Uwe-Bogen-Kolumne
Erst Downhill-Rausch, jetzt Champions League und obendrein Deutschlands digitalste Stadt: Stuttgart entdeckt gerade seine Begeisterung wieder. Und das kommt zur richtigen Zeit. Denn sportlicher Erfolg kann einer Stadt etwas geben, was Politik kaum schafft: Zuversicht.
Ja, was ist mit Stuttgart gerade los? Es läuft!
Am Wochenende wurde der Kessel beim Downhill-Race zum Hexenkessel. Zehntausende säumten beim Cerro Abajo die Straßen und Hänge, jubelten und feierten. Wer dabei war, hat es gespürt: In dieser Stadt lebt das besten Sportpublikum der Welt.
Denn eines können wir in Stuttgart ganz besonders gut: Begeisterung rauslassen, wenn es einen richtig guten Grund dafür gibt.
Und schon am Mittwoch das nächste Ausrufezeichen: Der VfB spielt Champions League! Anpfiff heute um 18.45 Uhr in der Arena, die an diesem Abend nicht MHP-Arena heißen darf.
Viking Stavanger kommt nach Cannstatt. Danach warten große europäische Fußballabende. Madrid, Mailand, Istanbul – und mittendrin: Stuttgart.
Nach dem Mega-Erfolg: Kehrt Cerro Abajo 2027 nach Stuttgart zurück?
Wer hätte gedacht, dass unsere Stadt gerade so viel Auftrieb erfahren darf?
Denn eigentlich ist die Nachrichtenlage bescheiden. Stuttgart 21: Verspätungen, Mehrkosten, Pannen. Die Autoindustrie kämpft, Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Die Stadtkasse ist leer, es muss gespart werden.
Aber wer Stuttgart deshalb schon auf dem absteigenden Ast sieht, sollte sich eine andere Nachricht noch anschauen: Stuttgart ist Deutschlands digitalste Großstadt.
Im neuen Smart City Index 2026 des Digitalverbands Bitkom landet der Kessel bundesweit auf Platz eins. Ein schöner Gegenentwurf zum Stuttgart-Frust – und der Beweis, dass diese Stadt eben nicht nur Baustellen und Krisen kann.
Und vielleicht passt gerade einiges zusammen.
Downhill-Rausch, Digital-Hauptstadt, Champions League: Stuttgart erlebt plötzlich so etwas wie Aufbruchsstimmung.
Sport kann dieses Gefühl noch verstärken.
Wenn der VfB erfolgreich ist, gewinnt nicht nur eine Mannschaft. Eine ganze Stadt läuft ein bisschen aufrechter. Menschen reden darüber, was Stuttgart kann – und nicht nur darüber, was nicht funktioniert.
Das ist dann auch politisch interessant.
Eine Stadt in guter Stimmung lässt sich anders führen als eine Stadt im Dauerfrust. Fußball baut keine Wohnungen, rettet keine Arbeitsplätze und füllt keine Stadtkasse. Aber Erfolg schafft etwas, das Politik kaum verordnen kann: Zuversicht und kollektives Selbstvertrauen.
Und Fußball schafft ein Wir. Im Stadion steht der Unternehmer neben dem Azubi, die Rentnerin neben dem Studenten. Menschen, die sich sonst nie begegnen würden, hoffen, leiden und jubeln gemeinsam.
Das Downhill-Race hat gerade gezeigt, welche Energie Stuttgart entwickeln kann, wenn alle mitgerissen werden.
Jetzt übernimmt der VfB.
Natürlich lösen ein paar erfolgreiche Tage keine Probleme. Aber eine Stadt braucht neben Krisen auch Geschichten vom Gelingen. Vielleicht machen sie sogar Mut, die schwierigen Dinge wieder etwas entschlossener anzupacken.
Am Mittwoch läuft in Bad Cannstatt die Champions-League-Hymne.
Stuttgart, genieß diesen Moment. Gerade läuft’s.
EchtStuttgart meint: Ist gerade so super, ein echter Stuttgarter zu sein!
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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