Stuttgarter Radio-Legende

Rainer Nitschke: Scharfe Kritik am SWR – der Sender verweist auf seine Regeln


Uwe Bogen ·11. August 2026 ·4 Min. Lesezeit News

Bei der Beisetzung von Rainer Nitschke war der SWR nicht offiziell vertreten und berichtete auch nicht über die einzigartige Spendenaktion - anders als Regio-TV. Dafür gab es scharfe Kritik von Trauergästen sowie im Netz. Nun reagiert der Sender – auf zentrale Fragen bleibt die Antwort allerdings aus.

Porträt von Rainer Nitschke und die Urne bei der Beisetzung auf dem Waldfriedhof. Foto: Klaus Schnaidt

Rainer Nitschke war über Jahrzehnte eine prägende Stimme des Radios in Deutschland. Als Moderator bei SDR und  SWR, später beim Bayerischen Rundfunk, WDR und Schwarzwaldradio sowie im bundesweiten Nachtprogramm,  erreichte der gebürtige Stuttgarter ein großes Publikum und wurde für Generationen zu einem vertrauten Begleiter.

Am vergangenen Freitag wurde Nitschke – wie von ihm gewünscht –  auf dem Waldfriedhof in seiner Heimatstadt beigesetzt. EchtStuttgart hatte die traurige Realität ans Licht gebracht, nämlich den Plan der Stadt Kehl,  die Radio-Legende mangels Angehöriger anonym zu bestatten. Daraufhin bildete sich eine private  Initiative,  deren Spendenaufruf bei GoFundMe für eine unerwartet hohe Resonanz sorgte. Knapp 12.000 Euro kamen zusammen. Über 4000 Euro davon werden in Kürze gespendet. Dies unterstreicht deutlich die Beliebtheit des Moderators. 

Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SWR beteiligten sich privat an der Spendenaktion. Peter Maffay überwies  sogar eine vierstellige Summe, weil Nitschke für seine Karriere eine wichtige Rolle gespielt habe. Daniel Funke, der Ehemann von Jens Spahn, spendete 500 Euro.

Kein offizieller Vertreter des SWR vor Ort

Umso mehr irritierte einige Trauergäste, dass der SWR bei der Beisetzung nicht offiziell vertreten war. Während Regio-TV mit einem Team vor Ort war und einen sehr guten Film davon gesendet hat, erschien weder ein SWR-Team zur Berichterstattung noch ein offizieller Vertreter des Senders. 

Dabei hätte es durchaus Anlass für eine Berichterstattung gegeben: Die außergewöhnlich große Resonanz auf die private Spendenaktion, durch die eine anonyme Bestattung verhindert werden konnte, sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit. Dahinter steht zudem eine traurige Entwicklung: Immer mehr Menschen werden anonym bestattet – selbst Persönlichkeiten, die einst als Star des SWR die Massen begeistert haben. Auch darüber berichtete der SWR nicht.

Die Reaktionen auf das Verhalten des SWR fielen nicht nur am Rande der Trauerfeier, sondern auch in den sozialen Medien teilweise sehr scharf aus. 

„Es ist eine Schande, dass vom SWR niemand den Weg gefunden hat, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Seine Stimme prägte den SWR!“, schrieb ein Nutzer.

„Die alte Rundfunkfamilie gibt es schon lange nicht mehr“

Ein anderer kommentierte: „Das passt zum SWR, leider. Die ‚alte‘ Rundfunkfamilie gibt es schon lange nicht mehr. Das ist beim Bayerischen Rundfunk anders.“

Auch der Vorwurf, ehemalige Mitarbeiter würden vom Sender nicht mehr ausreichend gewürdigt, wurde laut. Ein weiterer Kommentar lautete: „Schämt euch, SWR! Das ist eine Farce […] dass kein offiziell Abgesandter bei der Bestattung anwesend war.“

Das Grab von Rainer Nitschke an einem über 100 Jahre alten Baum.

