Zwischenfall beim Volksfestumzug
Beim Cannstatter Volksfestumzughat OB Frank Nopper Tierschützern ein Transparent entrissen. Ein Video des Vorfalls liegt EchtStuttgart vor. Dabei soll ein Aktivist an der Hand verletzt worden sein. Ob nun ermittelt wird, kann die Polizei am Sonntag noch nicht sagen. Die Stimmung beim Umzug ist jedenfalls sehr gut.
Am Sonntag herrscht beste Volksfeststimmung in Bad Cannstatt. Tausende Besucherinnen und Besucher säumen die Straßen, es wird gewunken, geklatscht und gefeiert. Beim Volksfestumzug sind die Festwagen prächtig geschmückt, historische Fahrzeuge und Tiere sind dabei. In diesem Jahr steht die Landwirtschaft im Mittelpunkt.
Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall.
Auf dem Video, das unserer Redaktion vorliegt, ist zu sehen, wie Oberbürgermeister Frank Nopper und seine Frau Gudrun Nopper in einer Pferdekutsche sitzen und den Menschen am Straßenrand erfreut zuwinken. Plötzlich tauchen Demonstranten neben der Kutsche auf. Sie halten ein Transparent mit der Aufschrift „Tierschauverbot für Stuttgart“ hoch und laufen neben der fahrenden Kutsche her.
Als Nopper das Transparent bemerkt, greift er danach und zieht es mit einer schnellen Bewegung an sich. Die Aktivisten lassen schließlich los. Nopper behält das Transparent, während die Kutsche weiterfährt.
Nach Angaben des Kollektivs Tierbefreiung soll bei dem Vorfall einer der beiden Aktivisten leicht an der Hand verletzt worden sein. Ob die Aktivisten deshalb Strafanzeige gegen den Rathauschef stellen werden, sei noch nicht entschieden, sagte Emilia Schüler vom Kollektiv Tierbefreiung auf Anfrage von EchtStuttgart.
Wenig später ist auch die Polizei vor Ort. Weitere Aktivisten protestieren entlang der Umzugsstrecke mit Transparenten wie „Umzug ohne Tiere“ und „Tierausbeutung stoppen“. Nach Angaben des Kollektivs werden sechs von ihnen von Polizeikräften von der Straße gebracht und abgeführt.
Abseits der Protestaktion verläuft der traditionelle Volksfestumzug in ausgelassener Atmosphäre. Tausende Besucher verfolgen das Geschehen entlang der Strecke. Trachtengruppen, Musikkapellen, historische Festwagen und Pferdegespanne prägen das Bild des Umzugs.
Ob im Zusammenhang mit dem Zwischenfall Ermittlungen gegen Nopper geführt werden, konnte die Polizei am Sonntag zunächst nicht sagen.
EchtStuttgart bat in.Stuttgart sowie die Pressestelle der Stadt Stuttgart um eine Stellungnahme zu dem Vorfall. Während in.Stuttgart am späten Abend erklärte, man werde nichts dazu erklären, kam von der Stadt bisher keine Antwort.
Hinter der Protestaktion steht das Kollektiv Tierbefreiung Stuttgart. Die Aktivisten wenden sich gegen den Einsatz von Tieren beim Volksfestumzug und fordern ein generelles Verbot von Tierschauen zu Unterhaltungszwecken in Stuttgart.
Das Kollektiv kritisiert insbesondere, dass beim Umzug Pferde, Ochsen, Kühe, Ziegen und Schweine eingesetzt werden. Nach Darstellung der Aktivisten seien die Tiere Transporten, langen Wartezeiten und einer ständigen Geräuschkulisse durch Musik, Applaus und die vielen Menschen ausgesetzt.
Besonders kritisiert die Gruppe den sogenannten Schweinetrieb, bei dem mehrere Schweine gemeinsam durch den Umzug geführt werden.
„Tiere wie Pferde, Ochsen, Kühe und Ziegen in einer lauten und engen Innenstadt einzusetzen, ist Missbrauch und hat nichts mit Brauchtum oder Tradition zu tun. Sie gehören auf weitläufige Weiden, wo sie spielen und mit Artgenossen interagieren können“, sagt Emilia Schüler, Pressesprecherin des Kollektivs Tierbefreiung Stuttgart.
Der Cannstatter Volksfestumzug steht dagegen traditionell für die Darstellung der Geschichte des Volksfestes sowie landwirtschaftlicher und schwäbischer Traditionen. Tiere und Gespanne sind seit langem Bestandteil des Umzugs.
Das Kollektiv Tierbefreiung unterstützt nach eigenen Angaben zudem einen Antrag von Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg, der auf Veränderungen beim Umgang mit Tieren im Zusammenhang mit dem Volksfest abzielt. Ein Wildtierverbot für den Zirkus gibt es bereits. Der Weltweihnachtscircus wird künftig freiwillig generell auf Tiere verzichten.
Auf dem Cannstatter Wasen gilt bereits seit 2019 ein kommunales Verbot bestimmter Wildtiere. Den Aktivist geht das nicht weit genug. Sie fordern den Stuttgarter Gemeinderat auf, ein generelles Tierschauverbot zu beschließen und Tiere künftig nicht mehr zu Unterhaltungszwecken bei entsprechenden Veranstaltungen einzusetzen.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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