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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosEin neuer Erholungsort am Neckar
„Stadt am Fluss“ – ein Versprechen, das Stuttgart schon seit Jahren begleitet. Doch während große Pläne für eine bessere Zugänglichkeit des Neckars bislang nur schleppend vorankamen, soll nun ein kleines, aber zentrales Projekt Bewegung in die Sache bringen – ein neuer Erholungsort beim Cannstatter Wasen.
Die Zauberworte „Stadt am Fluss“ prangten bereits 2012 auf den Wahlplakaten von Fritz Kuhn, als dieser für das Amt des Stuttgarter Oberbürgermeisters kandidierte. Unter seiner Führung nahm die Vision konkretere Formen an: Mit dem Masterplan „Erlebnisraum Neckar“ entwickelte die Landeshauptstadt ein umfangreiches Konzept, das den Fluss wieder stärker ins Bewusstsein der Stadtgesellschaft rücken und für die Menschen erlebbarer und zugänglicher machen sollte.
Mehr als 20 Einzelprojekte wurden dafür vorgesehen. Ihre Umsetzung sollte in drei Etappen erfolgen und sich bis zum Ende der 2030er-Jahre erstrecken. Der Anspruch dahinter: den Neckar nicht länger nur als Wasserstraße und Grenze zwischen Stadtteilen wahrzunehmen, sondern ihn als attraktiven Aufenthalts- und Erholungsraum zurück in das städtische Leben zu holen.
Der ursprüngliche Zeitplan war durchaus ambitioniert. Bereits bis 2022 sollten die ersten fünf Projekte umgesetzt sein. Dazu gehörten unter anderem der sogenannte Hechtkopf, eine Halbinsel in Bad Cannstatt, sowie eine Flussterrasse im Lindenschulviertel in Untertürkheim.
Die bisherige Bilanz fällt allerdings überschaubar aus: Von den ursprünglich geplanten Vorhaben ist bislang lediglich die Flussterrasse in Untertürkheim fertiggestellt worden. Die Vision einer Stadt, die ihren Fluss wiederentdeckt, lässt also noch auf sich warten.
Nun könnte die Internationale Bauausstellung 2027 (IBA’27) neuen Schwung in die Entwicklung bringen. Mit dem „Kleinen Wasenufer“ soll ein weiterer Baustein aus dem Masterplan „Erlebnisraum Neckar“ zeitnah Wirklichkeit werden.
Am Berger Steg, auf Höhe des Cannstatter Wasengeländes, entsteht bis zur IBA’27 ein neuer Erholungsort unmittelbar am Neckar. Das Projekt umfasst rund 75 Meter Uferbereich und eine Gesamtfläche von etwa 1.100 Quadratmetern.
So entsteht eine wassernahe Aufenthaltsfläche, die zum Verweilen einlädt. Gleichzeitig wird vom Dammweg aus eine neue Blickbeziehung zum Fluss geschaffen. Damit soll das Wasser stärker in den öffentlichen Raum rücken und nicht länger hinter Böschungen an den Uferbereichen verschwinden.
Über eine neue Rampen- und Treppenanlage wird der untere Uferbereich künftig barrierefrei erreichbar sein. Ergänzend entstehen neue Wege mit sickerfähigen Belägen sowie zusätzliche Sitzmöglichkeiten.
So soll am Neckar ein überschaubarer, aber attraktiver Aufenthaltsort entstehen, der sowohl Spaziergängerinnen und Spaziergänger als auch Radfahrende und Erholungssuchende anspricht.
Für die Umsetzung des Projekts sind Baukosten in Höhe von rund 350.000 Euro vorgesehen. Finanzielle Unterstützung kommt dabei vom Verband Region Stuttgart: Im Rahmen des Programms „Landschaftspark Region Stuttgart“ wird das „Kleine Wasenufer“ mit 140.000 Euro gefördert.
Das Vorhaben ist damit nicht nur ein weiterer Schritt bei der Umsetzung des Stuttgarter Masterplans, sondern auch ein Beispiel für die regionale Zusammenarbeit bei der Aufwertung von Freiräumen und Landschaftsräumen.
Während der Bauphase müssen sich Fußgänger und Radfahrende auf kleinere Umwege einstellen. Für die Dauer der Arbeiten wird eine rund 200 Meter lange Umleitung über das Wasengelände eingerichtet.
Der Dammweg bleibt dabei grundsätzlich durchgehend passierbar. Lediglich auf einem kurzen Abschnitt ist eine Umfahrung erforderlich. Eine vollständige Sperrung des Weges ist nach Angaben der Stadt nicht notwendig.
Dass das „Kleine Wasenufer“ gerade im Zusammenhang mit der Internationalen Bauausstellung entsteht, ist kein Zufall. Die IBA’27 StadtRegion Stuttgart hat sich zum Ziel gesetzt, anhand ausgewählter Projekte zu zeigen, wie das Zusammenleben, Wohnen und Arbeiten in der Region Stuttgart zukunftsfähig gestaltet werden können.
Gesteuert wird die Bauausstellung von der IBA’27 StadtRegion Stuttgart GmbH. Zu ihren Gesellschafterinnen gehören die Landeshauptstadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, die Architektenkammer Baden-Württemberg und die Universität Stuttgart.
Das „Kleine Wasenufer“ als jüngster Beitrag der Landeshauptstadt zur IBA fügt sich dabei in die übergeordnete Idee ein, öffentliche Räume neu zu denken und die Lebensqualität in der Stadtregion zu verbessern.
Das „Kleine Wasenufer“ wird den Neckar nicht von heute auf morgen in eine urbane Erlebnislandschaft verwandeln. Dafür ist das Projekt zu klein und die Gesamtaufgabe zu umfangreich. Doch es zeigt, dass die seit Jahren formulierte Vision zumindest an einzelnen Stellen Gestalt annehmen kann.
Ob der neue Aufenthaltsort am Berger Steg tatsächlich zum Vorbild für weitere Projekte wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Stuttgart hat noch einen langen Weg vor sich, wenn der Neckar wirklich wieder ein selbstverständlicher Teil des städtischen Lebens werden soll.
Geboren 1980 in Kirchheim unter Teck, heute Stuttgart-Fan aus tiefstem Herzen: Patrick Mikolaj hat aus einer originellen Idee ein echtes Stadtphänomen gemacht. Was der Blogger im Sommer 2012 mit dem Unnützen Stuttgartwissen begonnen hat, entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Stuttgart-Projekte in den sozialen Medien. Dieser Erfolg zog weite Kreise: Seine Bücher im Lokalteil Verlag wurden zu regionalen Bestsellern. Zusammen mit Uwe Bogen und Manuel Kloker hat er zuletzt das Buch „Stuttgart – Kleine Geheimnisse einer großen Stadt“ herausgebracht. Mikolaj beschränkt sich nicht auf das geschriebene Wort, so verantwortet er mehrere erfolgreiche Stadtführungen.
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