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Gerade erst hat das Weindorf begonnen, da treibt Stuttgarts Partyszene das Volksfest schon um: Nach seinem Einstieg im Perkins Park baut Denis Gugac sein Club-Imperium weiter aus – und wird im Zelt Beim Benz zum Diskowirt. Die Clubkultur beim Bierfest wächst damit weiter.
Auf dem roten Bierkrug steht „Wish you were beer“. Die Mitarbeitenden tragen Hemden und Westen, auf denen eine markante, spitze und sehr spezielle Aufschrift prangt: „Disko Wirt“. Der Name ist Programm – und steht zugleich für eine Entwicklung, die das Cannstatter Volksfest seit Jahren prägt. Zwischen Tradition, Maßkrug und Dirndl hat sich eine neue Art des Feierns etabliert. Nun bekommt die Clubszene auf dem Wasen Zuwachs.
Was auf dem Münchner Oktoberfest eher die Ausnahme ist, gehört in Cannstatt inzwischen zum festen Bestandteil des Volksfests: In mehreren Festzelten gibt es exklusive Clubbereiche, in denen man länger feiern darf als im restlichen Zelt.
Nach Sonja Merz, Nina Renoldi, Michael Wilhelmer und dem Dinkelacker-Zelt, das inzwischen von der Familie Weller betrieben wird, zieht nun auch Marcel Benz nach. In seinem Hofbräu-Zelt entsteht eine neue Clubbox mit dem Namen Diskowirt. Dahinter steckt der Stuttgarter Gastronom Denis Gugac, der bereits die Schatzi-Bar im Zelt von Sonja Merz betreibt und dies auch weiterhin tun wird. Beim.Volksfest hatte er einst mit der Spitzbuben-Bar in der Almhütte Royal von Nina Renoldi begonnen, war dann aber weitergezogen.
Comodo- und Zubrovka-Chef Gugac baut damit sein Gastronomie-Imperium weiter aus. „Wir betreiben mittlerweile vier Lokale, die weiterhin alle von Denis gehalten und gesteuert werden.“, erklärt seine Sprecherin seines Unternehmens. Gleichzeitig hätten sich die einzelnen Betriebe so entwickelt, „dass jedes Lokal eine eigene Leitung und ein festes Team hat“.
Paukenschlag im Nachtleben: Perkins Park soll zur House-Hochburg werden
Auch für den Diskowirt sei ein eigenes Team vorgesehen. „Uns ist wichtig, dass jedes unserer Konzepte seine eigene Identität und Ausrichtung hat – und genauso wird es auch beim Diskowirt sein“, sagt die Sprecherin. Die Schatzi-Bar bleibe selbstverständlich bestehen. Auch Zubrovka werde diese weiterhin „mit genauso viel Herzblut betreiben und begleiten“. Der Diskowirt sei vielmehr „ein zusätzliches, eigenständiges Konzept und keine Verlagerung von bestehenden Projekten“.
Das besondere Modell der Wasen-Clubs hat einen praktischen Hintergrund. In den abgetrennten Bereichen dürfen die Gäste länger feiern als im übrigen Festzelt: An den Wochenenden kann bis 1 Uhr nachts geöffnet bleiben, unter der Woche bis Mitternacht.
Möglich macht das eine Sonderregelung der Stadt. Die Wirte können für einen räumlich abgetrennten Bereich mit eigenen Eingängen und sanitären Anlagen eine entsprechende Verlängerung beantragen – bei der städtischen Gaststättenbehörde beantragt werden. Die zusätzlichen Kosten, etwa für Security-Personal, tragen die Betreiber selbst.
Die Agentur Hochburg hat den Auftritt und die Markenwelt des neuen Clubs im Hofbräu-Zelt entwickelt. Der Diskowirt ist dabei „keine eigenständige Insel“, sondern die „konsequente Weiterentwicklung der bestehenden Benz-Markenarchitektur“, sagen die Verantwortlichen. Der Diskowirt will freilich jünger, plakativer und deutlich lauter werden
Auch visuell bleibt die Verbindung erhalten. Creme, gedecktes Grün und dunkle Flächen werden durch einen kräftigen Korallton ergänzt. .Für das Interior Design und die räumliche Gestaltung zeichnet der Architekt Cyrus Ghanai verantwortlich. Grafik und Raum „übersetzen die Marken-DNA in eine Clubatmosphäre“, heißt es in dem Konzept.
Die Expansion von Denis Gugac, der mit Hi-Life-Chef Tim Berkemer auch daa Zubrovka-Festival im Schlossgarten verantwortet hat, beschränkt sich derweil nicht auf den Wasen. Auch im Perkins Park steht ein neues House-Club-Konzept in den Startlöchern. Die Eröffnung ist für den 12. September geplant. Für den Auftakt ist ein DJ aus Frankreich angekündigt, außerdem soll der Stuttgarter Lokalmatador Anrey auflegen., der In der Nacht zum Sonntag im Zubrovka sein zehntes Jahr als DJ feiert.
Für den neuen House-Club, der auf das gesamte Land Baden-Württemberg ausstrahlen soll. wurde der große Dancefloor der Killesberg-Location umgebaut. Die lange Theke, die weit in den Raum hineinragte, wurde entfernt. Dadurch soll eine größere, offenere Tanzfläche entstehen – ideal auch für Firmenfeiern.
Am Ende ist es ein ähnliches Prinzip wie beim Volksfest: Räume werden neu gedacht, Konzepte werden auf die neue Zeit ausgerichtet – Stillstand ist auch für die Tradition nicht gut.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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