Uwe Bogen
Korruptionsverdacht bei der EM 2024
Razzia in Stuttgart: Um welche Tickets der Fußball-EM 2024 es den Ermittlern geht
1. Juli 2026
Haben Gastgeberstädte EM-Tickets 2024 unrechtmäßig verteilt? Nach bundesweiten Razzien wegen Korruptionsverdachts erklärt OB-Sprecherin Susanne Kaufmann gegenüber EchtStuttgart, warum Stuttgart damals eine Correctiv-Anfrage nicht beantwortete und wie die Ticketvergabe geprüft wurde.
Die bundesweiten Razzien vom Mittwoch gehen auf Recherchen des Medienhauses Correctiv mit dem Transparenzportal FragDenStaat von 2024 zurück. Diese hatten berichtet, dass alle zehn Host Cities exklusive Vorkaufsrechte für begehrte Karten erhalten haben sollen, der Umgang damit jedoch nicht überall transparent erfolgt sei. Die Uefa soll mehr als 10.000 Tickets an dem offiziellen Verkauf vorbei gelenkt haben. 20 Millionen Menschen hatten sich um Karten bemüht – die meisten gingen leer aus.
Während einige Städte öffentlich erklärten, auf die Nutzung solcher Kontingente zu verzichten, wollte sich Stuttgart damals laut Correctiv nicht zu den Vorwürfen äußern – und machte sich damit verdächtig.
Kurze Frist habe die Beantwortung erschwert
Auf Anfrage von EchtStuttgart hat Susanne Kaufmann, Sprecherin des Stuttgarter Oberbürgermeisters Frank Nopper, am Mittwochabend die Hintergründe zur damaligen Nichtbeantwortung dieser Medienanfrage erläutert. Die Stadt habe im Sommer 2024 keine direkte Anfrage des Medienhauses Correctiv erhalten, sondern eine Anfrage der Plattform FragDenStaat, erklärte Kaufmann.
„Dass es sich bei dieser Anfrage von FragDenStaat offenbar um eine Kooperation mit Correctiv handelte, war aus der Anfrage nicht ersichtlich“, so Kaufmann. Zudem habe man sich innerhalb von zwei Tagen zu einem ausführlichen Fragenkatalog äußern sollen, was eine fristgerechte Beantwortung erschwert habe.
„Eine nicht sorgfältig geprüfte Antwort zu versenden, war für uns ausgeschlossen“, erklärt die OB-Sprecherin.. Die Arbeitsbelastung innerhalb der Verwaltung sei in diesem Zeitraum „äußerst hoch“ gewesen.
Man habe damals das Angebot der Tickets sehr genau geprüft und dafür auch einen Anwalt außerhalb des Rathauses zu Rate gezogen.
EM-Tickets waren sehr begehrt – doch sehr viele gingen leer aus
Die Nachfrage nach EM-Karten waren vor zwei Jahren erheblich größer als das Angebot. Hatten Mitarbeitende der Stadtverwaltungen einen besseren Zugang zu den begehrten Tickets?
Die Staatsanwaltschaft Bochum und das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen prüfen, ob im Rahmen der Vergabe exklusiver Kontingente möglicherweise unzulässige Vorteile gewährt oder angenommen wurden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Ticket-Sonderrechte innerhalb der Gastgeberstädte genutzt und weitergegeben wurden. Der Vorwurf der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung steht im Raum.
Stuttgart nahm damals 2297 Tickets an, darunter 159 Freikarten
Zwar hatte die Stadt die Anfrage von FragDenStaat unbeantwortet gelassen, später dann doch die Zahlen auf Nachfrage des „Südkuriers“ genannt. Demnach wurden im Rahmen der Host-City-Regelungen Stuttgart insgesamt rund 3500 Eintrittskarten mit Vorkaufsrecht, darunter 210 Freikarten, angeboten. Davon hat die Stadt insgesamt 2297 Tickets angenommen, darunter 159 Freikarten.
Die Tickets entfielen laut Stadt auf kostenpflichtige Kontingente, die über die städtische Tochtergesellschaft in.Stuttgart organisiert und im Zusammenhang mit der Durchführung der EM-Spiele genutzt wurden.
Freikarten seien laut Stadt ausschließlich an Personen mit repräsentativen Aufgaben vergeben worden, etwa aus Politik, Verwaltung oder Partnerinstitutionen.
Welches Promis haben damals Freikarten bekommen?
Welches Promis damals Freikarten bekommen haben, hat die Stadt bisher nicht verraten. Mit Blick auf den Datenschutz und das Persönlichkeitsrecht könne man die Namen der Personen nicht ohne deren Einwilligung veröffentlichen.
Als einziger Austragungsort in Baden-Württemberg hätten die Spiele in Stuttgart eine Strahlkraft in die Region Stuttgart und das Bundesland gehabt. Die Karten habe man deshalb „einem Personenkreis mit repräsentativer Bedeutung“ angeboten, „beispielsweise Mitgliedern der Landesregierung oder des Landtags, Parlamentariern mit Wahlkreis in Stuttgart, Landräten, Oberbürgermeistern, Konsuln, Repräsentanten von Partnerstädten und Mitgliedern des Stuttgarter Gemeinderat sowie Persönlichkeiten, die von der Stadt Stuttgart in der Vergangenheit mit Ehrungen ausgezeichnet wurden“.
Anders reagierten Hamburg, Frankfurt und Leipzig – diese Städte haben keine Tickets angenommen. Eine Sprecherin von Leipzig erklärte, dies habe der Antikorruptionsbeauftragte empfohlen.
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