Uwe Bogen
Kommentar
Die Pride braucht die demokratische Mitte: Gut, dass die CDU mit einem Truck zum CSD zurückkehrt
7. Juli 2026
Nach der Aufregung vor einem Jahr um ihr Fernbleiben kehrt die CDU mit einem eigenen Truck zum Stuttgarter CSD zurück. In Zeiten des Rechtsrucks ist der demokratische Schulterschluss wichtig, kommentiert Uwe Bogen. Ob er trägt, zeigt sich aber erst im politischen Alltag.
Die Aufregung war im vergangenen Jahr groß: Die CDU verzichtete erstmals auf einen eigenen Truck beim Christopher Street Day. Viele werteten das als falsches Signal – gerade in einer Zeit, in der liberale Werte und die Rechte queerer Menschen wieder stärker unter Druck geraten.
Umso erfreulicher ist die Nachricht, die CDU-Fraktionschef Alexander Kotz EchtStuttgart jetzt bestätigt hat: Die CDU wird in diesem Jahr wieder mit einem Truck beim Stuttgarter CSD vertreten sein.
Das ist die richtige Entscheidung.
Stuttgart muss eine liberale Stadt bleiben. Der CSD ist eine Demonstration für Menschenrechte, Vielfalt und Toleranz. Deshalb war es über viele Jahre selbstverständlich, dass sich die große demokratische Mehrheit der Parteien – mit Ausnahme der AfD – dort gemeinsam zeigte. Dazu kommen zahlreiche Unternehmen, Vereine und Institutionen, die bei der Pride-Demo am 25. Juli ebenfalls Haltung zeigen wollen.
Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung sollte dieser demokratische Schulterschluss nicht kleiner, sondern größer werden.
Kölner Ereignisse sollten sich in Stuttgart nicht wiederholen
Die Ereignisse beim CSD in Köln vor einer Woche sollten sich bei uns in Stuttgart nicht wiederholen. Dort wurde der Truck der CDU von Teilen des Publikums lautstark ausgebuht. Wer immer wieder Toleranz einfordert, muss sie auch selbst leben. Demokratie bedeutet, unterschiedliche politische Auffassungen auszuhalten. Demokratische Parteien, die sich zum Schutz von Vielfalt und den Grundrechten bekennen, haben ihren Platz beim CSD. Sie auszupfeifen oder zu beschimpfen, weil sie einer anderen politischen Richtung angehören, widerspricht dem Geist der Veranstaltung.
Toleranz sollte für alle gelten.
Handelt es sich gar um Pinkwashing?
Natürlich darf man über Positionen der CDU streiten – dafür sind Wahlkämpfe und politische Debatten da. Aber wer eine demokratische Partei aus einem gemeinsamen gesellschaftlichen Bündnis hinausdrängen will, spielt am Ende nur denjenigen in die Hände, die Vielfalt grundsätzlich ablehnen. Natürlich darf man sich fragen, ob es sich bei Teilnehmenden des CSD wirklich um den Ausdruck glaubwürdiger Haltung oder gar um Pinkwashing und Wählerfang handelt. Was in Wahrheit dahinter steckt, wird sich erst später im politischen Alltag zeigen.
Für Verwunderung sorgte zuletzt auch der frühere Stuttgarter Stadtrat und heutige Linke-Vorsitzende Luigi Pantisano. Mit seiner Behauptung, die CDU sei „faschistisch“, schoss er weit über jedes vertretbare Maß hinaus. Er musste diese Aussage später wieder zurücknehmen. In Stuttgart dürfte das kaum überrascht haben – schließlich ist Pantisano schon während seiner Zeit im Gemeinderat immer wieder mit überzogenen und völlig abwegigen Aussagen aufgefallen.
Wer die CDU aus dem CSD rausdrängen will, sorgt dafür, dass CDU und AfD doch mal gemeinsame Sache machen. Dies gilt es zu verhindern.
Der CSD lebt von Vielfalt – auch von politischer Vielfalt innerhalb des demokratischen Spektrums. Gut, dass die CDU in Stuttgart wieder Flagge zeigt. Denn nur wenn die demokratische Mehrheit zusammensteht, bleibt Stuttgart das, was die Stadt seit Jahrzehnten auszeichnet: liberal, weltoffen und tolerant.
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