen Nationalmannschaft. Die Gruppenspiele wurden ausgesprochen zuschauerfreundlich angesetzt. Deutschland trifft am 14. Juni um 19 Uhr auf Curaçao, am 20. Juni um 22 Uhr auf die Elfenbeinküste und am 25. Juni ebenfalls um 22 Uhr auf Ecuador. Kein Vorrundenspiel beginnt nach Mitternacht.
Auch für die Spanier sieht der Spielplan zunächst komfortabel aus. Die Begegnungen gegen Kap Verde am 15. Juni und gegen Saudi-Arabien am 21. Juni werden jeweils um 18 Uhr angepfiffen. Nur das abschließende Gruppenspiel gegen Uruguay fällt mit seinem Anstoß um 2 Uhr nachts aus europäischer Sicht aus dem Rahmen – und genau deshalb bereitet sich David Blanco schon jetzt auf eine lange Fußballnacht im Classic Rock Café vor.
Halbfinale und Finale sind auf 21 Uhr deutscher Zeit terminiert
Sollte Deutschland die Gruppenphase erfolgreich überstehen, könnten die Nächte allerdings länger werden. Als Gruppensieger würde die DFB-Auswahl im Sechzehntelfinale voraussichtlich um 22.30 Uhr antreten, ein mögliches Achtelfinale könnte um 23 Uhr beginnen. Die Partien würden also bis nach Mitternacht dauern, der Anstoß läge aber weiterhin vor der magischen Grenze. Für Gastronomen mit Außenbewirtung bliebe das wichtig. Halbfinale und Finale sind sogar auf fanfreundliche 21 Uhr deutscher Zeit terminiert.
Bis dahin aber heißt es: Kalender zücken, Wecker stellen und die Lieblingskneipe auswählen. Stuttgart macht sich bereit für einen Fußballsommer, der zwar deutlich weniger laue Abende und deutlich mehr Nachtschichten bereithält als 2006. Die Sehnsucht nach großen WM-Momenten ist jedoch dieselbe geblieben. Und vielleicht beginnt das nächste kleine Sommermärchen diesmal eben erst um zwei Uhr morgens.
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