Echt Stuttgart
Verleihung im Dezember
Stuttgarter Friedenspreis 2026 geht an die „Omas gegen Rechts“
5. Juli 2026
Sie stehen für Zivilcourage und beweisen, dass ältere Menschen etwas bewegen können: Die „Omas gegen Rechts“ erhalten in diesem Jahr den Stuttgarter Friedenspreis – als Dank für ihren Einsatz für Demokratie und gegen Rassismus.
Die bundesweite Initiative Omas gegen Rechts wird mit dem Stuttgarter Friedenspreis 2026 ausgezeichnet. Die Gründerin der Bewegung, Anna Ohnweiler, erhielt bei der Abstimmung der Mitglieder die meisten Stimmen, teilt Anstifter Peter Grohmann EchtStuttgart mit, und nimmt den mit 5000 Euro dotierten Preis stellvertretend für die Initiative entgegen. Verliehen wird die Auszeichnung am 6. Dezember 2026 im Rahmen der FriedensGala im Stuttgarter Theaterhaus.
Mit dem Friedenspreis würdigen die AnStifter seit 2003 Menschen, Organisationen und Initiativen, die sich in besonderer Weise für Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und Zivilcourage einsetzen. Das Preisgeld stellt die Stiftung Stuttgarter Friedenspreis zur Verfügung.
Eine Bewegung, die deutschlandweit Tausende mobilisiert
Als Anna Ohnweiler am 27. Januar 2018 in Nagold die Initiative Omas gegen Rechts gründete, ahnte wohl niemand, welche Dynamik daraus entstehen würde. Inspiriert von der österreichischen Bewegung entwickelte sich innerhalb weniger Jahre die größte Frauenbewegung gegen Rechtsextremismus in Deutschland. Heute engagieren sich nach Schätzungen der Initiative rund 35.000 Mitglieder in Regionalgruppen im ganzen Bundesgebiet.
Die „Omas“ sind längst zu einem festen Bestandteil zivilgesellschaftlicher Proteste geworden. Ob Demonstrationen gegen Rechtsextremismus, Kundgebungen für Demokratie, Frauenrechte oder Klimaschutz – überall dort, wo demokratische Werte verteidigt werden, sind die Frauen mit ihren bunten Mützen präsent. Ihr gemeinsames Motto: „Nie wieder.“
Dabei richtet sich die Bewegung ausdrücklich nicht nur an Großmütter. Auch Männer und jüngere Frauen engagieren sich. Entscheidend sei die Haltung – unabhängig von Alter oder Geschlecht.
Geprägt von Diktatur und Unfreiheit
Die Geschichte von Anna Ohnweiler erklärt ihr außergewöhnliches Engagement. Die heute 75-Jährige wurde in Rumänien geboren. Ihre Familie gehörte zur deutschen Minderheit in Siebenbürgen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ihre Eltern in sowjetische Arbeitslager deportiert. Die Erfahrungen von Repression, Vertreibung und dem kommunistischen Regime prägten sie nachhaltig.
Schon als Schülerin widersetzte sie sich staatlichen Vorgaben. Später arbeitete sie nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland 1979 jahrzehntelang mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Politisch engagierte sie sich zunächst in der CDU, wechselte später zur SPD und sitzt heute im Gemeinderat von Nagold.
Ihr Einsatz gegen Rechtsextremismus versteht sie als Konsequenz ihrer eigenen Lebensgeschichte. Gerade ihren Enkeln vermittelt sie die Bedeutung der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Verantwortung, demokratische Werte zu verteidigen.
Jugendpreis geht an Stuttgarter Schulprojekt
Neben dem Friedenspreiis vergeben die AnStifter auch den mit 2500 Euro dotierten JugendPreis. Ausgezeichnet wird in diesem Jahr die Johannes-Gutenberg-Schule Stuttgart für ihr Projekt „Käthe Kollwitz heute – Eintreten für eine demokratische Gesellschaft“.
Das Projekt setzt sich mit dem künstlerischen und gesellschaftlichen Vermächtnis der Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz auseinander und schlägt den Bogen zu aktuellen Fragen von Demokratie, Menschenrechten und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
Zeichen für Demokratie
Die diesjährige Preisvergabe sendet ein deutliches Signal. Während demokratische Werte zunehmend unter Druck geraten und rechtsextreme Positionen wieder lauter werden, würdigen die Anstifter mit ihrer Entscheidung das Engagement einer Bewegung, die sich konsequent für Menschlichkeit, Vielfalt und Zusammenhalt einsetzt.
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