Uwe Bogen
Start auf dem Weissenhof
Boss Open in Stuttgart: Zverev-Effekt, Andrang bei Taylor Fritz und Johann Lafer im VIP-Einsatz
7. Juni 2026
Der French-Open-Sieg von Alexander Zverev heizt die Tennisbegeisterung bei den Boss Open weiter an – obwohl er nicht in Stuttgart aufschlägt. Auf dem Weissenhof herrscht beste Stimmung: Taylor Fritz sorgt für Rekordandrang, Johann Lafer kocht für die VIPs – und ein Modetrend überrascht bei den Männern.
Tennisbälle, Trinkflaschen, Eintrittskarten, T-Shirts – US-Star Taylor Fritz, der mit dem Weltranglisten-Fünften Ben Shelton die Setzliste der Boss Open anführt, unterschreibt am Sonntag auf dem Weissenhof einfach alles, was ihm die Fans entgegenhalten. Der Titelverteidiger steht im Zelt des DJ und baut kritzelnd in erstaunlichem Tempo die längste Schlange des Tages ab.
Die Wartenden stehen einmal rund um das Boss-Verkaufszelt herum. Kinder halten ihre Tennisbälle fest umklammert, Erwachsene zücken Smartphones für ein Erinnerungsfoto. Fritz schaut kaum hoch, kritzelt wie ein Weltmeister so schnell, damit alle drankommen.
Das Preisgeld beträgt 768.220 Euro
Die Szene passt perfekt zu einem Turnierauftakt, der sich angesichts der sattgrünen Rasenplätze ein bisschen wie Wimbledon anfühlt. Über dem Killesberg strahlt die Sonne vom nahezu wolkenlosen Himmel,, und auf dem gut besuchten Gelände herrscht beste Sommerstimmung. Viele Besucher tragen Sonnenhüte oder Caps, Familien flanieren zwischen den Courts und Gastronomieständen. Die günstigeren Wochenendtickets locken besonders viele Eltern mit Kindern auf die Anlage des TC Weissenhof.
Die Boss Open gehören zur ATP-250-Serie und sind für viele Profis die erste wichtige Station der Rasensaison. Gespielt wird auf demselben Belag, auf dem wenige Wochen später auch in Wimbledon die Bälle fliegen. Entsprechend groß ist die Bedeutung des Turniers für die internationale Tenniselite. Der Sieger erhält in diesem Jahr ein Preisgeld von 768.220 Euro.
Boss Open – das klingt nach mehr als nach Tennis. Es geht auch um Lifestyle, um Treffen mit Freunden, um Genuss und darum, einen Sommertag in besonderer Atmosphäre zu verbringen. Auf den Terrassen herrscht Urlaubsstimmung. Ein DJ sorgt für entspannte Beats, an der weißen Bar werden kühle Drinks serviert. Bequeme Sitzmöbel laden zum Abhängen ein. Auch für die passenden Selfie-Kulissen ist gesorgt: Ob vor dem großen Boss-Schriftzug oder mit den überdimensionalen Tennisschlägern – auf dem Gelände finden Besucher zahlreiche Fotomotive, um auf Social Media allen zu zeigen, wie gut und ja, exklusiv es einem auf dem Weissenhof geht.
Johann Lafer geht wie gewohnt seiner Arbeit nach
Seit Sonntag ist Starkoch Johann Lafer auf dem Weissenhof im Einsatz. Erst vor wenigen Wochen hat der 68-Jährige seine Krebserkrankung öffentlich gemacht, die eine Chemotherapie erfordert hat. Nun steht er bei den Boss Open wieder am Herd und freut sich sichtlich darüber, seine Gäste mit kulinarischen Kreationen verwöhnen zu können. Zu ihnen gehören Sponsoren, Ehrengäste und Besucher, die sich die begehrten VIP-Tickets gesichert haben.
Die Therapie zeigt Wirkung: Der Krebs ist nach seinen Angaben kleiner geworden. Lafers Ehefrau sagte am Sonntag in einem Interview, sie glaube fest daran, die Krankheit besiegen zu können. Deshalb könne sie auch gut verstehen, dass ihr Mann wieder arbeiten wolle und die Begegnungen mit Menschen genieße.
Nach der Chemo ist Lafer ist schlanker geworden. Doch unter seinem Käppi strahlen die Augen genauso lebendig wie eh und je. Auf dem Weissenhof wirkt er voller Energie – und vor allem voller Freude, wieder das tun zu können, was er am meisten liebt: Menschen mit gutem Essen glücklich zu machen.
Diehl-Weine exklusiv auf dem Weissenhof
Für die passenden Weine zu Lafers Köstlichkeiten sorgt in diesem Jahr erstmals Thomas Diehl vom Weingut Diehl aus Stuttgart-Rotenberg. In der VIP-Arena fungiert er mit seinem Team als Mundschenk, und auch im Public-Bereich wird sein Wein exklusiv ausgeschenkt.
Diehl ist unserem Magazin EchtStuttgart eng verbunden und gehört seit dem Start zum Team. Zwar bleibt ihm aktuell kaum Zeit für seine Genuss-Kolumne – von morgens bis abends ist er auf dem Weissenhof im Einsatz –, doch wir werden ihn in dieser Woche natürlich fragen, wie der Genusspegel auf dem Killesberg ausfällt.
Wer über das Gelände läuft, entdeckt zudem einen überraschenden Modetrend. Weiße Socken sind zurück. Nicht nur die Tennisspieler tragen sie, auch bei vielen männlichen Besuchern gehören die auffälligen Sportsocken inzwischen selbstverständlich zum Outfit. Noch vor wenigen Jahren galten sichtbare weiße Socken als modisches Tabu.
Doch mit dem Comeback der 80er- und 90er-Jahre-Mode haben sie sich zurückgekämpft. Streetwear-Marken, Influencer und Sportstars machten die ehemals verpönten Tennissocken wieder salonfähig. Heute gelten sie als sportlich, lässig und modern – auf einem Rasenturnier ohnehin die perfekte Wahl.
Dass Alexander Zverev nicht kommt, verstehen die Fans
Sportlich muss das Publikum allerdings auf einige große Namen verzichten. Dass der angekündigte Alexander Zverev nach seinem historischen Sieg bei den French Open am Sonntag nicht nach Stuttgart reist, verstehen die Fans. Sein Triumph in Paris dürfte dem Tennissport in Deutschland einen Auftrieb geben, wie einst bei Boris Becker. So gesehen wird Zverev auch bei den Boss Open nicht ohne Wirkung bleiben. Auch sein Finalgegner Flavio Cobolli sowie Jakub Mensik fehlen beim Stuttgarter Rasenturnier.
Dadurch führt der Weltranglistenfünfte Ben Shelton aus den USA die Setzliste an. Dahinter folgt Titelverteidiger Taylor Fritz. Außerdem schlagen unter anderem Alexander Bublik, Jiri Lehecka, Tommy Paul, Frances Tiafoe und Nick Kyrgios auf dem Weissenhof auf.
Nach den French Open werden die Deutschen Tennis wieder lieben. In Stuttgart freut man sich nun auf spannende Spiele bis zum Finale am Sonntag. Und wenn Taylor Fritz weiter so schnell Autogramme schreibt, dürfte er auch in dieser Disziplin zu den Favoriten des Turniers gehören.
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