Uwe Bogen
Helfen macht happy
Klinsmann & Jauch live: Erinnerungen, Emotionen und die Suche nach dem Sinn
29. April 2026
Wenn Günther Jauch und Jürgen Klinsmann, zwei alte Freunde, in der MHP-Arena aufeinandertreffen, geht es um weit mehr als um Fußball: Geistreich und witzig geht es dabei zu – und vor allem darum, anderen zu helfen und im Leben Sinn zu stiften. Matchwinner ist die Agapedia-Stiftung.
Seit Jahrzehnten treffen sie sich vor den Kameras ganz unterschiedlicher Fernsehstudios – wenn es etwa Knatsch mit dem FC Bayern München gibt oder wenn der Wahl-Kalifornier, den der „Wer wird Millionär?“-Moderator mal den „Obama des Fußballs“ genannt hat, die USA unter Trumpp erklären soll.
Kennengelernt haben sich die beiden, als der eine noch aktiv auf dem Platz stand. Und längst ist daraus mehr geworden als mediale Routine: eine gewachsene Freundschaft.
Wie gut Jürgen Klinsmann (Jahrgang 1964) und Günther Jauch (Jahrgang 1956) miteinander können, spürt jeder sofort, da sich die beiden im exklusiven Porsche-Tunnelclub, dem bei Spielen teuersten Pace-to-be der MHP-Arena, in die halbrunde, leicht erhöhte Sitzlandschaft sinken lassen. Kein distanziertes Bühnenbild, kein steifer Talk – eher ein Gespräch unter Freunden, das die Gäste zur Feier des 30. Geburtstags der Agapedia-Stiftung von der ersten Minute an mitnimmt: amüsant, nahbar und immer wieder überraschend persönlich.
Die erste Frage: Wie geht es Jonathan Klinsmann?
Jauch, aus Mainz angereist, übernimmt den Talk – und stellt gleich zu Beginn die persönliche Frage, die alle bewegt: Wie geht es Jonathan Klinsmann?
Der Sohn des früheren Bundestrainers hatte sich bei einem Spiel in Italien schwer verletzt, Brüche an der oberen Halswirbelsäule erlitten und wurde erst wenige Tage zuvor in Heidelberg operiert. Der Vater berichtet ruhig, aber sichtbar bewegt: Die Operation sei kompliziert gewesen, aber erfolgreich. Die Ärzte seien zuversichtlich, dass der 29-jährige Jonathan vollständig genesen werde.
„Das sind die Schockmomente“, sagt der 61-Jährige, „bei denen du merkst: Fußball ist nicht alles im Leben.“
Vater und Sohn haben gemeinsam im Krankenhaus in Heidelberg das Halbfinale des DFB-Pokals angeschaut. Als das riesige Banner mit den Genesungswünschen der Fans gezeigt wurde, sei beiden die Tränen gekommen, berichtet Klinsmann. „So sind wir in Stuttgart“, sagt VfB-Chef Alexander Wehrle zuvor in seiner Begrüßung, „wir halten zusammen, wenn was passiert.“ .
Wie Agapedia entstanden ist
Fußball ist nicht alles! Eine wichtige Botschaft des Abends, die in einem Fußballstadion umso intensiver klingt. Genau diese Erkenntnis – dass es im Leben um mehr geht – war der Ursprung der Stiftung. Vor 30 Jahren gründete Jürgen Klinsmann mit einem befreundeten Ehepaar die Agapedia-Stuttgart, die an diesem Abend Jubiläum mit geladenen Gästen feiert.
Mit dabei: Fußball-Legenden wie Guido Buchwald, Wirtschaftsbosse wie MHP-Gründer Ralf Hofmann, Vorstandsmtiglieder wie Philipp Stodtmeister vom Mitveranstalter Ellwanger und Geiger, Moderator Florian König (ohne Gage aus Köln angereist in seine schwäbische Heimat), Porsche-Vorstandsmitglied Albrecht Reimold, w +w-Vorstandsmitglied Jürgen Junker, Moderatorin Monica Lierhaus, Aufsichtsräte, aber auch mit dem Künstler und Trikotgestalter Tim Bengel und Ballett-Star Eric Gauthier, dessen Tänzer zum Kulturprogramm gehören wie der Kinderchor der Agapedia-Häuser , der – auf den Treppen sitzend, die zur Arena hinausführen – mit anrührendem Gesang für emotionale Momente sorgt. Ach ja, Neu-VfB-Profi Grischa Prömel war auch da.
Der Name ist Programm:
- Agape = selbstlose Liebe
- Paideia = Bildung und Entwicklung
Also: Entwicklung durch Zuwendung.
Heute engagiert sich die Stiftung in Esslingen und Geislingen, aber auch international für Kinder in schwierigen Lebenslagen – mit Bildungsangeboten, sozialer Betreuung und nachhaltiger Unterstützung.
Oder, einfacher gesagt: Sie gibt Kindern eine echte Chance.
