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Neustart in der Klett-Passage

Vom Flüchtlingskind zum Erfolgsgastronomen: Tien Do eröffnet sein viertes Min Min


Uwe Bogen 4 Min. Lesezeit News

Die Klett-Passage ist heller und freundlicher geworden – und Gastronom Tien Do will mithelfen, dass es weiter aufwärtsgeht. Am Samstag eröffnet er dort sein viertes Min Min. Der Weg des einstigen Flüchtlingskindes aus Vietnam ist eine besondere Stuttgarter Erfolgsgeschichte

Tien Do vor seinem vierten Min Min, das am Samstag in der Klett-Passage öffnet. Foto: Uwe Bogen

Min Min – das klingt nach Minute. Und weil hier morgens, mittags und abends Tausende Menschen auf dem Weg zur S-Bahn, Stadtbahn oder in die Innenstadt vorbeieilen, könnte man meinen, der Name sei Programm: schnell etwas bestellen, schnell essen, schnell weiter.

Doch mit Geschwindigkeit hat „Min Min“ überhaupt nichts zu tun.

Die Geschichte hinter dem Namen führt zurück zu Benjamin, dem heute 15-jährigen Sohn des Gastronomen Tien Do. Als Benjamin klein war, konnte er seinen eigenen Namen noch nicht richtig aussprechen. Aus Benjamin wurde in seiner Kindersprache „Min Min“.

Dem Vater gefiel das so gut, dass daraus später der Name seiner Gastronomie wurde. Am kommenden Samstag, 12 Uhr,  eröffnet Tien Do sein viertes Min Min – diesmal an einem Ort, an dem Geschwindigkeit tatsächlich eine große Rolle spielt.

Wo Stuttgart ständig unterwegs ist

Der neue Standort  befindet sich in der 50 Jahre alten Passage, die nach dem früheren OB Arnulf Klett benannt ist und die nun von der SSB verantwortlich betreut wird. Der Zugang  befindet sich beim Block House. Wo früher ein Schlüsseldienst seine Räume hatte, ziehen jetzt Sushi, Bowls, Sommerrollen, Säfte und Smoothies ein. Die Eröffnung in der Klett-Passage  wird am Samstag mit Löwentanz, Glücksrad und einem Rabatt von 20 Prozent auf alle Gerichte gefeiert.

Der Bau der Klett-Passage vor über 50 Jahren. Foto: SSB

Von 7 bis 21 Uhr will Tien Do mit seinem Team künftig die Gäste dort bedienen. Seine Zielgruppe läuft ihm buchstäblich vor der Tür vorbei: Pendler, Reisende, Schülerinnen und Schüler, Berufstätige und Einkaufende – all jene, die zwischen Hauptbahnhof, S-Bahn, Stadtbahn und Königstraße unterwegs sind.

Das Konzept ist auf diese Menschen zugeschnitten: frisch zubereitet, unkompliziert und schnell mitzunehmen.

Er glaubt an den Standort

Der Ort hat zwei Gesichter. Einerseits passieren ihn täglich gewaltige Menschenströme. Andererseits hat die Klett-Passage seit Jahren keinen besonders guten Ruf. Der 50-Jährige weiß das. Abschrecken lässt er sich davon nicht.

Im Gegenteil: Er sieht eine Entwicklung zum Besseren. Nach dem „Face-Lifting“ durch die SSB sei alles heller und freundlicher geworden. Auch die verstärkte Präsenz und die häufigeren Streifen der Polizei nimmt er positiv wahr. Mit seinem neuen Lokal möchte er selbst dazu beitragen, dass sich das Umfeld weiter verändert.

Min Min setzt auf Frische. Foto: privat

Als Flüchtlingskind nach Deutschland gekommen

Dass Tien Do Herausforderungen nicht grundsätzlich scheut, passt zu seiner Lebensgeschichte.

1975 wurde er in Saigon geboren, dem heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt. In den 1980er-Jahren floh er mit seinen Eltern als sogenannte Boatpeople aus Vietnam und kam nach Deutschland. Es war der Beginn eines völlig neuen Lebens.

Tien Do lernte schnell Deutsch, fand sich in der neuen Heimat zurecht und machte seinen Weg. Aus dem Flüchtlingskind von damals wurde ein erfolgreicher Stuttgarter Gastronom.

Seine Herkunft hat er dabei nie vergessen. Sie ist heute ein wichtiger Teil seiner Restaurants – nicht als Folklore, sondern auf den Tellern.

Die 75 steht für sein Geburtsjahr

An der Königstraße betreibt er seit zwei Jahren das Saigon 75. Schon der Name erzählt ein Stück seiner Biografie: Die 75 steht für sein Geburtsjahr. Das Restaurant setzt auf vietnamesisches Streetfood und Gerichte, wie man sie aus den Straßen Saigons kennt. Die Köche kommen aus Vietnam, die Zutaten sollen frisch sein, die Küche authentisch – wenn auch beim Schärfegrad ein wenig an europäische Gewohnheiten angepasst.

Nun folgt mit dem vierten Min Min der nächste Schritt. Weitere Standorte betreibt er unter diesem Namen am Bahnhof Feuerbach, an der Königstraße 4 sowie am Gleis 1 des Hauptbahnhofs 

Warum Vietnam auf deutschen Tellern immer beliebter wird

Tien Do ist überzeugt, dass vietnamesisches Streetfood in Deutschland weiter an Bedeutung gewinnen wird. Einen Grund sieht er im Tourismus. Viele Deutsche reisen nach Vietnam, lernen dort die Küche kennen und suchen die Aromen nach ihrer Rückkehr auch zu Hause.

Dazu gehört eine gewisse Schärfe. Auch daran hätten deutsche Gäste zunehmend Gefallen gefunden, beobachtet der Gastronom. Vietnamesisches Essen könne durchaus pikant sein, sei im Allgemeinen aber nicht so scharf wie viele Gerichte aus Thailand.

Vor allem soll es frisch sein.

Für das neue Min Min verspricht Tien Do Bowls, Sushi, Sommerrollen und Wok-Gerichte, dazu frische Säfte und Smoothies. „Gesunder Genuss und frisches Asia Street Food unterwegs“ lautet das Versprechen des Unternehmens. Die Idee dahinter: Reisende und Pendler sollen nicht zwischen Fast Food und Zeitverlust wählen müssen.

Wo früher Schlüssel gemacht wurden, gibt es jetzt Smoothies

Dass ausgerechnet ein früherer Schlüsseldienst zur nächsten Station seiner gastronomischen Karriere wird, hat einen gewissen Charme. Wo früher Schlüssel nachgemacht wurden, gibt es jetzt Smoothies.

Tien Do setzt dabei auf eine einfache Rechnung: An kaum einem anderen Ort in Stuttgart kommen so viele Menschen vorbei, die wenig Zeit haben und trotzdem etwas Frisches essen möchten. Genau diese Kundschaft will er von morgens um 7 bis abends um 21 Uhr erreichen.

Aus einem ehemaligen Schlüsseldienst wird damit ein Streetfood-Lokal – und für Tien Do ein weiterer Baustein seiner Stuttgarter Erfolgsgeschichte.

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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Wo Stuttgart ständig unterwegs ist
  2. Er glaubt an den Standort
  3. Als Flüchtlingskind nach Deutschland gekommen
  4. Die 75 steht für sein Geburtsjahr
  5. Warum Vietnam auf deutschen Tellern immer beliebter wird
  6. Wo früher Schlüssel gemacht wurden, gibt es jetzt Smoothies

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