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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosArt Charity Salon in Stuttgart
Was, wenn ein Schicksalsschlag zum Neuanfang zwingt und Erfolg plötzlich etwas anderes bedeutet? Beim Art Charity Salon von Claudia Prskalo in der preisgekrönten Bar Brother Louis geht es um Mut zur Veränderung – und darum, anderen zu helfen (diesmal dem Kinderhospiz). Ein Abend zum Innehalten und Mutmachen.
Die Speaker, die sich mit Gastgeberin Claudia Prskalo unterhalten, sitzen lässig auf der Theke. Warmes Licht schmeichelt den Gesichtern, hinter ihnen schimmern die Flaschen in den Regalen. Die Atmosphäre ist entspannt, fast intim. Thekengespräche haben schließlich ihren ganz eigenen Zauber. Hier fallen Förmlichkeiten in sich zusammen, werden Gedanken zu Geständnissen und Geschichten zu Momenten, die berühren. So auch beim Art Charity Salon in der preisgekrönten Bar Brother Louis am Marienplatz. Unter dem Motto „Mut zur Erfüllung“ geht es um Schicksalsschläge, Neuanfänge und die Frage, was ein Leben wirklich erfüllt. Denn Mut hat viele Gesichter.
Vier Persönlichkeiten, vier Lebenswege, vier Perspektiven: Neben Unternehmerin Verena Mayer und dem Chirurgen und Künstler Georg Barinov nehmen auch Foodfotografin Andrea Riedinger und Parkour-Athlet Benni Grams, bekannt aus der TV-Show „Ninja Warrior“, auf der Theke Platz. Gemeinsam mit Claudia Prskalo sprechen sie über Lebensentscheidungen, Veränderungen und persönliche Wendepunkte. Die Gastgeberin, die zum Benefiz-Kollektiv TogetherUp gehört, führt einfühlsam durch den Abend.
„Charity ist für mich kein Projekt, sondern eine Haltung“, sagt sie. „Ich glaube daran, dass wir Verantwortung füreinander tragen und dass echte Veränderung dort beginnt, wo Menschen einander wirklich begegnen.“
Mit ihrem Art Charity Salon verbindet sie Kunst, gesellschaftliche Themen und soziales Engagement. Dabei schafft sie eine Atmosphäre, in der ihre Gäste offen über Erfolge, Zweifel und Verletzlichkeit sprechen – und ihr Publikum etwas mit nach Hause nehmen kann.
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Verena Mayer, Mitgründerin der 2010 gestarteten Agentur Helden und Gestalten, war lange eine Powerfrau, die immer Vollgas gibt. Dabei war sie als Kind so schüchtern, dass sie zu einem Kinderpsychologen geht, erzählt sie auf ihrem Thekenplatz. Dessen Worte „Nur Mut, alles wird gut“ begleiten sie bis heute.
Sie macht Karriere, behauptet sich in einer männerdominierten Geschäftswelt und verlangt sich selbst viel ab. Bis ein Unfall vor rund zweieinhalb Jahren ihr Leben schlagartig verändert. Als sie bei Grün eine Straße überquert, wird sie von einem Fahrradfahrer angefahren und erleidet schwere Kopfverletzungen. Sie ist auf Hilfe angewiesen, muss vieles neu lernen und ist ein Jahr lang, wie sie sagt, nicht wirklich bei sich.
Doch aus der Krise erwächst eine neue Sicht auf das Leben. „Die Verlangsamung hat mir gutgetan“, sagt sie. Früher ist sie immer einen Schritt zu schnell unterwegs. Heute lebt sie achtsamer, ruhiger und bewusster.
Wenn andere ihr sagen, sie werde bestimmt bald wieder die alte Verena, widerspricht sie. Sie will gar nicht mehr die Alte sein. Sie möchte die neue Verena leben. Eine Frau, die nicht mehr ständig funktionieren und alles kontrollieren muss.
Ihre Geschichte zeigt: Manchmal besteht der größte Mut nicht darin, weiterzukämpfen, sondern darin, loszulassen und einen Gang runterzuschalten.
Georg Barinov ist Chirurg, Künstler und Vater von drei Kindern. Geboren in St. Petersburg, kam er als kleiner Junge mit seiner Mutter nach Stuttgart. Sie arbeitet als Bühnenbildnerin am Staatstheater, Kunst gehört deshalb von Anfang an zu seinem Leben.
„Die Kunst kam eher zu mir, als dass ich zur Kunst kam“, erzählt er. Trotzdem entscheidet er sich nach einem hervorragenden Abitur für ein Medizinstudium. Claudia Prskalo spricht dabei den besonderen Leistungsdruck an, den viele Menschen mit Migrationsgeschichte verspüren: immer besser sein zu müssen als die anderen.
Viele Jahre arbeitete Georg Barinov in der Unfallchirurgie des Marienhospitals, heute ist er in einer chirurgischen Praxis tätig. Seine Erfahrungen als Arzt verändern seinen Blick auf die Welt. Eitelkeit kann er wenig abgewinnen. Angesichts wirklicher Schicksalsschläge erscheint ihm manches, worüber sich Menschen im Alltag aufregen, geradezu absurd.
In seiner Kunst gibt er ausrangierten Dingen neues Leben. Aus alten Tellern einer Haushaltsauflösung entsteht ein Mosaik mit dem Schriftzug „Hollywood“, aus gebrauchten Ballettschuhen ein Kunstwerk. In seinen Collagen treffen sowjetische Propaganda und amerikanische Pop-Art aufeinander, Erinnerungen an seine russische Kindheit auf westliche Konsumkultur.
Seine Werke erzählen von Identität, Vergänglichkeit und dem Wert vermeintlich wertloser Dinge. Und davon, dass manchmal gerade aus etwas Altem etwas völlig Neues entstehen kann.
Zum Art Charity Salon gehören nicht nur bewegende Gespräche, sondern auch Kunst und Kulinarik: Ein Vier-Gänge-Menü vom Ratskeller Esslingen mit Cocktailbegleitung sorgt für genussvolle Momente.
Doch hinter dem stilvollen Abend steht ein ernstes Anliegen. Der Erlös kommt dem Kinder- und Jugendhospiz Stuttgart zugute. Damit erhält das Thema Mut eine weitere, besonders berührende Dimension. Denn Mut brauchen auch Familien, die mit schweren Erkrankungen, Abschied und Verlust leben und dabei auf Unterstützung angewiesen sind.
Claudia Prskalo zeigt mit ihrem Art Charity Salon, wie sich Genuss, Tiefgang und gesellschaftliche Verantwortung verbinden lassen.
Und am Ende bleibt eine Erkenntnis: Mut bedeutet nicht immer, stärker, schneller oder erfolgreicher zu werden. Manchmal bedeutet er, innezuhalten, loszulassen und neue Wege zu wagen. Und vielleicht liegt genau darin der Schlüssel zu einem erfüllten Leben. Große Erkenntnisse brauchen eben keine große Bühne. Manchmal reicht eine Theke.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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