Talk beim Gründerwasen
Soso ist auf der Wiesn zu Hause. Jetzt besucht die Podcast-Gastgeberin von „Unter der Bavaria“ zum ersten Mal den Cannstatter Wasen – und hat sich Uwe Bogen und Mustafa Göktas von EchtStuttgart als Gesprächspartner ausgewählt. Ein vergnüglicher Gipfel zwischen München und Stuttgart.
Soso liebt die Wiesn. Und die Wiesn liebt Soso.
Wer @sosoconnects erlebt, versteht ziemlich schnell, warum. Die Podcast-Host ist forsch, schnell, witzig, sympathisch – und offensichtlich in der Lage, sich innerhalb weniger Minuten in einer für sie neuen Stadt so zu bewegen, als wäre sie dort aufgewachsen.
Ihr Podcast heißt „Unter der Bavaria“. Bis zum Ende der Wiesn sind 23 Folgen erschienen. Eine beachtliche Schlagzahl.
Doch jetzt verlässt Soso ihr Münchner Revier. Am Mittwoch ist sie nach Stuttgart gefahren, um eine neue Folge aufzunehmen. Titel: „Unter der Bavaria auf Reisen“.
Das Ziel: Cannstatter Wasen. Das ist eine Premiere für Soso.
Und natürlich kommt sie nicht nur zum Feiern. Sie will herausfinden, wie die Schwaben beim zweitgrößten Volksfest der Welt feiern – und was hier anders läuft als in München. Ihr Ton- und Kameramann ist Axel Munz, der Chef von Angermaier.
Wir treffen uns vor der Almthütte Royal. Dort steigt an diesem Tag der große Gründerwasen des Vereins Startup Stuttgart. Etwa 2500 Menschen sind gekommen – Gründerinnen und Gründer, Unternehmer, Kreative, Politiker und Netzwerker.
Da passt EchtStuttgart ziemlich gut hinein. Auch unser Online-Magazin ist ein Start-up. Vor gerade einmal einem halben Jahr gegründet, in einer für Medien schwierigen Zeit, in der viele eher davor warnen würden, ein neues journalistisches Angebot aufzubauen.
Mutig?
Vielleicht.
Aber wir hören immer wieder einen anderen Satz: Das hat Stuttgart gefehlt.
Ein Magazin, das Spaß macht. Das Stuttgart nicht verwaltet, sondern liebt. Ein Magazin mit sozialem Anspruch, das Hilfsaktionen organisiert und unterstützt. Ein Magazin mit gutem Schreibstil und exklusiven Geschichten.
Die Resonanz zeigt, dass dafür ein Publikum da ist. Einzelne Artikel von EchtStuttgart kommen auf mehr als 40.000 Aufrufe, Beiträge auf Instagram erreichen teilweise bis zu 300.000 Views.
Die Medienlandschaft ändert sich gewaltig. Bei den etablierten Zeitungshäusern wird gespart, gestrichen und umgebaut. Die Stimmung in der Belegschaft ist auf einem Tiefpunkt. Besonders sichtbar ist der Wandel bei der einst stolzen Stuttgarter Zeitung: Sie erscheint seit Anfang Oktober in einem Layout aus Ulm, das im Zuge der stärkeren Vereinheitlichung innerhalb der Verlagsgruppe übernommen wurde. Ein Auftritt, der viele langjährige Leserinnen und Leser irritiert, um es vorsichtig auszudrücken – gerade weil die StZ über Jahrzehnte für eine starke, unverwechselbare Stuttgarter Zeitungsidentität stand. Und jetzt bringt das Blatt alles auf die Ulmer Art – so wie viele andere Zeitungen im Einheitslook. „Mein Vater würde sich im Grab umdrehen“, postet der Sohn eines langjährigen StZ-Redakteurs auf Social Media.
EchtStuttgart hat Lust darauf, neue Wege zu gehen. Journalismus mit Nähe, Persönlichkeit und großer Leidenschaft für diese Stadt. Klar also, dass wir beim großen Treffen der Stuttgarter Start-up-Szene dabei sind.
Aber Soso ist wegen etwas anderem hier. Sie will über den Wasen reden.
Für ihre neue Podcast-Folge hat sie sich unter anderem zwei Gäste aus dem EchtStuttgart-Team ausgesucht: den Journalisten Uwe Bogen und Moderator und Model Mustafa Göktas.
Und Soso stellt gleich eine Frage, die angesichts Tausender Dirndl und Lederhosen auf dem Wasen durchaus berechtigt ist:
Seit wann tragen die Stuttgarter eigentlich Tracht?
