Uwe Bogen
Baumgrab auf dem Waldfriedhof
Dank einer großen Welle der Solidarität: Rainer Nitschke findet letzte Ruhe in Stuttgart
8. Juli 2026
Aus einer Recherche von EchtStuttgart wurde eine überwältigende Aktion: Nachdem unser Magazin aufgedeckt hatte, dass Rainer Nitschke eine anonyme Bestattung droht, spendeten Wegbegleiter, darunter Peter Maffay. Freunde der Radiolegende wählten sein Baumgrab auf dem Waldfriedhof aus.
Die große Hilfsaktion für einen würdevollen Abschied der Radiolegende Rainer Nitschke bewegt weiterhin viele Menschen. Dank der überwältigenden Unterstützung von 152 Spenderinnen und Spendern kann der lang gehegte Wunsch des beliebten Radiomannes nun Wirklichkeit werden: Der Moderator mit der markanten Stimme, die seine Fans als „erotisch“, „vertrauenswürdig“ und „charmant“ bezeichneten (siehe das Porträt im You-Tube-Film aus dieser Seite) wird in Kürze in seiner Heimatstadt Stuttgart beigesetzt – unter einer mehr als 100 Jahre alten Buche auf dem Waldfriedhof.
Die Initiatoren der Spendenaktion – der Journalist David Sarkar, Jochen Alber, Geschäftsführer des Dehoga Baden-Württemberg, und Uwe Bogen, Redaktionsleiter des Magazins EchtStuttgart – haben jetzt das Baumgrab ausgewählt. Es befindet sich an einer eindrucksvollen alten Buche auf dem Waldfriedhof und soll Rainer Nitschke einen ruhigen und würdevollen Ort des Gedenkens schenken. Eine Recherche unseres Magazins hatte zu dem Spendenaufruf bei GoFundMe geführt.
Der Stuttgarter OB hat sich persönlich für Rainer Nitschke eingesetzt
OB Frank Nopper hatte sich persönlich dafür eingesetzt, dass Nitschke auf dem Waldfriedhof, wo viele bekannte Töchter und Söhne der Stadt ihre letzte Ruhe finden, beigesetzt wird.
Innzwischen wurde auch die Überführung der Urne vom Krematorium Baden-Baden nach Stuttgart in die Wege geleitet. Der genaue Termin für die öffentliche Beisetzung steht noch nicht fest, dürfte aber in etwa drei Wochen stattfinden. Alle Spenderinnen und Spender werden rechtzeitig informiert und eingeladen, gemeinsam Abschied zu nehmen.
Überwältigende Unterstützung
Die Resonanz auf den Spendenaufruf hat die Initiatoren tief bewegt. Auf der Plattform GoFundMe kamen bisher etwa 11.300 Euro von 152 Einzelspenderinnen und Einzelspendern zusammen. Die Spenden reichten von fünf Euro bis hin zu einer großzügigen vierstelligen Unterstützung.
Zu den prominenten Unterstützern gehört der Musiker Peter Maffay. Ihn verbindet mit Rainer Nitschke eine lange Geschichte: Sein erstes Interview in einem deutschen Radio führte Maffay 1972 beim SDR – mit Rainer Nitschke. Nun unterstützt er die Initiative mit einer größeren Spende und bedankte sich persönlich bei den Organisatoren.
„Wir sind überwältigt von der Anteilnahme. Ihr seid großartig“, schreiben die Initiatoren im aktuellen Update der Spendenaktion. Die Welle der Solidarität sei weit größer ausgefallen, als sie es jemals erwartet hätten.
Transparenz über die Kosten
Den Initiatoren ist wichtig, sämtliche Ausgaben offen darzustellen.
Das Bestattungshaus in Offenburg, wo Rainer Nitschke zuletzt lebte, hat inzwischen eine Rechnung über 4324,21 Euro gestellt. Darin enthalten sind unter anderem die Einäscherung, Kühlung sowie sämtliche organisatorischen Leistungen.
