Produzenten schlagen Alarm

Filmverband greift SWR an: „Der Südwesten geht leer aus“


Echt Stuttgart ·14. August 2026 ·4 Min. Lesezeit News

„Sag die Wahrheit“ zieht nach Leipzig, der „Tigerentenclub“ nach Köln. Der Filmverband Südwest kritisiert den SWR scharf und warnt vor dem Ausbluten des Filmstandorts Baden-Württemberg. Heimische Filmschaffende sehen sich als Verlierer der Auslagerungen.

Michael Antwerpes muss mit "Sag die Wahrheit" nach Leipzig ziehen. Foto: SWR

„Lieber Herr Bratzler – Südwesten ist hier“ steht auf der Karte, mit der Filmschaffende gegen die Auslagerung von SWR-Produktionen protestieren. Gemeint ist Clemens Bratzler, Programmdirektor des Südwestrundfunks. Die Botschaft der Branche: Auch im Südwesten gibt es Produktionsfirmen, die Fernsehformate realisieren können.

Doch bei den aktuellen Entscheidungen des SWR kommen sie nach Ansicht des Filmverbands Südwest zu selten zum Zug.

„Sag die Wahrheit“ zieht nach Leipzig. Der Show- und Spielanteil des „Tigerentenclubs“ soll ab 2027 von Riverside Entertainment in den Bavaria-Studios in Köln-Bocklemünd produziert werden. Die Live-Anteile und Kinderreportagen des „Tigerentenclubs“ bleiben als Eigenproduktion des SWR in Stuttgart.

Für den Filmverband Südwest ist das ein Signal mit weitreichenden Folgen.

„Baden-Württemberg wird nur noch als Ausbildungsstandort genutzt“

Kurt Kilian Eifler, Vorstandsmitglied des Filmverbands Südwest, sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Aus seiner Sicht droht Baden-Württemberg zunehmend zu einem reinen Ausbildungsstandort zu werden.

„Die Ausbildung kostet viel Geld“, sagt Eifler. Wenn die ausgebildeten Fachkräfte anschließend keine ausreichenden Produktionsmöglichkeiten im Land vorfinden, wanderten sie dorthin ab, wo die Aufträge vergeben würden.

Es fehle an einem Weiterdenken der gesamten Wertschöpfungskette innerhalb Baden-Württembergs, kritisiert Eifler. Produktionsfirmen schaffen Arbeitsplätze und zahlen Steuern. Davon profitiere letztlich auch das Land.

Hinzu komme ein touristischer Effekt. Filme und Serien könnten Orte bekannt machen und Zuschauer dazu bewegen, die Drehorte später selbst zu besuchen.

Warum werden die Aufträge nicht im Südwesten vergeben?

Dem Filmverband ist bewusst, dass eine Auslagerung von Eigenproduktionen nicht automatisch bedeutet, dass baden-württembergische Unternehmen die entsprechenden Aufträge erhalten müssen.

Dennoch stellt Eifler eine grundsätzliche Frage: Warum sucht  der SWR bei seinen Ausschreibungen nicht gezielter nach Partnern im eigenen Sendegebiet?

Aus Sicht des Verbands werde nur selten an Produktionsfirmen in Baden-Württemberg gedacht. Das betreffe nicht nur große Fernsehproduktionen, sondern auch das Kerngeschäft Film- und Fernsehproduktion.

Selbst Beiträge für die Social-Media-Kanäle des SWR würden nach Angaben des Verbands in Hamburg und Berlin produziert. Die entsprechende Ausschreibung habe die Produzenten im Südwesten nicht erreicht.

Kritik an fehlender Transparenz

Auch die Vergabekriterien des Senders stehen in der Kritik.

Als Beispiel nennt der Filmverband den „Tigerentenclub“. Nach den Informationen des Verbands habe der SWR ein technisch und qualitativ besonders hochwertiges Angebot aus Baden-Württemberg nicht angenommen.

Für Eifler stellt sich deshalb die Frage, inwieweit der SWR bei seinen Vergaben seine eigenen Vorgaben berücksichtigt und welchen Beitrag der Sender zur regionalen Standortförderung leistet.

