Richtfest fürs Cannstatter Volksfest
Die erste Party auf dem Volksfest 2026 ist gefeiert – und sie markiert eine Zäsur: Nach 26 Jahren hat das Dinkelacker-Zelt eine neue Wirtsfamilie. Beim Richtfest zeigen die Wellers am Mittwochabend erstmals, was sie verändert haben. Ihre Leidenschaft ist spürbar – und mit der „Weller-Ola“ gibt’s gleich den eigenen Partysong.
Manchmal steht Carsten Weller in seinem neuen Festzelt und kann selbst kaum glauben, was gerade passiert. „Manchmal muss ich mich kneifen, dass alles wahr ist“, sagt er beim Richtfest am Mittwochabend. Dass er einmal auf dem Cannstatter Wasen ein großes Festzelt führen darf, konnte er sich früher niemals vorstellen.
Wobei „er“ nicht ganz richtig ist. Einen einzelnen Festwirt gibt es bei den Wellers nicht.
Katrin und Carsten Weller sowie ihre Kinder Phil und Jil Weller führen das Dinkelacker-Festzelt gemeinsam. Alle vier sind gleichberechtigt.
Dazu passt ein Detail, das Carsten Weller wichtig ist: Die Chefs tragen dieselbe Tracht wie ihre Mitarbeiter.
„Wir sind ein Team“, sagt er.
Am Mittwochabend wird erst einmal Richtfest gefeiert. Eingeladen sind die Handwerker, Gärtner, Zimmerer und Zapfmeister, das Team von in.Stuttgart sowie alle, die in den vergangenen Wochen dafür gearbeitet haben, dass das Dinkelacker-Zelt nicht nur rechtzeitig zum Volksfest fertig wird, sondern auch noch schöner als im Vorjahr, heller und moderner.
Auch Christian und Wolfgang Dinkelacker, der Aufsichtsratsvorsitzende und der Geschäftsführer, sind dabei – sowie Werner Klauss, der Vorgänger der Wellers, der beim Aufbau mitgeholfen hat und alles dafür tut, dass der Übergang gelingt.
Dass die Wellers einmal das zweitgrößte Festzelt auf dem Cannstatter Wasen führen sollten , ist auch mit Blick auf die Familiengeschichte bemerkenswert.
1968 eröffnet German Weller, der Vater von Carsten Weller, seine Metzgerei. Sie ist der Anfang dessen, was über Jahrzehnte daraus entsteht. Aus dem Metzgereibetrieb entwickelt sich ein Familienunternehmen mit Catering und Gastronomie – und nun führt der Weg auf den Wasen. Viele träumen davon, Wirt in einem Volksfestzelt zu werden – die Wellers haben es geschafft.
Das Grundgerüst des Zeltes bleibt. Im Inneren dagegen verändert sich einiges.
Heller und freundlicher wirkt das Dinkelacker-Zelt. Überall finden sich Blumen, Hopfen und viele kleine Details. Besonders auffällig ist die neue Gestaltung des Zeltdachs.
Es ist zum „Weller-Himmel“ geworden. Das Symbol des Weller-Bestecks zieht sich über die Stoffbahnen. Darunter sind genau 5950 Plätze. Mehr hat nur die Schwabenwelt nebenan von Michael Wilhelmer, der ebenfalls beim Richtfest seiner neuen Kollegen mitfeiert.
Eine weitere Neuerung ist die Kaffeebar. Durch eine Glaswand können die Gäste direkt hinaus auf den Wasenrummel schauen.
Die Wellers wollen dem riesigen Zelt unterschiedliche Bereiche und Stimmungen geben. Dazu gehört auch eine Idee, die viele Stuttgarter bereits aus der Innenstadt kennen.
Die Wellers bringen ihren erfolgreichen Stehausschank von der Calwer Straße ins Dinkelacker-Zelt.
Bis 16 Uhr soll dort Bier sogar im 0,2-Liter-Glas ausgeschenkt werden. Danach steigen die Wellers auf 0,4 Liter um. Carsten Weller nimmt es mit Humor: „Mit 0,2-Gläsern werden wir vielleicht von Wasenbesuchern ausgelacht.“
Für Gruppen gibt es dafür eine Nummer größer: Im Dinkelacker-Zelt sollen auch Fünf- und Zehn-Liter-Gläser zum gemeinsamen Trinken angeboten werden.
