Echt Stuttgart
Ein Dokument der Radiogeschichte
„Bitte nicht stören“ – die Trauerrede für Rainer Nitschke, die unter die Haut ging, im Wortlaut
8. August 2026
Die Trauerrede für Radio-Ikone Rainer Nitschke hat die Trauergäste tief berührt. EchtStuttgart dokumentiert Worte, die unter die Haut gehen. Kiron Patka sprach über Erfolg, Einsamkeit und Reiselust des Verstorbenen. Daniel Funke, Ehemann von Jens Spahn, einst Nitschkes Reisebegleiter, sagt: Rainer habe „ganz viel Weite eingesammelt“.
Nach der Berichterstattung von EchtStuttgart über unseren Spendenaufruf für eine würdevolle Beisetzung von Rainer Nitschke meldeten sich zwei Trauerredner, die anboten, die Trauerfeier kostenfrei zu gestalten. Neben Pfarrer Stefan Havlik von der Schwäbischen Alb war es Kiron Patka, der viele Jahre als Techniker beim SWR mit Nitschke mit zusammengearbeitet hatte, bevor er sich als freier Trauerredner selbstständig machte. Patka recherchierte ausführlich und sprach mit Weggefährten Nitschkes, etwa mit David Sarkar, der den Moderator über das Internet kennengelernt hatte und die letzten zehn Jahre bis zu dessen Tod eng mit ihm befreundet war, sowie mit Daniel Funke, dem heutigen Ehemann von Jens Spahn, der mit Nitschke die Welt bereiste. Ein einziges Mal habe er Rainer weinen gesehen, sagte Funke. Wir dokumentieren die Trauerrede von Kiron Patka, die er bei der Beisetzung am 7. August in der Aussegnungshalle des Waldriedhofes Stuttgart gehalten hat.
Hier die Trauerrede von Kiron Patka
Wenn Sie mit ihm schon mal im Studio waren, dann sehen Sie ihn vielleicht noch vor sich, dort. Die Tür ist meistens zu, er ist umgeben von dicken, schalldichten Fenstern, ganz versunken in seine Sendung, bereitet die nächste Moderation vor. Und wenn das eine Lied zu Ende ist, er das Mikrofon öffnet, geht auch Rainer auf wie eine Seerose. Ist ganz Stimme, ist ganz Radio, ist ganz Nähe. Was er sagt, berührt irgendjemanden da draußen, öffnet irgendein Herz. Dann startet das nächste Lied, das Mikrofon geht wieder aus, die Seerose schließt sich wieder.
So allein, wie Rainer Nitschke im Studio saß, so allein ist er am 10. Mai auch gestorben. Sein Tod wurde zur Kenntnis genommen und bedauert, Pressemeldungen gingen raus. Aber es dauerte eine ganze Weile, bis sich die grausame Wahrheit hinter dieser Einsamkeit herausgestellt hat: Da war niemand, um Rainer zu begraben. Keine Angehörigen. Keine Verwandten. Kein engster Freundeskreis.
Es ist drei Weggefährten zu verdanken – Uwe Bogen, Jochen Albers, David Sarkar –, dass Rainers großer Wunsch doch in Erfüllung gehen konnte und er hier in seiner Heimatstadt Stuttgart seine letzte Ruhestätte findet. Die drei haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das zu ermöglichen. Und der Dank gilt auch Ihnen, die Sie heute hierher gekommen sind, er gilt allen, die für diese Bestattung gespendet und dazu beigetragen haben. Ein großes Dankeschön!
Fast 60 Jahre am Mikrofon
Von 100 Jahren Radiogeschichte – Sie wissen sicher, der öffentliche Rundfunk in Deutschland hat 1923 seinen Anfang genommen – von gut 100 Jahren Radiogeschichte hat Rainer Nitschke fast 60 Jahre aktiv mitgestaltet. Er hat die Entwicklung dieses Mediums nicht nur miterlebt, nein, er war einer seiner Protagonisten. Er hat dem Radio einen Klang mitgegeben, eine Farbe, eine Ästhetik und eine Haltung. Er hat die Intimität, für die Radio immer gepriesen wurde, erst erzeugt, mit jeder einzelnen Sendung, mit jeder einzelnen Moderation. Am Mikrofon sprühte er vor Charme, Charisma, er war humorvoll und schlagfertig. Eine Stimme, der man vertraute, der man sich anvertraute.
