Echt Stuttgart
Stuttgarts Kultfestival U&D
45 Jahre Umsonst & Draußen: Zwischen Festivalfieber und Finanzsorgen
8. August 2026
Das 45. Umsonst & Draußen in Vaihingen kämpft mit gekürzter Förderung. Doch im Zelt von Nightstrain kocht die Stimmung: Gitarren kreischen, die Menge springt – und das U&D bleibt ein Kultfestival für alle Generationen, das vom Ehrenamt lebt.
„Denkt daran zu trinken!“, ruft der Gitarrist von Nightstrain ins Publikum. „Am besten zwischen jedem Bier einen Liter Wasser.“
Im Zelt beim 45. Umsonst & Draußen in Vaihingen ist es heiß. Sehr heiß. Die Stuttgarter Band treibt mit Pop-Punk, Metalcore und Post-Punk die Menge vor sich her, Gitarren kreischen, Menschen springen. Umsonst & Draußen? Bei Nightstrain fühlt es sich am Samstag gerade eher nach Umsonst & Drinnen an.
Und während im Zelt gefeiert wird, steht das Festival selbst vor einer ernsten Herausforderung: 6000 Euro fehlen. Die Stadt Stuttgart hat ihre Förderung im Zuge des Sparhaushalts um 20 Prozent gekürzt.
6000 Euro fehlen
„De facto ist unsere Förderung 6000 Euro weniger“, sagen die Veranstalter. Das ist eigentlich nicht so viel Geld. Aber für eine Veranstaltung, bei der alles ehrenamtlich ist, ist es halt schon viel Geld.“
Das U&D finanziert sich vor allem über den Verkauf von Essen und Getränken. Dazu kommen Spenden, Sponsoren und die städtische Förderung. Das Geld wird für Bühnen, Zelte, Technik, Bands, Toiletten, Versicherungen und Genehmigungen gebraucht.
Deshalb gibt es den klaren Appell: kein Verräterbier.
Wer seine Getränke und sein Essen selbst mitbringt, entzieht dem Festival Einnahmen.. Aber wer sich den Festivalbesuch leisten kann, soll mit Essen und Trinken vor Ort dazu beitragen, dass das U&D weiter existieren kann.
Umsonst heißt eben nicht kostenlos.
Von der Uniwiese an die Krehlstraße
Mehr als 40 Jahre lang fand das U&D auf der Pfaffenwaldwiese, der Uniwiese in Vaihingen, statt. 2023 musste das Festival umziehen, weil auf der Wiese eine geschützte Schmetterlingsart lebt und der Naturschutz den alten Standort nicht mehr zuließ.
Heute ist der Festplatz an der Krehlstraße die neue Heimat.
Und auch hier zeigt sich, was das U&D ausmacht: Es ist ein Mehrgenerationenfestival. Junge Leute feiern neben Menschen, die schon vor Jahrzehnten dabei waren. Familien, Rentner, Jugendliche und Kinder treffen sich auf dem Gelände.
Ein wilder Ritt durch die Kreativszene
Das Programm (geht noch bis Sonntag) ist ein wilder Ritt durch die regionale Kreativszene: Bands, Poetry Slam, Yoga, Kinderwerkstatt und Kindertheater gehören ebenso dazu wie ein politisches Programm.
Schwerpunkt ist in diesem Jahr die Kriegsdienstverweigerung. Referentinnen und Referenten diskutieren mit dem Publikum über unterschiedliche Aspekte des Themas.
Für die regionale Musikszene ist das U&D zudem eine wichtige Bühne. Stuttgart hat nicht gerade einen Überfluss an Auftrittsmöglichkeiten für Livebands. Hier können Musikerinnen und Musiker spielen, sich kennenlernen und vernetzen.
45 Jahre – und weiter
Die Umsonst-&-Draußen-Bewegung entstand in den 1970er-Jahren aus alternativen Jugend-, Kultur- und Musikbewegungen. In Stuttgart gibt es das Festival inzwischen seit 45 Jahren.
Es hat schlechte Wetterjahre, Corona und den Abschied von der Uniwiese überstanden. Jetzt kommt der Sparhaushalt dazu.
Und im Zelt?
Da interessiert das gerade niemanden.
Nightstrain spielt. Die Menge springt. Gitarren kreischen. Menschen schwitzen.
„Denkt daran zu trinken!“, ruft der Gitarrist.
Und beim Bier gilt:
Kein Verräterbier.
Denn damit das U&D auch nach 45 Jahren noch „umsonst“ bleiben kann, muss das Festival irgendwie halt bezahlt werden.
AKTUELLES
Cerro Abajo soll 2027 zurückkehren: Stuttgart und Red Bull führen bereits Gespräche
Nach dem überwältigenden Erfolg der Deutschlandpremiere von Red Bull Cerro Abajo in Stuttgart laufen bereits Gespräche über eine Neuauflage im Jahr 2027. Dies bestätigt die Stadt auf Anfrage von EchtStuttgart. OB Frank Nopper spricht sich für eine Rückkehr des spektakulären Urban-Downhill-Rennens aus.
Wenn Krolock auf „Maschendrahtzaun“ trifft: Stuttgarts Musicalstars feiern eine wilde Nacht
Selbst der „Maschendrahtzaun“ ist dabei: Stuttgarter Musicalstars beweisen in Feuerbach, dass sie weit mehr können als Musical. Mercedesz Csampai, die Elsa aus der „Eiskönigin“, steht hochschwanger auf der Bühne. Das Publikum tobt bei einer Gala zwischen Gänsehaut und Unstillbarer Gier.
„Jetzt sind die Jüngeren dran“: Was Perkins-Park-Legende Niko zum Neustart sagt
Am Samstag beginnt auf dem Killesberg eine neue Ära: Nach 46 Jahren wird aus dem Perkins Park The Park. Künftig setzt der Club auf House, doch auch für Ältere ist einiges geplant: La Boum, After-Work und Tanztee. Türsteher Niko Arpatzis hört nach 32 Jahren auf, lobt das neue Konzept – und blickt für uns zurück.
Erfolg in der Calwer Straße: Jetzt zieht der Stehausschank ins Volksfest-Zelt
36 Kesselkehlchen, ein überraschender Flashmob und ein Fass, das mit zwei Schlägen sitzt: Im Stehausschank von Weller und Dinkelacker steigt am Donnerstagabend eine der ersten Warm-up-Partys fürs Volksfest. Und eine Idee aus der Calwer Straße zieht jetzt auf den Wasen – der Stehausschank kommt ins Dinkelacker-Zelt.