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Kommentar

Nach dem schockierenden Urteil im Iran: Seien wir alle ein bisschen Serkan!


Uwe Bogen ·22. September 2026 ·4 Min. Lesezeit News

Zehn Jahre Haft im Iran – eine Nachricht, die Stuttgart erschüttert. Ausgerechnet Serkan Eren, der sein Leben dem Helfen verschrieben hat, sitzt unschuldig im Gefängnis. Unsere Antwort sollte sein: nicht weniger helfen, sondern mehr. Hinschauen, anpacken, weitermachen - auch für ihn. Seien wir alle ein bisschen Serkan. Ein Kommentar.

Serkan Eren Foto: Stelp

Es gibt Nachrichten, die eine Stadt hart treffen. Die Verurteilung von Serkan Eren zu zehn Jahren Haft im Iran ist für Stuttgart eine solche. Hier kennen viele seinen Namen, seine Arbeit und seinen unermüdlichen Einsatz für Menschen in Not. Man hat ihn bewundert, selbst gespendet und manchmal gestaunt, wie hartnäckig er sein konnte, wenn er sich etwas vorgenommen hat. Und viele hoffen jetzt vor allem auf eines: dass sich doch noch ein Weg öffnet, der Serkan die Freiheit zurückbringt.

Serkan ist einer, der nicht wegschaut, sondern handelt. Mit STELP hat er von Stuttgart aus seit 2015  eine Hilfsorganisation aufgebaut, die dort hilft, wo Hilfe besonders dringend gebraucht wird. Für dieses außergewöhnliche Engagement wurde er mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Helfen, auch wenn es gefährlich wird

Dass seine Einsätze nicht ungefährlich sind, war nie ein Geheimnis. Serkan war in Afghanistan, im Libanon und mehrfach in der Ukraine unterwegs – auch nahe der Frontlinie. In Beirut erlebte er 2020 die verheerende Explosion im Hafen und half anschließend Verletzten. Auch in der Ukraine geriet er bei seinen Hilfseinsätzen in gefährliche Situationen. Doch von all diesen Einsätzen kehrte Serkan zurück. Bisher war es immer gut ausgegangen.

Wer in Kriegs- und Krisengebiete reist, um Menschen zu helfen, geht Risiken ein. Doch Serkan war dabei nicht einfach leichtfertig. Er versuchte, Gefahren abzuwägen und so weit wie möglich zu begrenzen. Und trotzdem fuhr er hin – weil für ihn zuerst die Menschen kamen, die Hilfe brauchten.

Diesmal kam Serkan nicht zurück

Im Juni 2025 reiste Serkan Eren in den Iran, nach Angaben von STELP, um Menschen in Not zu unterstützen. Ende Juni konnte er das Land nicht wie geplant verlassen. Später bestätigte sich, dass er inhaftiert worden war.

Nun ist Serkan nach Angaben von STELP zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Die Organisation erklärt, das Gericht lege ihm Kontakte zu einem Land zur Last, das der Iran als verfeindet einstuft. STELP kann diese rechtliche Bewertung nicht nachvollziehen und hält Urteil und Strafmaß für nicht gerechtfertigt.

Viele Einzelheiten des Verfahrens und der konkrete Tatvorwurf sind bisher nicht öffentlich bekannt. Wir können deshalb von Stuttgart aus nicht beurteilen, was in dem iranischen Gerichtssaal im Einzelnen verhandelt wurde. Was wir wissen: Nach Angaben von STELP reiste Serkan als humanitärer Helfer in den Iran.

Das Auswärtige Amt hält sich bedeckt

EchtStuttgart hat schon vor einiger Zeit beim Auswärtigen Amt nachgefragt. Von dort heißt es, der Fall sei bekannt. Deutschland könne im Ausland allerdings nur deutsche Staatsangehörige konsularisch betreuen. Serkan Eren ist türkischer Staatsbürger. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und weil sich das Auswärtige Amt grundsätzlich nicht zu möglichen Haftfällen im Iran äußert, gab es keine weiteren Angaben. 

STELP steht nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit den türkischen Behörden und ist überzeugt, dass diese alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, um sich für Serkan einzusetzen.

Stuttgart kennt ihn als einen, der anpackt

Serkan Eren hat vorgelebt, dass man sich mit dem Leid anderer Menschen nicht abfinden muss. Man kann hinschauen, aufstehen und helfen. Genau deshalb trifft diese Nachricht Stuttgart so sehr. Hier geht es um einen Menschen aus unserer Stadt, der einen erheblichen Teil seines Lebens darauf verwendet hat, anderen beizustehen.

„Helfen macht happy“ – gerade jetzt

Unser Motto bei EchtStuttgart lautet: „Helfen macht happy.“ Heute klingt dieser Satz bitter. Denn Helfen macht leider nicht immer happy. Helfen kann gefährlich werden – und Serkans Schicksal zeigt, welchen Preis ein Mensch für seinen Einsatz zahlen kann.

Aber die Antwort darauf darf nicht sein, weniger zu helfen. Im Gegenteil. Gerade jetzt sollten wir in Stuttgart fortsetzen, was Serkan vorgelebt hat: hinschauen, wenn Menschen Hilfe brauchen. Nicht gleichgültig werden und nicht darauf warten, dass sich schon jemand anderes kümmert.

Am Samstag eröffnet STELP das Café an der Calwer Straße 

Die Welt braucht Menschen, die sich nicht mit Leid und Ungerechtigkeit abfinden und bereit sind, Verantwortung für andere zu übernehmen. Deshalb sollte die Nachricht von Serkans Verurteilung für Stuttgart nicht nur ein Moment des Schocks sein. Sie sollte auch ein Ansporn sein.

Timo Hildebrand, ein guter Freund von Serkan Eren und selbst Helfer bei STELP, weist darauf hin: An diesem Samstag eröffnet das Café Lovd von STELP an der Calwer. Straße. Die Einnahmen gehen an die Hilfsorganisation. 

Jetzt erst recht helfen. Für die Menschen, denen Serkan helfen wollte. Für die Idee, für die er und STELP stehen. Und für Serkan. Für Serkan, der hoffentlich bald wieder zurückkehren kann.

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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Helfen, auch wenn es gefährlich wird
  2. Diesmal kam Serkan nicht zurück
  3. Das Auswärtige Amt hält sich bedeckt
  4. Stuttgart kennt ihn als einen, der anpackt
  5. „Helfen macht happy“ – gerade jetzt
  6. Am Samstag eröffnet STELP das Café an der Calwer Straße 

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