Uwe Bogen

Chor-Neugründung in Stuttgart

Singen ohne Scham: Kesselkehlchen vereint beim Fangesang in Schön

23. April 2026

Du kannst nicht singen? Perfekt! Die  Kesselkehlchen  sind der etwas andere Männerchor: laut, locker und voller Energie. „Fangesang in Schön“ trifft Gemeinschaft. Die wilden Kerle  proben noch in überschaubarer Chorstärke und suchen weitere Mitsänger. Ihr Traum: Eines Tages das Kesselfestival  eröffnen! 

Bereit zum "Fangesang in Schön": Die neu gegründeten Kesselkelchen suchen noch mehr Sänger. Foto: privat

Lieber Leser, du hast viele Talente – aber Singen gehört bisher nicht dazu? Seit dem Stimmbruch nie wieder im Chor gestanden? Du magst Musik am liebsten so laut, dass deine schiefen Töne untergehen? Und überhaupt: Du würdest nie behaupten, dass du singen kannst?

Dann bist du bei den Kesselkehlchen goldrichtig.

Liebe Leserin, du musst an dieser Stelle stark sein: Die Kesselkehlchen wollen dich nicht  neben sich. Die Jungs wollen unter sich bleiben, mal in Ruhe ein Bierchen miteinander trinken und vor allem eines: einen ganz unkonventionellen  Männerchor aufbauen. Wenn sie sich’s  mal trauen, damit aufzutreten, kannst du, liebe Leserin, im Publikum mitfeiern, da unten mitsingen  und möglichst heftig klatschen. Denn Kehlchen brauchen  Zuneigung, andernfalls gehen sie ein. 

Das Motto des neuen Chors ist so einfach wie treffend: „Wir sind Fangesang in Schön.“

Der Name ist schon mal super

Ein kurzer Blick ins Lexikon: Kehlchen sind kleine, hübsche Singvögel mit auffälliger Brust – Rotkehlchen, Braunkehlchen (Vogel des Jahres 2023), Schwarzkehlchen. Und jetzt also auch: das Kesselkehlchen.

Ein Name, der sitzt. Der ist schon mal super und cool. Klingt nach Stuttgart, Kessel und Stimme  –  mit genau der richtigen Portion Selbstironie. Dieses neue Kehlchen hat vor allem eines: verdammt viel Energie.

Mit diesem Logo werben die neuen Kesselkehlchen

Vom Karaoke zur Elbphilharmonie – ein Vorbild

Dass aus einer spontanen Idee etwas Großes werden kann, zeigt ein Blick nach Hamburg: Die Hamburger Goldkehlchen wurden einst von zwei Freunden nach einem Karaoke-Abend gegründet. Es kamen immer mehr Stimmen dazu.  Heute sind es über 100 Männer, die mit voller Manneskraft singen, heftig, donnernd, voller Leidenschaft – und inzwischen auf großen Bühnen stehen, von Stadien bis zur Elbphilharmonie.

Genau so ein Weg schwebt auch den Stuttgartern vor.

Zwischen Kurve und Chorbühne

Die Idee hinter den Kesselkehlchen: bekannte Songs, große Emotionen und Gemeinschaft. Pop, Rock und Mitsing-Hits werden mehrstimmig neu interpretiert. Einer der ersten Songs der Jungs bei der Probe:: „I Want It That Way“ von den Backstreet Boys. Dazu kommen Party- und Wasen-Klassiker wie „Bella Napoli“.

Neben den Hamburgern dienen auch die Grüngürtelrosen als Inspiration – daran orientieren sich die Stuttgarter und wollen doch ihren eigenen Weg gehen: weniger geschniegelt, mehr Gefühl. Weniger Perfektion, mehr Gemeinschaft.

Singen ohne Scham

Gegründet haben sich die Kesselkehlchen  über Instagram, in der sie sehr Lustiges posten. Macht Spaß, da mal reinzuschauen. Männer, die sich vorher nicht kannten, stehen heute gemeinsam im Proberaum – momentan  in einer Kreativwerkstatt nahe dem Marienplatz. Dort wird gesungen, gelacht und auch mal mit einem Bier in der Hand geprobt.

Diese Jungs suchen andere Jungs - also zum gemeinsamen Singen. Foto: privat

Aktuell zählt der Chor etwa zehn  bis 15 Männer zwischen 25 und 40 Jahren, das Ziel sind rund 100. Mitmachen darf jeder. Wirklich jeder. Ob schiefer Ton oder verstecktes Talent: egal. Herkunft, Beruf oder sexuelle Orientierung spielen keine Rolle.

Oder wie es intern heißt: Ein schiefer Ton ist halb so wild – Hauptsache, die Freude stimmt.

Gemeinschaft statt Krisenmodus

Denn eigentlich geht es um mehr als Musik. Singen schafft etwas, das vielen im Alltag fehlt: ein echtes Gemeinschaftsgefühl. Wer gemeinsam singt, fühlt sich verbunden. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum Chöre gerade wieder im Trend liegen. Manche sagen sogar: Singen ist das neue Yoga.

In einer Zeit voller Krisen wächst der Wunsch nach Zusammenhalt. Die Kesselkehlchen liefern dafür einen ziemlich direkten Ansatz: zusammenstehen, zusammen singen, zusammen laut sein.

„Bei uns darf man die Rampensau rauslassen“, sagt Chorleiter Holger Frank Heimsch. Der studierte Musiker arbeitet heute im Veranstaltungsmanagement und bringt damit nicht nur musikalisches Know-how, sondern auch organisatorisches Gespür mit. Zudem ist er Präsident des Chorverbands Stuttgart  – kennt also die Szene bestens und weiß, wie man Tradition und Moderne zusammenbringt. „Die haben Blut geleckt“, sagt er über seine Sänger.

HIER EIN FILM VON DEN HAMBURGER GOLDKEHLCHEN,  DEN VORBILDERN DER KESSELKEHLCHEN:

Zwischen Lampenfieber und großen Plänen

Noch ist da Respekt vor der Bühne. „Viele haben ein bisschen Schiss, vor Publikum zu singen“,  sagt der Chorleiter, zu dessen Aufgabe es ist, alles locker zu machen, damit sie herausholen können, was in ihnen steckt.  Vielleicht geht es deshalb bald erstmal spontan vor den Palast der Republik in Stuttgart – einfach, um reinzukommen.

Das erste große Ziel ist aber gesetzt: ein Auftritt bei den 14. Stuttgarter Chortagen in der Liederhalle im Juli. Und langfristig? „Unser Ziel ist, einmal das Kesselfestival  auf dem Cannstatter Wasen mit unserem Gesang zu eröffnen“, sagt Heimisch.

Jetzt wird’s laut(er)

Noch kennen in Stuttgart nur wenige die Kesselkehlchen. EchtStuttgart sagt voraus: Das wird sich echt bald ändern! 

Stuttgart bekommt  einen neuen Sound, der reinhaut. Einen, der nicht perfekt sein will – aber ehrlich. Laut. Und ziemlich ansteckend. 

Wer mitmachen will, meldet sich einfach über Instagram. 

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