Mustafa Göktas muss darüber nicht lange nachdenken. Er ist schon seit vielen Jahren Trachtenfan. Bereits vor mehr als 20 Jahren habe er Lederhose getragen, erzählt er.
Bei Uwe Bogen war das komplizierter. Lederhose? Als Schwabe? Müssen wir jetzt wirklich alles den Bayern nachmachen? Seine Annäherung an die Lederhose begann deshalb vorsichtig. Mit schwäbischem Sicherheitsabstand sozusagen.
„Meine erste war eine württembergische“, erzählt Bogen. „Württemberg-Wappen drauf, schön übers Knie. Damit konnte ich leben. Lederhose ja. Aber bitteschön mit regionalem Alibi.“
Inzwischen sieht er die Sache entspannter. Denn Tracht kann etwas, das auf einem Volksfest gut funktioniert: Sie schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Für ein paar Stunden sind alle irgendwie eins.
Und, auch das darf gesagt werden: Bei den meisten sieht sie gut aus.
Dann drehen wir den Spieß um. Soso stellt die Fragen – aber jetzt wollen wir von der Wiesn-Expertin wissen: Wie ist denn ihr erster Eindruck vom Cannstatter Volksfest?
Sehr gut, antwortet sie. Und dann kommt eine Beobachtung, die uns Stuttgartern durchaus gefällt: Es sei hier nicht ganz so voll wie auf der Wiesn. Genau das, sagen wir, ist doch eine unserer Stärken. Der Wasen ist riesig. Aber er fühlt sich trotzdem familiärer an als das Oktoberfest.
Und nein, wir haben überhaupt kein Problem damit, dass München das größte Volksfest der Welt hat und wir „nur“ die Nummer zwei sind. Wir wollen gar keine zweite Wiesn werden. Der Wasen soll Wasen bleiben. Aber halt, da gibt es ja doch noch was. „Beim Fußball wollen wir die Nummer eins vor Bayern München werden“, sagt Mustafa Göktas.
Soso will natürlich noch genauer wissen, was bei uns anders läuft als in München. Das Volksfest ist vielleicht sogar jünger als das Oktoberfest, sagen wir. Denn bei uns sind Clubs mit House-Musik statt Ballermann und Schampus statt Bier der Renner, in denen man sogar eine Stunde länger feiern kann als im Rest des Festzelts.
Und dann ist da eine Besonderheit, die unsere Münchner Besucherin echt überrascht: In Cannstatter Festzelten darf noch geraucht werden.
Wie lange das so bleibt, ist offen. Gegen die entsprechenden Regelungen gibt es juristischen Widerstand mit einer Verfassungsbeschwerde. Gut möglich also, dass diese Wasen-Tradition nur noch in dieser Saison gilt. Für Soso ist dies eine weitere Erkenntnis auf ihrer kleinen Forschungsreise ins Schwabenland.
Das Gespräch macht allen Spaß. Soso sowieso, Uwe Bogen und Mustafa Göktas ebenfalls – und auch Axel Munz, dem Münchner Trachtenchef. Vielleicht liegt genau darin der Charme dieser Begegnung. Hier kommen zwei Volksfest-Welten zusammen, die sich gern gegenseitig ein bisschen aufziehen – und sich gleichzeitig erstaunlich ähnlich sind. Die Münchner haben ihre Wiesn. Wir haben unseren Wasen. Sie haben die Bavaria, wir den Fernsehturm. Sie haben ihre Traditionen, wir unsere.
Und natürlich kann man darüber diskutieren, wer die besseren Zelte, die schönere Tracht oder die größere Party hat. Muss man aber gar nicht. Denn nach ihrem ersten Wasen-Besuch dürfte Soso eines verstanden haben:
Die Schwaben müssen München nicht kopieren, um richtig gut feiern zu können.
Und Stuttgart wiederum hat an diesem Abend eine Münchnerin kennengelernt, die ziemlich gut zum Wasen passt. Forsch, schnell, witzig, sympathisch. Fast so, als wäre sie schon öfter hier gewesen.
Soso liebt die Wiesn. Die Wiesn liebt Soso.
Aber nach diesem Mittwoch könnte es gut sein, dass in dieser Beziehung künftig noch jemand mitmischt: der Wasen. Besuche uns doch nächstes Jahr wieder, Soso! Wir wünschen viel Erfolg für Deinen Postcast.
Diese Festzelte unterstützen unsere Wasen-Berichterstattung 2026.
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