Patrick Mikolaj
Tag gegen Queerfeindlichkeit
„Im Herzen der Demokratie“ – Breites Bündnis setzt in Stuttgart Zeichen gegen Hass
11. Mai 2026
Für den 17. Mai ruft ein breites Bündnis zur Demo auf dem Schlossplatz gegen Hass und Diskriminierung auf. Anlass ist der internationale Tag gegen Querfeindlichkeit. Unter dem Motto „At the heart of democracy“ treten der CSD, die Aids-Hilfe und mehrere Initiativen für Solidarität und Sichtbarkeit ein.
Am kommenden Sonntag, 17. Mai, wird der Stuttgarter Schlossplatz erneut zum Ort des Protests und der Solidarität: Zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit (IDAHOBITA*) rufen zahlreiche queere Vereine und Organisationen aus Stuttgart und Baden-Württemberg zu einer gemeinsamen Kundgebung auf. Unter dem diesjährigen Motto „At the heart of democracy“ („Im Herzen der Demokratie“) wollen die Veranstalterinnen ein Zeichen gegen Hass, Diskriminierung und zunehmende Gewalt gegenüber LGBTQIA-Menschen setzen.
Zwischen 15:30 Uhr und 17:30 Uhr erwartet Besucher*innen auf dem Schlossplatz – vor dem Ehrenhof – ein vielfältiges Programm mit Redebeiträgen, Infoständen und persönlichen Gesprächen. Ziel der Veranstalter ist es, queeres Leben sichtbar zu machen und auf gesellschaftliche Entwicklungen aufmerksam zu machen, die vielen Menschen Sorgen bereiten.
„Queerfeindlichkeit ist kein Randproblem – sie gefährdet Gesundheit, Sicherheit und Menschenleben. Queerfeindlichkeit, Hass und Ausgrenzung nehmen spürbar zu – mit direkten Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit vieler LSBTIQ+-Menschen“, erklärt Bernd Skobowsky von der AIDS-Hilfe Stuttgart.
Auch Holger Edmaier vom Projekt 100% Mensch warnt vor einer zunehmenden Verrohung gesellschaftlicher Debatten: „Wir sehen, wie weite Teile der Gesellschaft jegliche Empathie verlieren. Wir sehen, wie gemeinnützige Organisationen unter Druck gesetzt werden. Wir sehen, wie Demokratieverteidigung als radikal gebrandmarkt wird.“
Besonders betroffen seien häufig Menschen, die mehrfach Diskriminierung erfahren, betont Betina Starzmann von der IG CSD Stuttgart e.V.: „Frauen*, trans* und BPoC-Menschen, Geflüchtete oder queere Menschen mit Behinderung erleben häufig mehrere Formen von Diskriminierung gleichzeitig und sind besonders stark von Gewalt, Ausgrenzung und gesellschaftlicher Unsichtbarkeit betroffen.“
Gewalt gegen queere Menschen auf Rekordniveau
Die Veranstalter*innen verweisen zudem auf aktuelle Zahlen zur queerfeindlichen Gewalt in Deutschland. Laut Bundesinnenministerium wurden bis Ende 2025 bundesweit 1.776 Straftaten im Bereich „sexuelle Orientierung“ sowie 1.132 Fälle im Bereich „geschlechtsbezogene Diversität“ registriert – Werte auf dem Höchststand der vergangenen Jahre.
Auch international bleibt die Lage vielerorts dramatisch. In zahlreichen Staaten werden LGBTQIA*-Menschen weiterhin kriminalisiert. In einigen Ländern drohen sogar Haftstrafen oder die Todesstrafe. Besonders kritisch sehen Menschenrechtsorganisationen Entwicklungen in Russland oder mehreren afrikanischen Staaten, in denen Gesetze gegen queere Communities zuletzt weiter verschärft wurden.
Erinnerung an einen historischen Wendepunkt
Der IDAHOBITA* erinnert an den 17. Mai 1990 – den Tag, an dem die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität offiziell aus ihrem Diagnoseschlüssel strich und nicht länger als Krankheit einstufte. Für die Organisator*innen ist das bis heute ein wichtiges Symbol für Sichtbarkeit und Menschenrechte.
„Selbst heute ist die Idee, Queerness sei eine Krankheit oder eine Ideologie, leider noch weit verbreitet“, heißt es vonseiten des Organisationsteams. Deshalb brauche es weiterhin öffentliche Solidarität und klare Haltung gegen Diskriminierung.
Zum Organisationsteam des IDAHOBITA* 2026 gehören unter anderem die IG CSD Stuttgart e.V., Projekt 100% Mensch, Mission TRANS*, die Weissenburg Stuttgart, LSVD+ Baden-Württemberg, die AIDS-Hilfe Stuttgart e.V., die GEW sowie zahlreiche weitere Initiativen und Vereine aus der Region.
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