Uwe Bogen
Radio-Legende starb vor vier Wochen
Warum Rainer Nitschke noch nicht beerdigt ist: Freunde kämpfen für würdevollen Abschied
10. Juni 2026
Er war die Stimme einer ganzen Radiogeneration. Vier Wochen nach seinem Tod ist Rainer Nitschke noch immer nicht beerdigt. EchtStuttgart hat recherchiert: Wie die Stadt Kehl erfolglos nach Angehörigen suchte, weshalb eine anonyme Bestattung droht und wie Freunde um einen würdevollen Abschied kämpfen.
In die Geschichte des deutschen Radios wird Rainer Nitschke als eine der bekanntesten und beliebtesten Stimmen seines Mediums eingehen. Über Jahrzehnte prägte der gebürtige Stuttgarter die Programme von SDR, SWR, WDR und zuletzt des Schwarzwaldradios. Für viele Hörerinnen und Hörer gehörte seine warme, unverwechselbare Stimme zum Alltag. Doch nach seinem Tod offenbart sich ein trauriges Bild: Fast einen Monat nach seinem Ableben ist der langjährige Radiomoderator noch immer nicht beerdigt. Woran liegt das? EchtStuttgart hat recherchiert.
„Wir hatten weitere Sendungen geplant“
Nitschke starb am 10. Mai im Alter von 79 Jahren in seiner Wohnung im Kehler Stadtteil Odelshofen. Bis zuletzt blieb er seinem Beruf eng verbunden. Noch wenige Tage vor seinem Tod stand er für das Schwarzwaldradio in Offenburg vor dem Mikrofon. „Er war guter Dinge“, berichtet ein Kollege, der kurz zuvor noch mit ihm gearbeitet hatte. „Wir haben sogar über weitere gemeinsame Sendungen gesprochen.“ Zwar habe Nitschke über Herzprobleme geklagt, doch der 79-Jährige sei überzeugt gewesen, diese mit Hilfe eines Spezialisten in Freiburg in den Griff zu bekommen.
Sein Wunsch war es, nach Stuttgart zurückzukehren
Immer wieder hatte Rainer Nitschke – auch dem Schreiber dieser Zeilen gegenüber – erklärt, er wolle in seine Heimatstadt Stuttgart zurückkehren, wo es ihm in seinem Leben am besten gefallen habe. Sein Wunsch sei es gewesen, in Stuttgart beerdigt zu werden, sagt ein Bekannter.
Ob dieser Wunsch noch erfüllt werden kann, hängt nun davon ab, ob sich Menschen finden, die die Organisation und die Kosten einer Überführung sowie der Beisetzung übernehmen. Denkbar wäre nach Angaben von Freunden ein Baumgrab ohne Pflegeaufwand im kleinen Kreis. Eine große Trauerfeier habe sich Nitschke nicht gewünscht. Eine letzte Ruhestätte, um die sich niemand kümmern müsse, habe seinen Vorstellungen entsprochen.
Die Stadtverwaltung Kehl suchte wochenlang nach Angehörigen des Verstorbenen, jedoch ohne Erfolg. Nachdem keine Angehörigen gefunden werden konnten, leitete die Stadt Kehl nun das weitere Bestattungsverfahren ein. Am 5. Juni wurde das Krematorium mit der Einäscherung beauftragt. Nach der derzeitigen Regelung soll die Urne anschließend im Rahmen einer von der Stadt veranlassten Bestattung auf einem anonymen Grabfeld in Kehl beigesetzt werden.
„Wenn Freunde oder Weggefährten die Bestattung organisieren und finanzieren möchten, wäre eine anonyme Beisetzung nicht zwingend erforderlich“, erklärt die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung gegenüber EchtStuttgart. Noch könne die Urne für eine gewisse Zeit aufbewahrt werden. Voraussetzung sei allerdings, dass die gesamte Organisation und Finanzierung zeitnah geklärt werde. Auch Markus Knoll, geschäftsführender Gesellschafter des Schwarzwaldradios, hat uns gegenüber signalisiert, eine würdevolle Beisetzung finanziell unterstützen zu wollen.
Peter Maffay verdankt Rainer Nitschke viel
Wie groß Rainer Nitschkes Einfluss in der deutschen Musik- und Medienwelt war, zeigt auch die Geschichte von Peter Maffay. Der Musiker ist ihm bis heute dankbar. 1972 hatte Nitschke den damals noch weitgehend unbekannten Sänger zu seinem ersten Interview bei einer deutschen Radiostation eingeladen – beim SDR in Stuttgart. Für Maffay war dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu seiner späteren Karriere. So gesehen hatte Nitschke Anteil daran, dass einer der erfolgreichsten deutschen Musiker Deutschlands einem breiten Publikum bekannt wurde. Es war typisch für ihn, Talente früh zu erkennen und ihnen eine Bühne zu geben.
Mit der „Stimme des Südens“, wie man ihn nannte, nannten, hat die deutsche Radiolandschaft eine ihrer prägenden Persönlichkeiten verloren. Mehr als fünf Jahrzehnte lang war er dem Medium Radio verbunden. Begonnen hatte seine berufliche Laufbahn nach der Schulzeit als Schauspieler an der Komödie im Marquardt in Stuttgart. Später wurde er zu einem der bekanntesten Radiomoderatoren des Landes. Für Generationen von Hörerinnen und Hörern war er weit mehr als nur ein Moderator – er war ein vertrauter Begleiter durch den Tag.
Nun hoffen Freunde, ehemalige Kollegen und treue Hörer, dass der Mann, dessen Stimme über Jahrzehnte hinweg Millionen Menschen vertraut war, einen Abschied erhält, der seiner Lebensleistung gerecht wird. Vielleicht findet sich in letzter Minute noch ein Weg, seinem Wunsch nach einer Beisetzung in seiner Heimatstadt Stuttgart zu entsprechen – und ihm einen würdigen letzten Ruheplatz zu geben.
Schreibt an EchtStuttgart
Wer die Freunde von Rainer Nitschke dabei unterstützen will, eventuell auch mit Geld, kann an uns schreiben: info@echt-stuttgart.de. Wir leiten die Mails weiter.
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