Thomas Diehl
Premiere in Stuttgart
GRLS WNTD SOCCER: Damit kein Mädchen am Spielfeldrand bleibt
24. Juli 2026
Erstmals gastiert der GRLS WNTD SOCCER Actionday außerhalb Frankfurts: 120 Mädchen erleben an der MHP-Arena einen Tag voller Fußball, Mut und Vorbilder. Unser Kolumnist berichtet, was möglich ist, wenn man Mädchen einfach spielen lässt.
Rund 120 Mädchen zwischen 8 und 16 Jahren stehen an diesem Samstag auf den Fußballplätzen an der MHP-Arena. Sie tragen pinkfarbene Trikots, sie dribbeln, sie lachen, sie feuern sich an. Manche spielen seit Jahren im Verein; andere haben heute zum ersten Mal richtige Stollenschuhe an. An diesem Tag macht das keinen Unterschied. Genau das ist der Plan.
Zum ersten Mal außerhalb Frankfurts
GRLS WNTD SOCCER ist ein kostenloses Fußballprogramm für Mädchen, gegründet von der 98-fachen dänischen Nationalspielerin Louise Hansen und getragen von der gemeinnützigen MoveHerFuture gGmbH. In Frankfurt hat sich der Actionday über drei Auflagen etabliert. Nun fand er zum ersten Mal außerhalb Frankfurts statt. Möglich gemacht hat das die Sportfreunde Stiftung, eine gemeinnützige Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, jeder und jedem den Zugang zu Sport zu ermöglichen.
Der Bedarf ist da, und er ist belegbar. Der Mädchenfußball wächst zwar kräftig: Zuletzt standen laut DFB rund 119.000 Mädchen bis 16 Jahren aktiv auf dem Platz, ein Plus von sieben Prozent und einer der stärksten Zuwächse im ganzen Verband. Gemessen an über zwei Millionen Aktiven bleibt der Anteil aber klein. DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagt selbst, man müsse „insbesondere die Potenziale im Frauen- und Mädchenfußball noch besser ausschöpfen“. Genau da setzt ein Tag wie dieser an.
Ein Vormittag ohne Aussortieren
Von neun Uhr an geht es los. Die Mädchen durchlaufen einen Stationswettbewerb: dribbeln, passen, aufs Tor schießen. Bei sommerlichen Temperaturen, die Kraft kosten, aber die Stimmung nicht bremsen. Niemand wird nach Leistung sortiert. Niemand steht am Rand, weil sie nicht gut genug wäre.
Am auffälligsten ist, wie schnell aus einzelnen Mädchen echte Teams werden. Es wird angefeuert, es wird sich über die Aktionen der anderen gefreut, es wird zusammengehalten. Der Ehrgeiz ist da, aber er geht nicht auf Kosten der Gemeinschaft. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist die eigentliche Leistung dieses Formats.
Auch an die Geschwisterkinder wurde gedacht. Der Württembergische Fußballverband begleitete den Tag im Rahmen seiner Kampagne #wiralsteam, es gab eine Torschussanlage und das DFB-Fußball-Abzeichen. Der TVB Stuttgart brachte ein Glücksrad mit, an den Ständen von AOK und Stadtwerken war etwas geboten, und in der Fotobox entstanden Bilder, die viele Familien wohl noch lange aufheben werden.
Vorbilder zum Anfassen
Auch in der Mittagspause bleibt der Ball nicht liegen. Freestyler René Matussek – Guinness-Weltrekordhalter für die meisten Ballkontakte zwischen Kopf und Fußsohlen in einer Minute – zeigt Tricks, bei denen selbst die erfahrenen Vereinsspielerinnen große Augen bekommen. Dann jongliert er gemeinsam mit Renate Lingor. Seine Autogramme sind danach heiß begehrt.
Nach dem Mittagessen im VfB-Clubrestaurant kommt der Moment, der vielen am längsten in Erinnerung bleiben dürfte. Beim Meet & Greet stehen vier Frauen bereit, die zusammen ein gutes Stück deutscher Fußballgeschichte erzählen: die Weltmeisterinnen Steffi Jones und Renate Lingor, Reporterin und Content-Creatorin Rena Schwabl und, als Special Guest, Leonie Maier – ehemalige Nationalspielerin und einst beim VfB Stuttgart aktiv. Für sie ist es eine Rückkehr an eine frühere Wirkungsstätte.
Sie signieren Trikots, Bälle, sogar Fußballschuhe. Für ein Mädchen geht ein kleiner Traum in Erfüllung, als Leonie Maier ihre Schuhe unterschreibt. In der Gesprächsrunde reden die vier nicht über Titel, sondern über Wege: über Erfolge, über Rückschläge und darüber, wie wichtig Angebote sind, die Mädchen den Mut geben, ihren eigenen Weg zu gehen.
Dass mit Rena Schwabl auch eine Journalistin dabei ist, die den Frauenfußball einem großen Publikum sichtbar macht, passt zum Anspruch des Tages: Es reicht nicht, dass Mädchen spielen – man muss auch darüber reden.
HIER NUN EINIGE ZITATE
„Am Anfang sind die Mädels noch ein bisschen schüchtern und tauen dann immer mehr auf. Wenn Spielerinnen, die vielleicht noch nie gegen den Ball getreten haben, gemeinsam so einen schönen Tag verbringen – das macht es für mich besonders.“
— Renate Lingor, Weltmeisterin und GRLS-WNTD-SOCCER-Botschafterin
„Was ist besonders an diesem Tag? Einfach alles: Begeisterung, Emotionen, Freude, glückliche Augen – und vor allem Fußball. Die Mädels haben ein Leuchten in den Augen.“
— Steffi Jones, Weltmeisterin und GRLS-WNTD-SOCCER-Botschafterin
„Es ist so schön, so viele Mädels zu sehen, wie sie mit Herz und Leidenschaft dabei sind und ganz viel Spaß haben. Da geht mir selbst das Herz auf.“
— Leonie Maier, ehemalige National- und VfB-Spielerin
Diese Sätze bleiben hängen. Bei den Mädchen auf den Bänken. Und bei den Erwachsenen am Rand.
Was bleibt
Am Nachmittag gehören die Plätze wieder den Teams. Bei der Mini-WM wird um Tore, Punkte und Pokale gespielt, gekämpft und nach jedem Treffer gemeinsam gejubelt. Am Ende zählt nicht das Ergebnis, sondern das Gefühl, als Mannschaft über sich hinausgewachsen zu sein. Es gibt eine Siegerehrung, eine Verlosung mit Trikots und WM-Bällen. Ein Trikot, eine Urkunde und eine Medaille nimmt ohnehin jede mit nach Hause.
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