Durch seine Musikauswahl, sein Gespür für unbekannte Songs und neue Künstler, seine Auswahl an vergessenen Chansons und internationalen Schlagern, hat er die Musiklandschaft immer wieder bereichert. Er hat das kulturelle Gedächtnis einer ganzen Generation durch seine Arbeit als Musikredakteur geprägt und ist längst selbst Teil dieses kulturellen Gedächtnisses geworden.
Allerdings: Radio ist ein flüchtiges Medium, gerade noch hat man etwas gehört, schon ist es verklungen. „Wer schreibt, der bleibt“, sagt ein altes Sprichwort, und der Dichter Robert Gernhardt hat hinzugefügt: „Wer spricht, nicht.“
Rainer hat Spuren hinterlassen, tiefe Spuren, aber es sind Klänge, die Sie im Ohr haben. Geschriebenes findet sich wenig. Die ARD hat von 1969 bis 2010 jedes Jahr ein dickes Jahrbuch herausgegeben, eine Chronik des Rundfunks in Deutschland: Was ist in jedem Jahr passiert, was war wichtig? Dieser Zeitraum deckt sich ziemlich genau mit Rainers aktiver Zeit beim Südfunk, bei SDR und SWR. Doch er wird darin nur ein einziges Mal erwähnt mit einer Nebensächlichkeit.
„Wer schreibt, der bleibt. Wer spricht, nicht.“
Moderationen, Telefonate mit Hörerinnen und Hörern, Ansagen voller Humor, voller Wärme, ein Musikmix mit Pep und Tiefe – das wird niemals als Kunstwerk im Museum stehen. Rainer hat Kunst gemacht, die sich im Augenblick ihres Erklingens von alleine auflöst. Wenn Sie sich an Rainer, den Radiomoderator, erinnern wollen, dann sind Sie auf Ihr eigenes Gedächtnis angewiesen. Und wenn wir Rainer heute betrauern, so erleidet auch das Radio an sich, das 100 Jahre alte Medium, einen großen Verlust.
Vom Stuttgarter Jungen zum bundesweit bekannten Radiomoderator
Lassen Sie mich kurz ein paar wenige Stationen aus Rainers Berufsleben aufgreifen. Er hat mehrmals in seinem Leben gute Entscheidungen getroffen – ob das jeweils Zeichen für einen guten Riecher, einen guten Blick für die Zukunft waren, oder ob Rainer auch eine gute Portion Glück dabei hatte, weiß ich nicht.
Dass seine Radiokarriere ausgerechnet bei Radio Luxemburg begann, war so ein Glücksfall. Dass ein Stuttgarter Junge, das Abi gerade in der Tasche, eine Sendung bei Radio Luxemburg bekommt, ist sicher nicht der klassische Einstieg ins Radiogeschäft. Damals, das war 1967, war Radio Luxemburg das Popradio, das den Öffentlich-Rechtlichen noch fehlte; Rainer hatte ja selbst in seiner Jugend Radio Luxemburg gehört. Seine Zeit dort, in der Villa Louvigny, war nur kurz, aber hatte an etwas geschnuppert, was in Deutschland erst noch erfunden werden musste. Das machte ihn zu einem gefragten Mann, der später auch immer wieder in die Entwicklung neuer Radioprogramme einbezogen wurde. Ab 1969 gehörte Rainer Nitschke dann zum Moderatorenstamm im Südfunk Stuttgart – er war wieder zurück in seiner Heimatstadt.
