Uwe Bogen
ITFS-Eröffnung
„Stuttgart ist das Hollywood des Trickfilms“ – und Superlative sind der neue Rathaus-Standard
5. Mai 2026
Stuttgart war schon das „deutsche San Francisco“ mit Cable Cars, die Zacke heißen, sowie das „Taj Mahal“ mit der Grabkapelle. Jetzt setzt Frank Nopper noch einen drauf: Stuttgart sei das Hollywood des Trickfilms, sagt der deutsche Walt Disney der Rathaus-Comics bei der ITFS-Eröffnung.
Wenn es um große Bilder geht, kennt der Stuttgarter Oberbürgermeister keine Bremse, sondern maximal die nächste Steigerungsstufe der Überhöhung. Frank Nopper liefert regelmäßig rhetorische Spitzen, die weit über klassische Kommunalpolitik hinausgehen – und längst ein Eigenleben in sozialen Medien entwickelt haben.
Schon im Februar 2026 sorgte er beim CDU-Bundesparteitag für virale Aufmerksamkeit, als er Stuttgart als „deutsches San Francisco“ inszenierte, die „Zacke“ zum „Cable Car“ erklärte und die Grabkapelle zum „deutschen Taj Mahal“ erhob. Die Rede verbreitete sich rasant im Netz – begleitet von Parodien, Netzspott und ironischen Kommentaren.
Bravo, bravo, bitte mehr davon!
Am Dienstagabend setzt Nopper beim Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS) noch einen drauf. In seiner Eröffnungsrede im Gloria-Kino erklärt er feierlich: Stuttgart sei das „Hollywood des Animations- und Trickfilms“.
Bravo, bravo, bitte mehr davon! Denn das macht Stuttgart viral, remixbar und wiederverwendbar! Warum sollen sich Schwaben auch immer kleiner machen als sie in Wahrheit sind? Das neue Selbstbewusstsein verdrängt Understatement und DImunitiv. Jetzt, da unsere Stadtkasse zwar leer ist, wir aber das größte Frühlingsfest der Welt feiern, brechen neue Zeiten an.
Äffle und Pferdle müssen aufpassen! Denn die Endung le wird künftig abgeschafft. Schließlich haben wir einen wackeren Nopper und kein ängstliches Nopperle.
Dass politische Rhetorik inzwischen längst Teil der digitalen Remix-Kultur geworden ist, erleben wir gerade: Teile von Noppers CDU-Rede haben Klickrekorde geschafft. Das Hip-Hop-Kollektiv Junge Arbeiter hat gerade einem neuen Stuttgart-Song herausgebracht, in dem Ausschnitte seiner Superlativ-Vergleiche verarbeitet und musikalisch erweitert werden. Aus der politischen Rede wird Popkultur-Material – und Frank Nopper, wird, wir drücken fest die Daumen, in den Charts landen.
Jane Mumford moderiert die Eröffnung
Moderiert wird die Festivaleröffnung von der Schweizer Komikerin Jane Mumford, die mit trockenem Humor und feinem Timing durch das Programm führt und dem eher feierlichen Anlass vor 330 Gästen eine spielerische Leichtigkeit verleiht.
Ein Festival, das die Stadt füllt
Das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart läuft vom 5. bis 10. Mai und bringt etwa 70.000 Besucherinnen und Besucher in die Stadt. Etwa 500 Filme stehen auf dem Programm, darunter experimentelle Kurzfilme, internationale Wettbewerbsbeiträge und Langfilme mit zunehmend erwachsenem Fokus.
Aus rund 2000 Einreichungen wurden 104 Kurzfilme ausgewählt. Viele Werke greifen aktuelle gesellschaftliche Themen auf – oft in dystopischen Bildwelten. Ein Highlight ist der Oscar-nominierte Film „Little Amélie or the Character of Rain“, der die internationale Strahlkraft des Festivals unterstreicht.
Schlossplatz-Kino startet am Mittwoch
Das Festival verteilt sich bewusst über die gesamte Stadt: Kinos, Staatsgalerie, Innenstadt und Schlossplatz werden zu Spielorten der Animation. Das Open Air an der Jubiläumssäule startet am Mittwoch. Täglich laufen kostenlose Programme, ergänzt durch eine „Activity Area“ mit Workshops und Mitmachformaten
Animation soll hier nicht Nische bleiben, sondern Teil des Stadtlebens werden – sichtbar, zugänglich und niedrigschwellig. So wie das außer Hollywood eben nur wir im Kessel können.
Super, Super, Super-Stuttgart. Unsere Stadt wird zur Storyworld. Wenn es stimmt, dass Stuttgart das Hollywood des Trickfilms ist, wie Nopper sagt – woran wir bei unserem OB natürlich nicht zweifeln – dann ist aber auch klar, was der Stuttgarter Rathaus-Chef ist: der deutsche Shakespeare der Überhöhung, vielleicht sogar der deutsche Robert De Niro der Rathaus-Rede und am Ende womöglich der deutsche Steven Spielberg der Stadtvermarktung. Und das alles ohne Kohle, nur mit der Kraft von gewagten Worten.
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