Uwe Bogen
Manuel Hagel zu Spahns Rücktritt:
„Glaubwürdigkeit entsteht, wenn Reden und Handeln übereinstimmen“
18. Juli 2026
Nach Jens Spahns Rücktritt herrscht in der CDU Stuttgart Erleichterung. CDU Landeschef Manuel Hagel spricht von einer „konsequenten Entscheidung“ und betont gegenüber EchtStuttgart: Glaubwürdigkeit entsteht, wenn Reden und Handeln übereinstimmen.
CDU-Landeschef Manuel Hagel sieht in Jens Spahns Rücktritt eine konsequente Entscheidung. Gegenüber EchtStuttgart erklärt er, die vergangenen Stunden seien „herausfordernd für die deutsche Christdemokratie“ gewesen. Die Debatte habe den „Kern“ und den „Glutpunkt“ der Identität der CDU berührt. Es gehe um das Verständnis von Leben, den Schutz gleicher Rechte, die Würde jedes Menschen sowie den Schutz von Frauen und Kindern.
Hagel verweist darauf, dass die CDU die Fragen rund um die Leihmutterschaft bereits auf dem Bundesparteitag im Februar in Stuttgart intensiv diskutiert und mit einem Beschluss geklärt habe. Zu dieser Position stünden die CDU Baden-Württemberg und er persönlich. „Unsere Glaubwürdigkeit in der Politik entscheidet sich daran, dass Reden und Handeln übereinstimmen“, sagt der Innenminister.
„Die Entscheidung verdient Respekt“
Spahns Rücktritt bezeichnet Hagel als „eine konsequente Entscheidung, die Respekt verdient“. Zugleich würdigte er dessen Verdienste für die Partei und die Bundesregierung. Spahn habe die CDU geprägt und wichtige Reformen für die Architektur der Bundesregierung vorangetrieben. Abschließend wünscht Hagel Jens Spahn, dessen Ehemann und ihrem Sohn „von Herzen alles Gute – und die Ruhe und Privatsphäre, die Familien brauchen“.
Der Rücktritt von Jens Spahn als CDU-Fraktionsvorsitzender wird an der CDU-Basis in Stuttgart mit Erleichterung, aber auch mit Respekt aufgenommen.
Zuletzt hatte es innerhalb der Stuttgarter CDU zunehmend kritische Stimmen gegeben. Mehrere Mitglieder hatten einen Rücktritt des ehemaligen Fraktionschefs für unausweichlich gehalten und auf die aus ihrer Sicht entstandenen Glaubwürdigkeitsprobleme verwiesen
„Ist gut, dass er die Familie über sein Amt stellt“
Nun sehen viele Parteimitglieder den Schritt als richtig an. Ein CDU-Mitglied lobt insbesondere Spahns persönliche Erklärung zum Rücktritt: „Hat er sehr gut geschrieben. Ehrlich und voller Respekt. Ich finde es gut, dass er ehrlich zu sich und seinem Amt ist und er die Familie über sein Amt stellt.“
Bereits zuvor hatte CDU-Kreisvorsitzender und Bundestagsabgeordneter Max Mörseburg gegenüber EchtStuttgart deutlich gemacht, dass sich seine Haltung zur Leihmutterschaft durch den Fall Spahn nicht ändern werde. „Kinder sind ein großes Geschenk und ich wünsche Jens Spahn mit seiner Familie alles Glück. Leihmutterschaft, insbesondere kommerzielle, lehne ich persönlich ab, wie es auch die offizielle Position der CDU und die geltende Rechtslage in Deutschland ist. Meine persönliche Meinung dazu wird sich auch nicht ändern, weil Spahn diese Regelung umgangen hat. Für die CDU Deutschlands kann ich hingegen nicht sprechen“, sagte Mörseburg.
„Solche Debatten helfen der AfD“
Auch an der Basis war die Debatte kontrovers geführt worden. Ein CDU-Mitglied hatte gewarnt: „Genau solche Debatten schüren diese Unruhe noch mehr im rechten Lager. Das ist nicht das, was uns jetzt voranbringt. Das hilft nur der AfD.“ Andere forderten hingegen Konsequenzen und sahen die Glaubwürdigkeit der Partei gefährdet.
Mit seinem Rücktritt hat Jens Spahn die Debatte vorerst beendet. In der Stuttgarter CDU überwiegt nun die Hoffnung, dass die Partei wieder zur Sachpolitik zurückkehren und sich auf die politischen Herausforderungen der kommenden Monate konzentrieren kann.
Der CSD Stuttgart hatte gegenüber EchtStuttgart Spahn bereits „Scheinheiligkeit“ vorgeworfen. Hintergrund ist die Kritik, dass Spahn sich öffentlich zur traditionellen Familienpolitik der CDU bekenne, seine eigene Familiengründung durch eine Leihmutterschaft im Ausland jedoch als Widerspruch zu dieser Haltung wahrgenommen werde.
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