Ein Beispiel erzählt Klinsmann an diesem Abend selbst: In Geislingen wurde aus einem ehemaligen Sportgeschäft – die Immobilie gehörte ihm – ein Kinderhaus. Ein Ort, an dem heute Leben, Lernen und Zukunft stattfinden – statt Verkaufstheke und Preisschildern.
Jauch greift diesen Gedanken mit einem Augenzwinkern auf und schaut ins Publikum: Er sehe hier viele Killesberg-Bewohner – vielleicht überlege sich der eine oder andere ja gerade, was einmal aus der eigenen Villa werden könnte.
Lacher im Saal. Und gleichzeitig ein Denkanstoß.
„Helfen macht happy“ – ist aktueller denn je
Dass Helfen glücklich macht, ist keine Floskel. Es ist Haltung. Deshalb passt die Arbeit von Agapedia perfekt zur Aktion „Helfen macht happy“ des neuen Magazins EchtStuttgart, das sich als Online-Zeitung mit sozialem Anspruch versteht.
Was Klinsmann seit drei Jahrzehnten zeigt, ist selten geworden: Kontinuität. Auch Jauch hebt das hervor – mit einem Seitenhieb auf die Promi-Welt:
Viele würden Stiftungen gründen und nach ein paar Jahren sei nichts mehr übrig. Bei Klinsmann sei das anders. Da wachse etwas. Seit 30 Jahren.
Anekdoten, Lacher – und ein falsch geschriebenes Trikot
Natürlich darf auch gelacht werden. Jauch erzählt von Klinsmanns erstem Spiel – damals stand auf dem Trikot tatsächlich „Kliensman“. Ob ihn das gestört habe? Klinsmann winkt ab: Fehler passieren überall. Diese Gelassenheit zieht sich durch den ganzen Abend.
Brezeln wie früher – ein Stück Stuttgart
Ein Highlight abseits der Bühne: die legendären Klinsmann-Brezeln. Der frühere Nationalcoach, der Vater des Sommermärchens, stammt aus einer Bäckersfamilie aus Botnang. Zwar existiert die Bäckerei nicht mehr, doch für diesen Abend hat sein Bruder den Ofen noch einmal angeheizt.
Das Ergebnis: Begeisterung bei den Gästen – und ein Stück Stuttgart zum Anbeißen.
Eine Frage kann sich Günther Jauch, der am Mittag mit seiner Frau angereist war, um das Mercedes-Benz-Museum zu besuchen, nicht verkneifen: Jürgen, wer wird in diesem Jahr Fußball-Weltmeister?
Klinsmann antwortet diplomatisch, aber optimistisch: Deutschland habe definitiv eine Chance – und das wünsche er sich auch. Gleichzeitig nennt er Portugal und Brasilien als starke Favoriten.
Ein Blick hinter die Kulissen der Arena
Vor dem Talk, dem Essen und dem Kulturprogramm geht es für die Gäste auf Stadiontour – und die hat es in sich. Werde dem Kollegen Patrick Mikolaj vom UnnützenStuttgartwissen, das mit unserem gemeinsamen Lokalteil- Verlag Mitherausgeber von EchtStuttgart ist, einiges zuflüstern können:
- Es gibt tatsächlich eine Gefängniszelle im Stadion
- Nach Konzerten kostet ein neuer Rasen und der Umtausch bis zu 400.000 Euro – dies müssen die Veranstalter zahlen, nicht der Verein.
- Die Umkleide des VfB ist halbrund gebaut – für echtes Teamgefühl
- Hinter den aufgehängten Trikots befinden sich Spiegel. Man dreht das Teil nur um, kann sich dann schön manchen fürs nächste TV-Interview. Stecker für Rasierer, Föhn und zum Handyaufladen sind vorhanden.
Und dann die Überwachung:
Mit Spezialkameras kann so stark gezoomt werden, dass man theoretisch sogar eine Handynummer erkennen könnte. Und trotzdem schaffen es Fans immer wieder, Pyrotechnik hineinzuschmuggeln.
Eine Theorie: Sie wird bereits vor dem Spiel im Stadion deponiert – von Insidern mit Zugang.
Die Strafen vom DFB? Hoch.
Der Social-Media-Effekt? Offenbar höher.
Engangement ist mehr als ein PR-Foto mit Scheck
Eingeladen zu diesem außergewöhnlichen Abend hatte das traditionsreiche Bankhaus Ellwanger & Geiger, seit Jahren Unterstützer der Stiftung. Doch am Ende bleibt nicht das Sponsoring hängen. Sondern etwas anderes:
Die Erkenntnis, dass echte Wirkung Zeit braucht. Dass Engagement mehr ist als ein PR-Termin und ein Foto von der Scheckübergabe.
Und dass Helfen tatsächlich glücklich macht.
Gleich nach dem Talk verabschiedet sich Jürgen Klinsmann von „seinem“ Fest, was jeder verstehen kann: Er fährt nach Heidelberg ans Krankenbett von seinem Sohn. Weiterhin alles Gute, Jonathan!
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