Wo sich das Baumgrab von Rainer Nitschke befindet:
Abt. 35 B (nach dem vierten Brunnen)
Ein weiterer Clou: Rainer hat sich ein Abo für die Nachtschichten gesichert. Das klingt erst mal nach einem Abseits. Aber das Gegenteil war der Fall. Dazu muss man wissen: Die deutschen öffentlich-rechtlichen Radioprogramme schalten sich nachts immer zusammen. Das war schon immer so oder zumindest schon sehr lange, seit den 50er Jahren. Einmal die Woche war der SDR dran, und diese Sendung – oft von Rainer moderiert – wurde dadurch in ganz Deutschland ausgestrahlt. Seine Stimme wurde bundesweit wahrgenommen, insbesondere auch von den Programmchefs der anderen Sender. Es folgten Angebote vom WDR – dort hat Rainer über 30 Jahre lang moderiert –, und Angebote von Radio Bremen und dem Bayerischen Rundfunk. Als Freier Moderator war Rainer fortan ganz schön unterwegs in Deutschland, ohne dass er sein Büro in Stuttgart aufgeben musste. Ein unheimlicher Erfolg!
Im Zug hat man ihn dann immer mit einem schweren Koffer voller Platten gesehen, denn Rainer spielte natürlich immer seine eigene Musik.
Eine letzte Karriereentscheidung war, so glaube ich, ein echter Glücksfall für Rainer: Nachdem er altersbedingt bei SWR und WDR aufgehört hatte, war seine Radiozeit noch nicht zu Ende. Er hat die Chance bekommen und sich auch dazu entschieden, eine Sendung beim Schwarzwaldradio, einem jungen privaten Sender, zu übernehmen. Das hatte vielleicht nicht mehr das Prestige der großen Sender, aber Rainer konnte weitermachen mit dem, was er so gut konnte und wofür er sein Leben lang gebrannt hatte: Radio machen.
In seiner Sendung hatte er eine kleine französische Rubrik: „Salut les copains“. Zu deutsch: Servus, Kameraden. Hier stellte er französische Chansons vor; und ich glaube, wenn man fragt, wofür Rainer in den letzten Jahren gelebt hat, dann ist es vielleicht diese Viertelstunde in der Woche. Französische Chansons, da lag seine wahre musikalische Liebe.
Der Mensch hinter dem Mikrofon
Wenn wir einen Menschen zu Grabe tragen, dann ist es recht und billig, einmal auf sein Leben zurückzublicken. Wer war Rainer Nitschke? Sie finden vieles über Rainer auf Wikipedia; Sie finden vieles in den Zeitungsartikeln über Rainer, in seinen Interviews. Ich bin den Kolleginnen und Kollegen des Historischen Archivs des SWR hier in Stuttgart und des Deutschen Rundfunkarchivs in Potsdam dankbar für die Hilfe bei der Recherche.
Doch das alles zeigt immer nur die eine Seite, die öffentliche Seite von Rainer, seine berufliche Rolle und Leistung. Wer war er, wenn das Rotlicht ausging, off-air? Was beschäftigte ihn, worüber konnte er sich freuen?
Wenn Sie Rainer als Kollegen kennengelernt haben, dann erinnern Sie sich sicherlich an einen sehr verschlossenen Menschen, ja an einen ruppigen Mann oft. Er hat es überhaupt nicht darauf angelegt, mit allen gut Freund zu sein. Seine Ehrlichkeit rückte manchmal noch vor seine Höflichkeit, er sagte allzu oft, was er gerade dachte, und konnte seinen Kollegen, noch mehr seinen Kolleginnen damit durchaus vor den Kopf stoßen. Ein sehr verschlossener Mensch, der es einem nicht einfach machte, ihn zu mögen. Obwohl er mit seiner Stimme Menschen anziehen, begeistern, unterhalten und berühren konnte, fiel es ihm im privaten Leben schwer, Nähe zuzulassen, ja, es hat sich etwas in ihm gegen jede Form der Vertraulichkeit gewehrt.
Und doch sind ihm im Laufe seines Lebens einige Menschen nahe gekommen, die sich Rainer freundschaftlich verbunden gefühlt haben. Sie haben mir in teils langen und offenen Gesprächen von Rainer erzählt, von einem Rainer außerhalb des Funkhauses und jenseits der Bühne. Mein Dank für diese schönen Gespräche geht an Daniel Funke, David Sarkar, Reinhard Kröhnert und Michael Schneider.
