Uwe Bogen
EchtStuttgart Exklusiv
Wo Stuttgart seiner Großen gedenkt: Manfred Rommel erhält Ehrengrab auf dem Waldfriedhof
15. Juli 2026
Auf dem Waldfriedhof ruhen die Persönlichkeiten, die Stuttgart und das Land geprägt haben. Nun kommt auch der frühere Oberbürgermeister Manfred Rommel hinzu. Sein Grabstein steht bereits. Ein Besuch in Stuttgarts Pantheon.
„Die Zahl der Titel will nicht enden. Am Grabstein stehet: Bitte wenden.“
Dieses Zitat beschreibt den trockenen Humor von Manfred Rommel ganz wunderbar. Der langjährige Stuttgarter Oberbürgermeister und Ehrenbürger nahm die vielen Auszeichnungen, Ehrentitel und Preise, die ihm im Laufe seines Lebens verliehen wurden, stets mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Mit dem Bonmot spielte er darauf an, dass die Vorderseite eines Grabsteins bei so manch einer Persönlichkeiten für die Fülle seiner Titel nicht ausreichen würde – man müsse ihn halt einfach umdrehen und auf der Rückseite weiterschreiben.
Ein neuer Grabstein steht nun in der Reihe der Ehrengräber auf dem Waldfriedhof Stuttgart Auf der Vorderseite sieht man die Namen von Manfred und Liselotte Rommel. Und was steht auf der Rückseite? Bitte wenden? Die Rückseite ist natürlich freigeblieben. Rommels Witze klingen aber auch so nach.
Rommel wurde 2013 in Sillenbuch beerdigt
Der Waldfriedhof ist das Stadtgedächtnis Stuttgarts. Hier ruhen die Persönlichkeiten, die Geschichte geschrieben haben – von Robert Bosch über Theodor Heuss und Arnulf Klett bis hin zu Lothar Späth. Seit einigen Tagen fällt Besucherinnen und Besuchers auf, dass neuerdings der Name Manfred Rommel in der Reihe der Ehrengräber zu lesen ist. Der frühere Oberbürgermeister war 2013 auf dem Ostfilderfriedhof in Sillenbuch beerdigt worden.
Ist der Ehrenbürger bereits umgebettet oder steht der Umzug wie zuletzt wie bei Lothar Späth unmittelbar bevor?
Stadt misst Rommels Ehrengrab „hohe Bedeutung“ zu
Auf Anfrage von EchtStuttgart will die Pressestelle der Stadt Stuttgart „zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine abschließenden Angaben“ machen – dies betreffe den zeitlichen Ablauf also auch gestalterische und organisatorische Details. Die Verwaltung werde sich erst dann dazu öffentlich äußern, wenn die Planungen abgeschlossen und man „ein Einvernehmen mit der Familie Rommel“ erzielt habe. Wichtig ist es, der Pressestelle folgendes zu betonen: „Die Landeshauptstadt Stuttgart misst dem Ehrengrab für den früheren Oberbürgermeister eine hohe Bedeutung zu“.
Auf dem Waldfriedhof reden viele darüber, auch wenn sich das Rathaus noch bedeckt hält. Rommels Grab fällt auf, das sich unweit des Eingangs befindet. Über eine geplante Umsetzung des Ehrenbürgers findet man nichts im Internet.
Doch klar ist: Nachdem zuletzt Lothar Späth umgebettet wurde, sollte auch der Stuttgarter Ehrenbürger seine letzte Ruhe an einem Ort finden, an dem sich Stuttgarts Geschichte in Namen und Grabsteinen widerspiegelt.
Manfred Rommel starb am 7. November 2013. Beigesetzt wurde er damals in einem Ehrengrab auf dem Ostfilderfriedhof im Stuttgarter Stadtteil Sillenbuch. Es war ein persönlicher Ort: In Sillenbuch hatte seine Familie viele Jahre gelebt, hier lagen die familiären Wurzeln des früheren Rathauschefs.
Nun also Rommels letzter Ortswechsel. Auf dem Grabstein, der bereits auf dem Waldfriedhof steht, ist zu lesen: „Manfred Rommel, Oberbürgermeister der Stuttgart“ sowie der Name seiner Frau Liselotte Rommel, die am 23. Mai 2026 gestorben ist.
Wo Stuttgarts Geschichte in Stein geschrieben steht
Wer den Waldfriedhof besucht, nimmt häufig die historische Standseilbahn vom Südheimer Platz. Seit mehr als 100 Jahren fährt sie hinauf durch den Wald nach Degerloch und gehört längst selbst zu den Wahrzeichen der Stadt. Die kurze Fahrt führt zu einem der eindrucksvollsten Erinnerungsorte Stuttgarts.
Der 1913/14 angelegte Landschaftsfriedhof mit Parkcharakter ist mit rund 30,7 Hektar Fläche der größte Friedhof der Landeshauptstadt. Rund 15.000 Grabstellen liegen zwischen alten Bäumen, geschwungenen Wegen und großzügigen Lichtungen. Hier wird Geschichte nicht nur erzählt – sie ist in Grabsteine gemeißelt.
Auf dem Waldfriedhof ruhen Persönlichkeiten, die Stuttgart und Baden-Württemberg geprägt haben: der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, und seine Frau Elly Heuss-Knapp, die früheren Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett und Carl Lautenschlager sowie Unternehmer, Künstler und Wissenschaftler.
Hier liegen unter anderem auch Robert Bosch, Eduard Breuninger, der Architekt Paul Bonatz und der Künstler Oskar Schlemmer.
Rainer Nitschke findet seine letzte Ruhe in einem Baumgrab
Auch der langjährige SWR-Moderator Rainer Nitschke findet seine letzte Ruhe auf dem Waldfriedhof in einem Baumgrab. Eine private Initiative, an der ganz wesentlich EchtStuttgart beteiligt ist, hat dafür Geld gesammelt. Die Stadt Kehl, wo die „Stimme des Südens“ zuletzt lebte, hatte keine Angehörigen gefunden und wollte den früheren Radiostar anonym bestatten. Seine Beerdigung ist nun am 7. August um 12 Uhr auf dem Waldfriedhof.
Manfred Rommel ruht künftig in einer Nachbarschaft, die zeigt, welche Bedeutung der Waldfriedhof für Stuttgart besitzt. Parteigrenzen spielen hier keine Rolle mehr. Was bleibt, sind Lebensleistungen und die Erinnerung an Menschen, die ihre Stadt geprägt haben.
Mit dem Ehrenbürger kommt nun ein weiterer großer Name hinzu. Der Waldfriedhof ist damit mehr als ein Ort der Ruhe. Er ist ein Archiv unter freiem Himmel – und jeder Grabstein erzählt ein Stück Stadtgeschichte.
Um noch einmal Manfred Rommel zu zitieren – mit seinen Sprüchen hat er mehrere Büchern gefüllt: „Der Tod ist das Ende des Lebens, nicht das Ende der Welt.“
Und: „Man kann nicht alles haben. Aber man kann sich alles verdienen.“
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