Uwe Bogen
Der etwas andere Männerchor
Erst Liederhalle, dann Weindorf: Die Kesselkehlchen werden zum Stuttgarter Hit
20. Juli 2026
Die Kesselkehlchen sind der etwas andere Männerchor: laut, nicht immer perfekt, aber mit ganz viel Spaß. Am Samstag feiern sie Premiere in der Liederhalle – und dürfen im August bei der Eröffnung des Weindorfs singen. Eine Erfolgsgeschichte, die gerade erst beginnt.
Als EchtStuttgart die Kesselkehlchen im April vorstellte, probten gerade einmal zehn bis 15 Männer in einer Kreativwerkstatt nahe dem Marienplatz. Die Idee klang damals herrlich verrückt: Ein Männerchor für alle, die gar nicht perfekt singen können. Das Motto: „Fangesang in Schön.“
Heute, drei Monate später, ist aus der verrückten Idee eine Erfolgsgeschichte geworden, die gerade erst beginnt.
35 Sänger gehören inzwischen zu den Kesselkehlchen – und es werden immer mehr. Alle tragen stolz ihre schwarzen Shirts mit dem markanten Kehlchen-Logo – und am 25. Juli wartet der bisher größte Moment ihrer jungen Chorgeschichte: der erste große Auftritt bei den Stuttgarter Chortagen in der Liederhalle. Und der ist bereits ausverkauft.
Die Aufregung ist groß. Aber die Vorfreude mindestens genauso.
„Aufgeregt und Vorfreude herrscht gleichermaßen“, sagt Chorleiter Holger Frank Heimsch.
Erste Mutprobe in der Calwer Passage
Ganz neu ist das Singen vor Publikum allerdings nicht mehr. Vor wenigen Tagen wagten sich die Kesselkehlchen erstmals in die Öffentlichkeit. In der Calwer Passage überraschten sie Passanten mit Songs wie „Mamma Mia“ und „An Tagen wie diesen“. Der erste Eindruck: Das ist mehr als Fangesang, die Jungs haben’s drauf!
Genau darum geht es diesem Chor: gemeinsam singen, gemeinsam Spaß haben und die Menschen mitreißen. Perfektion ist zweitrangig. Die Freude steht im Mittelpunkt.
Das Konzept scheint aufzugehen. Immer mehr Männer schließen sich dem Chor an. Männer, die sich vorher oft gar nicht kannten, stehen heute nebeneinander, singen aus voller Kehle und wachsen Woche für Woche zu einer Gemeinschaft zusammen. Und Bier ist ganz wunderbar, um die Stimmen zu ölen.
Ein Name, der sitzt
Ein kurzer Blick ins Lexikon: Kehlchen sind kleine, hübsche Singvögel mit auffälliger Brust – Rotkehlchen, Braunkehlchen (Vogel des Jahres 2023), Schwarzkehlchen. Und jetzt also auch: das Kesselkehlchen.
Ein Name, der sitzt. Der ist schon mal super und cool. Klingt nach Stuttgart, Kessel und Stimme – mit genau der richtigen Portion Selbstironie. Dieses neue Kehlchen hat vor allem eines: verdammt viel Energie.
Nach der Premiere geht es Schlag auf Schlag
Mit dem Auftritt in der Liederhalle ist die Geschichte längst nicht zu Ende – eigentlich beginnt sie dort erst richtig.
Schon am 31. Juli sind die Kesselkehlchen im Alten Schloss zu erleben. Und dann folgt ein weiterer Höhepunkt: Am 20. August dürfen sie sogar bei der Eröffnung des Stuttgarter Weindorfs im Hof des Alten Schlosses auftreten – eine Bühne, von der ein gerade erst gegründeter Chor normalerweise nur träumen kann.
Die Terminliste wird immer länger. Aus einem kleinen Projekt entwickelt sich Stück für Stück ein fester Bestandteil der Stuttgarter Chorszene.
Der Traum lebt weiter
Als EchtStuttgart im April über die Kesselkehlchen berichtete, sprach Heimsch davon, dass viele seiner Sänger noch großen Respekt vor der Bühne hätten. Damals lautete das erste Ziel: überhaupt einmal öffentlich auftreten.
Dieses Ziel ist jetzt erreicht.
Und der große Traum bleibt derselbe: Irgendwann einmal das Kesselfestival eröffnen – so wie ihre Hamburger Vorbilder, die Goldkehlchen, die inzwischen sogar in der Elbphilharmonie gesungen haben.
Noch sind die Kesselkehlchen am Anfang ihrer Geschichte. Aber eines ist schon jetzt klar: Stuttgart hat einen Chor gewonnen, der laut sein darf, schiefe Töne verzeiht und vor allem eines verbreitet – gute Laune.
Aus einer Instagram-Idee ist innerhalb weniger Monate eine Bewegung geworden. Oder, um es mit ihrem eigenen Motto zu sagen: Fangesang in Schön.
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