„Ganz viel Weite eingesammelt“
Ihr habt mir von einem Menschen voller Widersprüche erzählt, einem liebenswerten und charismatischen Menschen, der aber auch mehr als nur Ecken und Kanten hatte. Von einem rastlosen Menschen, einem Weltenbummler, immer auf der Suche, voller Fernweh – der zugleich seiner Heimatstadt Stuttgart so verwurzelt war, der Stadt, in der seine Mutter ihn aufgezogen hat, dass er in den letzten Jahren immer davon geträumt hat, wieder zurückzukehren.
Ja, Rainer war viel unterwegs gewesen, viele Fernreisen, von Australien bis Mittelamerika. Viele Reisen hat er gemeinsam mit Daniel gemacht. Rainer hat ihm die Welt gezeigt und gleichzeitig selbst, wie Daniel es formuliert hat, „ganz viel Weite eingesammelt“. Alles Neue aufgesaugt, seinen Erfahrungsreichtum vergrößert: Wissen, Sprachen, Geschmäcker und Geschichten. Eine Weite, die man ihm angemerkt hat und die ihn zu einem interessanten Gesprächspartner gemacht hat. Eine Weltgewandtheit, die er andere aber auch immer wieder bewusst hat spüren lassen – das war sicherlich eine seiner Kanten.
Daniel Funke hat seinen Rainer nur einmal weinen gesehen
Sein Sehnsuchtsland war Frankreich. Dort ist er immer wieder hingefahren. Auch wenn er einfach mal raus musste, hat er sich in den Mini gesetzt, ist nach Straßburg gefahren und hat sich dort durch Plattenläden gewühlt. Frankreich, das war sein – so könnte man vielleicht sagen – sein verpasstes Heimatland. Rainers Vater war Franzose gewesen, aus der Nähe von Saint-Tropez, er lebte in Paris. Die beiden hatten aber wenig Kontakt zueinander, weniger als sich Rainer gewünscht hatte. Und Rainer hat auf seinen vielen Frankreichreisen wohl immer wieder nach den Orten gesucht, die ihn mit seinem Vater verbinden würden, an denen er seine eigenen Wurzeln würde spüren können. Daniel hat mit Rainer die Taufkirche des Vaters in der Provence besichtigt und hat ihn dort das einzige Mal weinen sehen.
Freundschaft, die Nähe schafft
Rainer musste weit wegfahren, um zu verstehen – oder vielleicht auch um zu verdrängen –, dass das, was er suchte, ganz in seiner Nähe lag: Menschen, die ihm ihre Freundschaft anboten. Diese Freundschaft anzunehmen, diese Nähe zuzulassen, das ist ihm nie zu 100 Prozent gelungen. Und doch!
Und doch war Rainer seinen Freunden gegenüber loyal. Er hat Euch geholfen, wenn er konnte, und Euch unterstützt, wenn sich die Möglichkeit ergab. Allein das Lob bei der Studioübergabe an den jüngeren WDR4-Kollegen und Freund Reinhard: „Hast du gut gemacht!“, das war vielleicht noch mehr wert als die vielen Kneipentouren, die Ihr gemeinsam in Köln unternommen habt, oder als Eure gemeinsamen Geburtstagspartys. Und später, als Festangestellter, konnte Reinhard sich revanchieren und wiederum Rainer fördern.
Auch David, der heute nicht selbst hier sein kann, hat diesen Support von Rainer erlebt, und er möchte sich in seinen eigenen Worten bedanken. Dafür darf ich diesen Brief in seinem Namen vorlesen:
❝
Lieber Rainer,
vor zehn Jahren lernten wir uns über Facebook kennen und trafen uns dann im Juni 2016 zum Gedankenaustausch in Hannover. Das war ein sehr bereichernder und schöner Nachmittag. Wir hatten uns viel zu erzählen, weil wir beide in unserem Berufsleben viele interessante Menschen kennenlernen und interviewen durften – du fürs Radio und ich für Zeitungen und Online-Medien.
Es entstand eine besondere Freundschaft und es folgten weitere Begegnungen, für die ich sehr dankbar bin.
