Uwe Bogen
Pride in Stuttgart
Nach der Amoktat in Berlin: „Hass darf nicht gewinnen“, sagt Sänger Damiano Maiolini
26. Juli 2026
Schock und Trauer nach der tödlichen Amoktat bei der Berliner Pride. In Stuttgart, wo ein großes CSD-Programm für Sonntag geplant ist, wird intensiv diskutiert, wie es weitergeht. Sänger Damiano Maiolini will auftreten. Im Gespräch mit EchtStuttgart sagt er: „Hass darf nicht gewinnen.“
Nach der schrecklichen Amoktat bei der Pride in Berlin mit einer Toten und zahlreichen Verletzten herrschen auch in Stuttgart Schock, Trauer und Fassungslosigkeit. Dabei steht am Sonntag eigentlich ein umfangreiches Programm der Stuttgart Pride auf dem Marktplatz und dem Schillerplatz an. Ob und in welcher Form die Veranstaltungen stattfinden, darüber berät der CSD-Vorstand am Sonntagvormittag gemeinsam mit der Polizei.
Noch in der Nacht zum Sonntag meldete sich der Vorstand der Stuttgart Pride in den sozialen Medien zu Wort: „Wir sind zutiefst erschrocken und traurig darüber, was heute in Berlin geschehen ist. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern, Angehörigen und Zeugen der Tat.“
Kann die Pride in Stuttgart wie geplant weitergehen?
Viele in der Community stellen sich nun die Frage: Soll die Pride wie geplant stattfinden – oder wäre das angesichts der Ereignisse unpassend?
Der Sänger Damiano Maiolini, der am Sonntag um 13.40 Uhr auf der Hocketse auf dem Stuttgarter Marktplatz auftreten sollte, hatte für sich schnell eine Antwort gefunden.
„Ich habe nach dem Schock und der Fassungslosigkeit über den Anschlag in Berlin keinen Augenblick daran gedacht, nicht aufzutreten“, sagt er im Gespräch mit EchtStuttgart. „Hass darf nie gewinnen.“
Natürlich werde es schwer sein, auf der Bühne zu stehen. „Wenn ich den Menschen 40 Minuten lang die Sorgen nehmen kann, werden wir auch eine gute Stimmung hinbekommen“, sagt Maiolini.
Auch innerhalb der Community wird intensiv darüber diskutiert, wie mit der Situation umzugehen ist.
„Den islamistischen Faschisten keinen Triumph gönnen“
Ein Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur „Der Liebe wegen“ sagt gegenüber EchtStuttgart: „So zu tun, als wäre nichts passiert, geht nicht. Zusammenzukommen und gemeinsam zu trauern, fände ich auf jeden Fall richtig. Es ist schwierig.“
Gleichzeitig warnt er davor, die Veranstaltungen vollständig abzusagen. „Wenn wir gar nicht weiterfeiern würden, würden wir den islamistischen Faschisten einen Triumph gönnen. Das geht auch nicht. Deshalb hoffe ich, dass nicht einfach alles abgesagt wird.“
Ähnlich sieht es Jochen Alber, Geschäftsführer des Dehoga Baden-Württemberg, der am Samstag mit einem eigenen Truck am CSD teilgenommen hatte.
„Schwierige Frage! Im Ergebnis denke ich, dass man jetzt erst recht Flagge für die Werte der Demokratie zeigen und insbesondere die Freiheit hochhalten muss“, sagt Alber.
Eine Entscheidung will der CSD-Vorstand nach Beratungen mit der Polizei im Laufe des Sonntagvormittags bekannt geben.
Dabei war die Stimmung am Samstag noch ausgelassen. Viele Teilnehmer bezeichneten die Demonstration als eine der schönsten Stuttgart Prides überhaupt. Immer wieder war zu hören, eine derart positive und friedliche Atmosphäre erlebe man in der Stadt nur selten.
Demonstranten versuchten, den CDU-Truck zu blockieren
Ganz ohne Zwischenfälle verlief die Demonstration allerdings nicht. Nach Angaben der Polizei versuchten gegen 16.40 Uhr fünf bis zehn Demonstrierende, den Truck der CDU zu blockieren. Die Partei war nach einer Pause im vergangenen Jahr wieder Teil des CSD. Die Polizei erteilte den Demonstrierenden einen Platzverweis, sodass der Truck seine Fahrt fortsetzen konnte.
Nun steht die Pride in Stuttgart vor einer schwierigen Entscheidung: zwischen dem Bedürfnis nach Trauer und Gedenken – und dem Wunsch, sich von Gewalt und Hass nicht einschüchtern zu lassen. Viele Stimmen aus der Community sprechen sich dafür aus, beides miteinander zu verbinden.
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