Eine Frage bleibt vorerst unbeantwortet: Wie hoch wird der Bierpreis? „Da bleiben wir bei der Tradition unserer Vorgänger“, sagt Carsten Weller. „Den Bierpreis geben wir erst nach der Pressekonferenz am Montag bekannt.“
Beim Richtfest zeigt sich immerhin schon: Fass und Zapfanlage funktionieren.
Auch die Küche liefert einen überzeugenden Vorgeschmack. Das schwäbische Essen kommt bestens an – Partycaterer Weller genießt schließlich nicht ohne Grund einen guten Ruf.
Zu ihrem Festzelt haben die Wellers sogar einen eigenen Song. „Weller-Ola“ heißt das Stück, das bereits kräftig über die sozialen Medien verbreitet wird. Die La Ola kennt jeder. Jetzt soll also auch die Weller-Ola durchs Festzelt schwappen. Ob daraus ein Wasen-Hit wird, zeigt sich in den kommenden Wochen.
Auch bei der Weinbar gibt es einen Wechsel. Aus der bisherigen TA OS Lodge wird die Brunner Lodge. Mit Familie Brunner übernimmt eine echte Stuttgarter Gastro-Institution den Bereich. Die Brunners mit ihren österreichischen Wurzeln gehören seit Jahrzehnten zur Stuttgarter Gastronomie. Die Familiengeschichte reicht vom Excelsior hinter dem Haus der Wirtschaft über Hotel Sautter, Paulaner und Ratskeller bis zum Restaurant Brunner. Auch auf dem Stuttgarter Weindorf ist die Familie seit Jahren vertreten.
Cannstatter Wasen
Ganz verschwindet die bisherige Gastgeberin Martina Böhringer allerdings nicht.
„Ich werde beim Aufbau, den Veranstaltungen und an den Wochenenden noch mit dabei sein in der Brunner Lodge. Es sind ja schon einige Reservierungen von Stammgästen da, die ich natürlich gerne mit betreue“, sagt Martina Böhringer gegenüber EchtStuttgart.
Eine Änderung dürfte Stammgästen auffallen: Die spektakuläre Eisdusche, bei der Eis von der Decke auf die Flaschen regnet, soll es nicht mehr geben. Etwas weniger Show also
Eine weitere Verbindung gibt es zum Stuttgarter Weindorf. Dort waren die Wellers zuletzt gemeinsam mit Birgit Grupp und Winzer Thomas Diehl in der Stadtlaube aktiv.
Diese Zusammenarbeit geht auf dem Wasen weiter. Im Dinkelacker-Zelt wird Wein von Thomas Diehl ausgeschenkt, Familie Grupp ist ebenfalls bei der Weinbar dabei.
Das Weindorf gibt den Wellers Hoffnung. Dort war der Andrang groß, von Konsumzurückhaltung ist wenig zu spüren. Es wird in Stuttgart also offenbar weiterhin gern gefeiert. Darauf setzt die Familie nun auch beim Volksfest.
Donnerstag bis Samstag gelten dabei fast als Selbstläufer. Schwieriger sind traditionell die Montage. Deshalb soll es gerade an diesen Tagen besonderes Programm geben. Unter anderem kommen die Höhner aus Köln ins Dinkelacker-Zelt.
Nach Wochen des Aufbaus feiern die Wellers beim Richtfest erstmals mit all jenen, die das Zelt für die neue Saison vorbereiten.
Das Gerüst ist dasselbe, die Handschrift eine andere: Blumen und Hopfen, der „Weller-Himmel“, Kaffeebar und Stehausschank, Brunner Lodge und Weller-Ola.
Und mittendrin Katrin, Carsten, Phil und Jil Weller – vier gleichberechtigte Gastgeber, die dem Dinkelacker-Zelt ihre eigene Handschrift geben. Schon beim Richtfest ist zu spüren: Der Wasen und die Wellers, das könnte ziemlich gut zusammenpassen. Carsten Weller bringt die Vorfreude der ganzen Familie auf einen einfachen Nenner: „Wir haben maximal Bock drauf!“
Mehr Aufbruchsstimmung und Vorfreude gehen wahrscheinlich nicht.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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