Uwe Bogen

Die Uwe-Bogen-Kolumne

Zwischen Fitnessboom und Rosenkrieg: Besuch im neuen Puls von Jörg Echtermann

27. Mai 2026

Immer auf der Suche nach dem Echten besucht unser Kolumnist das neue Puls und erkennt: Muskelerhalt kann im gewissen Alter Leistungssport sein. Während Fitness boomt und Puls-Chef Jörg Echtermann expandiert, wird der öffentliche Rosenkrieg für ihn zum ungewollten Zusatztraining für die Nerven.

Die Sauna-Terrasse mit Sichtschutz im neuen Puls im Stuttgarter Engineering Park (Step). Unternehmer Jörg Echtermann (kleines Foto) hat dort sein fünftes Studio eröffnet. Fotos: Uwe Bogen, privat

Wenn man drei Stockwerke im Außentreppenhaus eines neu eröffneten Fitnessstudios hochläuft, nur um oben festzustellen, dass es innen einen Aufzug gibt, dann ist das entweder ein Zeichen von Charakterbildung – oder ein leiser Hinweis, dass meine persönliche Kategorie „Cardio“ inzwischen eher unbeabsichtigt im Alltag stattfindet. Wer zum Trainieren geht, meckert aber nicht über Treppen und übers Schwitzen.

So beginnt mein Besuch im neuen Studio von Jörg Echtermann, seinem fünften Puls im Stuttgarter Engineering Park (Step). Privat ist er nach dem Rosenkrieg mit seiner Ex-Frau in Turbulenzen geraten, beruflich läuft es dafür umso besser. Der 56-Jährige hat das frühere Step Sports übernommen und völlig neu eingerichtet. Nach abenteuerlichen Vorkommnissen der Vorbetreiber mit Insolvenz & Co standen die Räume etwa drei Jahre lang leer. Und jetzt darf der Schweiß hier wieder fließen.

Ein stiller Test für Selbstmotivation

Drinnen in der neuen Rooftop-Fitnesswelt ist es hell, modern, aber noch schwach besucht  – was für ein neues Studio entweder gutes Timing oder ein stiller Test für Selbstmotivation ist.

Draußen drückt die Sonne brutal auf die Stadt, das ganze Studio ist lichtdurchflutet, fast schon mediterran. Aber die Klimaanlage arbeitet so souverän, dass man die Hitze nur sieht, nicht spürt.

Unser Kolumnist mit dem EchtStgt-Shirt. Foto: privat

Bin immer auf der Suche nach dem Echten unterwegs und trage mein Trainingsshirt mit dem Aufdruck „EchtStgt“,  dem Logo unseres Online-Magazins. Echt ist das, wenn man trainiert – oder zumindest so tut, als würde man gleich richtig einsteigen. Passt irgendwie hierher.

Die Fläche von 3000 Quadratmetern ist rasch erklärt: Digital trifft Design. Alles da, alles neu,  alles schön, bereit für einen perfekten Trainingsplan  – nur die Leute fehlen gerade noch im „Working Set“.

Später stehe ich sogar ganz allein im großzügigen Wellnessbereich mit Außenterrasse, die über einen Sichtschutz verfügt. Die Sauna ist heiß, die Regendusche hat was von einem Massagegerät. Alles wirkt wie ein Versprechen auf Regeneration  – davor aber sollte man sich ein wenig gequält haben.

Muskelerhalt kann auch schon hartes Training sein

Gut, bei mir geht es nicht ums Mucki-Aufplustern. Muskelerhalt ist in meinem Alter schließlich auch schon Leistungssport. Bei uns geht es weniger um PRs und mehr darum, morgens aufzustehen, ohne dass es knackt. Wobei PR bei  Puls-Mitgliedern natürlich nichts mit Public Relations zu tun hat – sondern mit „Personal Record“, also persönlicher Bestleistung. Davon bin ich inzwischen ungefähr so weit entfernt wie vom Sixpack.

Bin eher im Team Gelenke statt Ego-Lifts und Leg Day. Während andere am Kabelzug ihren Lat spüren wollen oder am Glute-Setup die perfekte Spannung suchen, versuche ich vor allem, mich selbst nicht zu überschätzen.

Das neue Puls-Studo im Campus Step verfügt über zwei Dachterrasse, eine davon im Wellnessbereich mit Sichtschutz. Foto: Puls

Fitness boomt in Deutschland, weshalb Jörg Echtermann weiter an die Zukunft glaubt und mit seiner Puls-Kette expandiert. Rund 17 Prozent der Deutschen trainieren inzwischen. Der Branchenumsatz kratzt an der Sechs-Milliiarden-Euro-Marke. 

Im Step-Puls (bisher war ich im älteren Puls in Vaihingen) wird rasch klar: Dieses Studio ist neu, viel investiert, alles auf Zukunft getrimmt. Jörg Echtermann hat hier offensichtlich nicht nur Geräte aufgestellt, sondern ein Konzept. Man sagt, er habe es auch für seinen kleinen Sohn aufgebaut – als eine Art sportliches Erbe in Proteinshaker-Form. Gleichzeitig hängt über allem eine Geschichte, die eher in die Kategorie „ungewolltes Zusatztraining für die Nerven“ fällt.

Der Rosenkrieg zeigt, wie schnell aus Liebe Hass werden kann

Im öffentlich ausgetragenen Rosenkrieg mit der Ex, die auch die Ex-Miss Germany ist, ist der erste Scheidungstermin wohl geplatzt, ein neuer steht offenbar im Juli an. Es geht dabei auch um Zugewinn – also um die Frage, wer während der Ehe was verdient hat.

Berichten zufolge soll nun auch Echtermanns Ex-Frau ihre Einnahmen als Influencerin offenlegen, damit die Richter urteilen können. Möglicherweise verdient sie sogar mehr als er. Ehrlich gesagt lässt mich das alles sportlich kalt – menschlich finde ich es sehr  traurig. Es zeigt nur, wie schnell aus Beziehung Belastung werden kann – und aus Liebe Hass.

Noch sind die Geräte des Mitte Mai eröffneten Puls im Step etwas verwaist. Foto: Uwe Bogen

Beim Trainieren kommt man zum Glück auf andere Gedanken, macht sich im besten Fall  den Kopf leer oder hört seine Playlists über Ohrenstöpsel. Wenn da nicht immer wieder eine neue WhatsApp aufploppen würde. 

Draußen ist manches schwerer zu bewegen als jede Beinpresse

Ich stehe zwischen Gerätefläche und Wellnesszone und denke mir: Hier geht es um Reps, Sätze, Pump und Fortschritt – während draußen manches viel schwerer zu bewegen ist als jede Beinpresse. Für mich wirkt dieses Studio wie ein sehr zeitgemäßes Versprechen: Stärke, Ruhe, Optimierung – alles gleichzeitig.

Nach dem Besuch der so angenehmen Regendusche ziehe ich mich wieder an und gehe die  drei Stockwerke runter. Diesmal finde ich den Aufzug. Natürlich.

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