Für das Baumgrab auf dem Waldfriedhof werden voraussichtlich weitere rund 2478 Euro fällig. Weitere Pflegekosten wird es nicht geben. Hinzu kommen die Kosten für die Überführung der Urne nach Stuttgart, ein Gedenkschild, die Anmietung der Kapelle sowie eine kleine Trauerfeier.
Nach Abschluss aller Rechnungen werden die Initiatoren die endgültige Abrechnung transparent veröffentlichen.
Große Anteilnahme aus Kultur und Rundfunk
Besonders berührend ist die große Unterstützung aus dem Umfeld des Rundfunks. Zahlreiche ehemalige und aktive Kolleginnen und Kollegen aus SDR, SWR, WDR und Schwarzwaldradio beteiligten sich an der Aktion und spendeten privat.
Darunter befinden sich auch SWR-Landessendedirektorin Stefanie Schneider, SWR1- und SWR4-Programmchefin Carola Oldenkott sowie Moderator Michael Branik und sein Mann Bernd Reichel.
Viele persönliche Nachrichten zeigen, welchen Platz Rainer Nitschke im Leben vieler Menschen hatte.
Viele Menschen sind mit seiner Stimme aufgewachsen
„Ich bin mit seiner Stimme aufgewachsen“, schreibt eine Spenderin.
Ein ehemaliger Radiokollege formuliert es so: „Er hat immer einen guten Job gemacht und hat es nicht verdient, anonym beigesetzt zu werden.“
Auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft unterstützten die Initiative – darunter Kabarettistin Anette Heiter, Schauspielerin Monika Hirschle, Sängerin Babs Steinbock, Veranstalter Christian Doll, der frühere SWR-Moderator Günther Schneidewind, Markus Knoll vom Schwarzwaldradio, Regisseur Timo Mayer, Professor Mini Schulz, Theatermacher Axel Clesle, der frühere OB-Kandidat John Heer, Simone Schüle von der Konzeptfabrik, Produzent Rolf Steinacker, Fotograf Klaus Schnaidt sowie viele weitere Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter.
Nitschke war oft Gast bei Laura im KC
Clublegende Laura Halding-Hoppenheit erinnert sich, dass Nitschke häufig in ihrer Schwulendisco Kings Club zu Gast war. Schon früh bekannte sich der Radiomann öffentlich zu seiner Homosexualität und lebte zuletzt als Single.
Ein letzter Wunsch erfüllt sich
Rainer Nitschke prägte über Jahrzehnte das Radio im Südwesten. Er arbeitete für den Süddeutschen Rundfunk, den Südwestrundfunk, den Westdeutschen Rundfunk und zuletzt für Schwarzwaldradio.
Nach seinem Tod am 10. Mai 2026 im Alter von 79 Jahren drohte zunächst eine anonyme Beisetzung in Kehl, weil die Behörden nach wochenlanger Suche keine Angehörigen ermitteln konnten. Dabei hatte Nitschke mehrfach den Wunsch geäußert, seine letzte Ruhe in Stuttgart zu finden.
Dank der großen Hilfsbereitschaft vieler Menschen kann dieser Wunsch nun erfüllt werden.
Was mit einem möglichen Überschuss geschieht
Sollten nach Begleichung sämtlicher Kosten Spendengelder übrig bleiben, werden diese ebenfalls transparent und im Sinne von Rainer Nitschke verwendet.
Geplant sind Spenden an das Tierheim Stuttgart sowie an eine queere Initiative – zwei Anliegen, die dem langjährigen Radiomann besonders am Herzen lagen.
Für die Initiatoren ist die Aktion längst mehr geworden als eine Spendenkampagne.
Sie ist ein Zeichen dafür, dass Stuttgart einen Menschen, dessen Stimme Generationen begleitet hat, nicht vergisst – und ihm nun den Abschied schenkt, den er sich gewünscht hat.
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