Uwe Bogen

Burnout in der Gastronomie

Veganes Gold schließt – offene Worte der Köchin berühren viele

5. Mai 2026

Die Schließung des gefeierten Restaurants Veganes Gold bewegt die Stuttgarter Gastroszene – nicht nur wegen des kulinarischen Verlusts. Die Betreiberin  spricht in einem ungewöhnlich offenen Instagram-Post über Burnout und  Angststörung. Für ihre Ehrlichkeit erhält sie viel Zuspruch.

Alex Donath im Innenhof ihres Restaurant Veganes Goldvan der Schlossstraße im Stuttgarter Westen. Foto: Instagram/AveganesgoldbyAlex

Die Gastronomie gilt seit jeher als eine der forderndsten Branchen: lange Arbeitszeiten, hoher Druck, zu wenig Freizeit. Dass Menschen in diesem Spannungsfeld ausbrennen, überrascht kaum. Schlafstörungen, Angstzustände, Panikattacken, Depressionen  nehmen quer durch alle Berufsbranchen spürbar zu.

Und doch sprechen nur wenige so offen darüber. Die Chefin des Restaurants Veganes Gold im Stuttgarter Westen tut genau dies. Ihr ehrlicher Instagram-Post trifft einen Nerv – und berührt viele.

„Es ist ein zu großes ZU VIEL für mich“, schreibt sie und begründet eindrücklich und emotional nachvollziehbar, warum sie ihr im Herbst 2024 eröffnetes und  hochgelobtes Restaurant  Ende Juli schließen wird. Im aktuellen Schlemmer-Atlas ist das Vegane Gold aus Stuttgart in den Top 50. Lob der Gäste und Restaurantkritiker gibt es für überraschende Aromen sowie für Perfektion und Hingabe, die man am Tisch spüren könne.

Zwischen Leidenschaft und Erschöpfung

Alex Donath, früher auch als Foodblogggerin  erfolgreich, beschreibt Symptome, die längst keine Randerscheinung mehr sind: Schlafstörungen, Panikattacken, Angstzustände, körperliche Schmerzen. Ein Zustand, den sie selbst als „ziemlich ausgebrannt“ bezeichnet.

Burnout, Depressionen, Angststörungen – Begriffe, die oft abstrakt bleiben, bekommen hier ein Gesicht. Und dieses Gesicht gehört jemandem, der scheinbar „alles geschafft hat“: ein erfolgreiches Restaurant, begeisterte Gäste, kreative Küche.

Gerade das macht die Geschichte so eindringlich. Denn sie zeigt, dass Leidenschaft allein nicht schützt, dass Leidenschaft krank manchen kann..

Alex schreibt von einem schleichenden Verlust des eigenen Lebens:

„Neben all der Liebe fürs Kochen verzichte ich zu sehr auf meine Familie, meine Freunde, auf mich selbst.“

Besonders eindrücklich wird es, wenn sie über ihre Familie schreibt. Wenn Feiertage, Wochenenden und gemeinsame Erlebnisse zur Ausnahme werden – dann kippt selbst ein Herzensprojekt.

Ein persönlicher Schritt mit gesellschaftlicher Dimension

Die Entscheidung, aufzuhören, ist radikal – und gleichzeitig konsequent. „Gesundheit und Familie stehen vor allem anderen“, schreibt Alex Donath.

Was wie eine private Entscheidung wirkt, ist auch ein gesellschaftliches Signal. Psychische Erkrankungen nehmen in nahezu allen Berufsfeldern zu. Die Grenzen zwischen Engagement und Selbstüberforderung verschwimmen immer häufiger.

Gerade in kreativen und selbstständigen Berufen entsteht schnell ein gefährlicher Mix: hohe Identifikation, permanenter Leistungsdruck, fehlende Abgrenzung.

Alex zieht die Reißleine – früh genug, wie sie selbst sagt.

Viel Verständnis für ihre Entscheidung 

Die Reaktionen auf ihren Post zeigen, wie sehr ihre Offenheit viele Menschen aufwühlt – vielleicht erkennen sich der eine oder andere wieder. In den Kommentaren äußern eigentlich alle Verständnis für ihre  Entscheidung.

Eine Nutzerin schreibt, es sei „ein riesen Verlust für die Stuttgarter Gastronomie“, aber gleichzeitig absolut nachvollziehbar. Eine andere nennt die Entscheidung „mutig“ und bewundert die Offenheit. Immer wieder fallen ähnliche Worte: Gesundheit geht vor, richtiger Schritt, alles Gute.

Auch wenn das Bedauern mitschwingt, dominiert Respekt.

Was der Dehoga-Geschäftsführer dazu sagt

Jochen Alber, Geschäftsführer des Dehoga-Kreisverbands Stuttgart, wundert sich nicht, dass psychische Erkrankungen in der Gastronomie zunehmen.  „Die Branchentendenz ist insgesamt nicht positiv“, sagt er auf unsere Anfrage, „die Kosten steigen weiterhin.“ Hinzu komme, dass sich die  vegane Nische sich nicht so entwickelt habe wie erwartet. Zwar sei in diesem Bereich der Wareneinkauf günstiger, aber der Personalbedarf teurer. 

Abschied auf Zeit?

Bis zum 31. Juli bleibt Zeit für einen letzten Besuch, für ein neues Menü – und für einen bewussten Abschied.. Wie es danach weitergeht, lässt Alex offen. Doch zwischen den Zeilen wird klar: Dieser Schritt ist kein Scheitern, sondern ein Neuanfang.

Oder, wie eine Kommentatorin es formuliert:
„Du bist nicht dein Restaurant. Du bist all das Potenzial, das in dir steckt.“

Bis hierhin – und nicht weiter

Die Schließung des Veganen Goldes könnte vielleicht sogar eine Warnung sein  – in einer Zeit, in der Erfolg oft mit Selbstaufgabe erkauft wird.

Und sie ist ein selten ehrlicher Einblick in das, was passiert, wenn jemand innehält und sagt: Bis hierhin – und nicht weiter.

Alles Gute, Alex, denk an Dich und Deine Familie, sammle wieder Kraft!

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