Der SWR: Offizielle Präsenz sei nicht üblich

EchtStuttgart hat den SWR mit der Kritik konfrontiert und gefragt, warum kein offizieller Vertreter bei der Beisetzung anwesend war und welche Bedeutung die Verbundenheit mit ehemaligen Mitarbeitern für den Sender hat.

Die Antwort des SWR fällt zurückhaltend  aus. Claudia Lemcke von der Hauptabteilung Kommunikation verweist zunächst darauf, dass die Initiative bereits vor der Beisetzung Kontakt zur Leiterin der Radio Unit Baden-Württemberg, Carola Oldenkott, bestanden habe.

Oldenkott habe den Spendenaufruf an Kolleginnen und Kollegen weitergeleitet. Einige SWR-Beschäftigte hätten sich daraufhin privat finanziell beteiligt.

Auch bei der Beisetzung selbst seien SWR-Mitarbeiter anwesend gewesen, betont der Sender. Allerdings ausdrücklich „als Privatpersonen, nicht in ihren Funktionen als SWR Mitarbeitende“.

Eine offizielle Präsenz des Senders auf einer Trauerfeier sei dagegen grundsätzlich nicht üblich, erklärt der SWR. Es sei daher „kein schlechtes Zeichen oder Missachtung“, wenn der Sender offiziell nicht auf einer Trauerfeier vertreten sei. Dies werde „in der Regel so gehandhabt“.

„Ganz wesentlich zum Erfolg von SWR4 beigetragen“

Gleichzeitig betont der SWR seine Wertschätzung für den verstorbenen Moderator.

Carola Oldenkott wird in der Stellungnahme des Senders mit den Worten zitiert:

„Rainer Nitschke hat über viele Jahre ganz wesentlich zum Erfolg von SWR4 beigetragen und das Programm mitgeprägt. Für viele Hörerinnen und Hörer war er ein vertrauter Begleiter durch den Tag.“

Damit stellt der SWR klar, dass Nitschke aus seiner Sicht auch über seinen Tod hinaus gewürdigt wird.

Die zentrale Fragen bleiben unbeantwortet

Bemerkenswert ist allerdings, was in der Stellungnahme fehlt.

EchtStuttgart hatte den SWR  gefragt, wie der Sender die zum Teil massive Kritik von Trauergästen und in den sozialen Medien bewertet. Dazu steht nichts in der Stellungsnahme der SWR.  Auch auf folgende Fragen kam keine Antwort: 

Welche Bedeutung hat für den SWR die Verbundenheit mit ehemaligen Mitarbeitern – insbesondere mit Persönlichkeiten, die über Jahrzehnte das Programm und die öffentliche Wahrnehmung des Senders geprägt haben?

Ist der SWR der Auffassung, dass es im Fall von Rainer Nitschke angemessen gewesen wäre, von Senderseite Menschlichkeit und Anteilnahme zu zeigen?

Wir haben dem Sender am Dienstag weitere Stunden Zeit gegeben, um die übergangenen Fragen zu beantworten. Bisher blieb das Statement dazu aus. 

Damit stehen zwei Sichtweisen nebeneinander: Für den SWR ist die fehlende offizielle Präsenz Ausdruck einer allgemeinen Regel und kein Zeichen von Geringschätzung. Für einen Teil der Trauergäste und der Menschen, die sich in den sozialen Medien äußerten, war gerade diese Abwesenheit ein enttäuschendes Signal gegenüber einem Mann, der über Jahrzehnte ganz wesentlich zum Erfolg des Senders beigetragen hat.

Rainer Nitschke ist bis heute bei seinen vielen Fans unvergessen. Foto: privat
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Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Kein offizieller Vertreter des SWR vor Ort
  2. „Die alte Rundfunkfamilie gibt es schon lange nicht mehr“
  3. Der SWR: Offizielle Präsenz sei nicht üblich
  4. „Ganz wesentlich zum Erfolg von SWR4 beigetragen“
  5. Die zentrale Fragen bleiben unbeantwortet

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