„Inwieweit der SWR die Vergabeordnung beachtet oder seinen Beitrag zur regionalen Standortförderung leistet, bleibt uns offen“, so Eifler.

Auch bei einer geplanten Kinderserie habe es aus Sicht des Verbands einen irritierenden Vorgang gegeben: Bei einem Runden Tisch habe der SWR die Produzenten aufgefordert, sich Gedanken über eine Kinderserie zu machen. Gleichzeitig sei die Ausschreibung dafür bereits an Produzenten außerhalb Baden-Württembergs verschickt worden.

Für die Filmschaffenden stellt sich damit Frage,  welchen Stellenwert die Gespräche mit der regionalen Branche tatsächlich haben.

SWR muss sparen

Der SWR begründet die Veränderungen mit seinem erheblichen Spardruck. Der Sender kündigte an, innerhalb von rund zehn Jahren insgesamt 580 Millionen Euro einsparen zu müssen.

Fiktionale und unterhaltende Formate, die bislang am Standort Baden-Baden produziert wurden, sollten  schrittweise als Auftragsproduktionen an externe Produktionsfirmen vergeben werden. Gleichzeitig kündigte der SWR an, seine bewirtschafteten Flächen weiter zu reduzieren und Baden-Baden als wichtigen Audio-Standort zu stärken.

Betroffen sind unter anderem „Tatort“, „Die Fallers“, „Sag die Wahrheit“, der „Tigerentenclub“ und „Schlager-Spaß mit Andy Borg“.

Für den Filmverband ist dabei nicht die Auslagerung als solche das Problem. Entscheidend sei vielmehr, wohin die Produktionsaufträge gingen.

„Der Südwesten geht größtenteils leer aus“

Genau darin sieht Eifler die große Gefahr. Die baden-württembergischen Produzenten hätten nach der Ankündigung des SWR zunächst auf zusätzliche Aufträge gehofft. Stattdessen gingen die ersten wichtigen Produktionen größtenteils an Standorte außerhalb des Landes.

Damit drohe eine Entwicklung, bei der Baden-Württemberg zwar weiterhin Fachkräfte für die Filmwirtschaft ausbildet, die eigentliche Produktion aber zunehmend anderswo stattfindet.

Das habe Folgen für die gesamte Branche: Wenn Produktionsunternehmen keine ausreichenden Aufträge erhalten, bauen sie weniger Kapazitäten auf. Fachkräfte suchen sich andere Standorte. Mit ihnen wandert Know-how ab.

Auch das Land steht in der Kritik

Die Verantwortung sieht der Filmverband nicht allein beim SWR. Auch das Land Baden-Württemberg müsse stärker auf die wirtschaftlichen Effekte der Filmwirtschaft achten.

Nach Angaben des Verbands trägt Baden-Württemberg zur Finanzierung der bundesweiten Filmförderung bei. Gleichzeitig würden im Land nur rund 2,5 Prozent der Gesamtfördersumme für Produktionen ausgegeben.

Für Eifler ist das ein Missverhältnis. Es fehle am nachhaltigen Denken entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von der Ausbildung über die Produktion bis zu Arbeitsplätzen, Steuereinnahmen und möglichen touristischen Effekten.

Ein Gründerzentrum allein reicht nicht

Auch neue Initiativen wie das Stuttgart Moving Image Center (SMIC), das derzeit am Leonhardsplatz entsteht, könnten das Problem nicht alleine lösen.

Ein Gründerzentrum könne Strukturen schaffen und Unternehmen unterstützen. Wenn aber gleichzeitig die großen Produktionsaufträge an andere Standorte gingen, fehle die wirtschaftliche Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung der Branche.

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Inhaltsverzeichnis
  1. „Baden-Württemberg wird nur noch als Ausbildungsstandort genutzt“
  2. Warum werden die Aufträge nicht im Südwesten vergeben?
  3. Kritik an fehlender Transparenz
  4. SWR muss sparen
  5. „Der Südwesten geht größtenteils leer aus“
  6. Auch das Land steht in der Kritik
  7. Ein Gründerzentrum allein reicht nicht

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