Du hast mich über all die Jahre auf meiner Reise durch die Medienwelt sehr unterstützt. Das werde ich dir nie vergessen. Und ich konnte dir beibringen, etwas mehr Achtsamkeit im Alltag zu leben, auch mal die Natur und die Weite zu genießen, zur Ruhe zu kommen und positiv zu denken. Das fiel dir nicht immer leicht und wir haben oft darüber gesprochen.
Auch Einsamkeit war ein großes Thema für dich, besonders an Festtagen, weil um dich herum keine Familie mehr war. Aber heute und hier siehst du, wie vielen Menschen du etwas bedeutet hast.
Lieber Rainer, du warst nicht nur einer der größten und besten Radiomoderatoren dieses Landes, sondern auch ein wirklich besonderer und feiner Mensch und ein wichtiger Freund für mich.
Du wirst sehr fehlen. Ich wünsche dir eine gute letzte Reise.
Mach es gut und vielen lieben und herzlichen Dank für alles! David“
Ein einsamer Mensch findet noch einmal Freundschaft
Die Einsamkeit war dann vor allem in den letzten drei Jahren drückend. Rainer ist in die Ortenau gezogen, in die Nähe von Offenburg, wo er seine Sendungen fürs Schwarzwaldradio machte. Da hatte er die Mitte 70 schon überschritten. Ein neuer Wohnort und ein neuer Anfang.
Rainer hatte das Glück, ich glaube, diesmal war es wirklich ein großes Glück für Rainer, er ist dort wieder jemandem begegnet, der ihm seine Freundschaft angeboten hat. Michael hat ihm geholfen, sich in dem kleinen Ort einzuleben und einzurichten – angefangen damit, Lampen an die Decke zu schrauben und einen Kühlschrank zu besorgen, eine gute Autowerkstatt zu finden. Hilfe, die Rainer auch dringend nötig hatte, und die er auch dankbar angenommen hat. Sein Leben bürokratisch in den Griff zu bekommen, von der Autoversicherung bis zum Telefonvertrag – all das war ja nie Rainers Stärke gewesen –, Computerprobleme lösen sowieso, auch dabei hat Michael geholfen. An Weihnachten hat er ihm ein Festtagsessen vorbeigebracht, dem – ja! – sehr einsamen Rainer.
Und Rainer hat dabei vielleicht gelernt, wie gut es auch tun kann, danke zu sagen. Wie wichtig es ist, auch Freundschaft zu geben, zuzuhören, sich für den anderen zu interessieren, auch Zeit miteinander zu verbringen, bei einem Glas Wein. Rainers Welt ist sicherlich kleiner geworden, in dem kleinen Dorf in der Ortenau. Aber auf gewisse Weise ist es durch diese letzte Freundschaft auch wieder reicher geworden.
In diesen Jahren hat Rainer gesundheitlich stark abgebaut, und so manches Musikprogramm – jetzt kann man es vielleicht zugeben – stammte tatsächlich aus der Feder von Michael. Aber noch wenige Stunden vor seinem Tod stand Rainer am Mikrofon und hat Radio gemacht. Er war genau dort, wo er sein wollte.
„Jetzt ist Rainer für immer on-air“
Ein melancholischer Mensch geht von uns, ein widersprüchlicher Mensch, ein oft unnahbarer Mensch, der erst lernen musste, wie gewinnbringend es ist, Freunde zu haben und Freundschaft zu geben. In seinen Nachtschichten, in den vielen Sendungen ab Mitternacht, ist er dieser Melancholie vielleicht am nächsten gekommen, denn nachts ist die Welt eine andere, und nachts fühlt sich auch Radio anders an.
Ein SWR-Kollege, Ritchie, hat vor ein paar Tagen gemeint: Im Grunde ist Rainer jetzt für immer „on-air“.
Und wie es sich für ein Radiostudio gehört, vielleicht auch für das größte Studio aller Zeiten – es braucht ein Hinweisschild, das sagt: „Bitte nicht stören.“ Genau dieses Schild hängen wir jetzt für Rainer auf. Wer Rainer kannte, weiß: Das war genau sein Humor.
Mögest du hier deine Ruhe finden und deinen Frieden haben.
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