Uwe Bogen
Leonhardsplatz soll autofrei werden
Keine Currywurst mehr mit dem Auto? Pläne der Stadt treffen auch den Brunnenwirt
3. August 2026
Für Autofahrer wird es eng in Stuttgart: Nun soll auch der Leonhardsplatz autofrei werden. Eine Ladenbesitzerin sagt, dann müsse sie aufhören .Anwohner kündigen eine Klage an. Kann man bald nicht mehr beim Brunnenwirt auf eine schnelle Currywurst vorbeifahren?
Was bereits bei der Dorotheenstraße vor der Markthalle für heftige Kontroversen gesorgt hat, wiederholt sich nun am Leonhardsplatz. Auch hier sind Autofahrer bald nicht mehr willkommen. Sämtliche Parkplätze fallen weg. Während die Verwaltung auf Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität setzt, befürchten Händler erhebliche Nachteile. Eine Ladenbesitzerin sagt gegenüber EchtStuttgart: Sollte die Umgestaltung kommen, werde sie ihr Geschäft schließen.
Stadt: Bürger wurden bereits 2020 beteiligt
Wir haben bei der Pressestelle der Stadt Stuttgart nachgefragt, ob es vor dem Beschluss eine Bürgeranhörung gab und ob die betroffenen Gewerbetreibenden einbezogen wurden.
Die Stadt verweist auf einen bereits 2023 gefassten Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, den Leonhardsplatz künftig autofrei als Fußgängerzone zu gestalten. Eine Bürgeranhörung habe bereits am 27. Januar 2020 stattgefunden. Damals seien auch Gespräche mit den Gewerbetreibenden geführt worden. Eine weitere Bürgerbeteiligung soll erst nach Abschluss des europaweiten Vergabeverfahrens zur konkreten Gestaltung erfolgen.
Auch auf die Ankündigung einzelner Anwohner, gegen die Pläne klagen zu wollen, verweist die Stadt lediglich auf den bereits bestehenden Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2023.
Offen ist weiterhin die Zukunft des Züblin-Parkhauses. Nach Angaben der Stadt laufen derzeit die Vorbereitungen für die Vergabe. Parkplätze sollen im neuen Breuninger Park entstehen und wegfallende Stellplätze im Umfeld ersetzen.
Eine Ausweitung der Fußgängerzone auf die Esslinger Straße bis zum Café Nast ist laut Stadt derzeit nicht vorgesehen. Allerdings liegt ein Antrag der Fraktionen SPD und Volt vor, der eine entsprechende Umwandlung prüfen lässt. Ein Ergebnis gibt es bisher nicht.
Händler schlagen Alarm
Vor Ort stößt das Vorhaben auf große Skepsis. Eine Betreiberin eines Geschäfts für Designermode und Accessoires sagte gegenüber EchtStuttgart:
„Wenn die Umgestaltung kommt und keine Autos mehr zu uns fahren können, bin ich raus – dann schließe ich mein Geschäft.“
Sie erklärt, ein großer Teil ihrer Kundschaft bestehe aus älteren Menschen, die mit dem Auto direkt vorfahren könnten. Der Weg vom geplanten Breuninger-Parkhaus sei vielen zu weit.
Auch ein Anwohner kündigte gegenüber EchtStuttgart an, gegen die Pläne klagen zu wollen.
Betroffen ist auch der traditionsreiche Brunnenwirt, der seit Jahrzehnten für seine Currywurst bekannt ist. Viele Kunden halten dort bisher kurz mit dem Auto an, um Essen mitzunehmen. Nach Angaben aus dem Umfeld würden dort regelmäßig auch Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr ihre Fahrzeuge kurz abstellen, wenn sie Hunger haben. Fällt diese Möglichkeit weg, befürchten Anlieger spürbare Umsatzeinbußen.
Stadt setzt auf Klimaanpassung
Aus Sicht der Stadt überwiegen die Vorteile der Umgestaltung. Der bisher von Straßen zerschnittene Bereich rund um die Leonhardskirche, das Gustav-Siegle-Haus und das künftige Stuttgart Moving Image Center (SMIC) soll zu einem zusammenhängenden Quartiersplatz entwickelt werden.
Geplant sind entsiegelte Flächen nach dem Schwammstadt-Prinzip, zusätzliche Bäume, mehr Grün und eine deutlich höhere Aufenthaltsqualität. Der erste Bauabschnitt soll bis zur Eröffnung des SMIC im Jahr 2029 fertiggestellt werden, teilt die städtische Pressestelle mit, der zweite Abschnitt soll schrittweise in den folgenden Jahren umgesetzt werden.
Wiederholt sich der Streit um die Markthalle?
Der Konflikt erinnert an die jüngsten Debatten um die Umgestaltung der Dorotheenstraße vor der Markthalle. Dort werden nahezu alle 37 oberirdischen Parkplätze wegfallen. Gleichzeitig entstehen mehr Grünflächen, neue Aufenthaltsbereiche und eine verkehrsberuhigte Straße. Auch der Ausbau der Radinfrastruktur in der Theodor-Heuss-Straße wurde vom Gemeinderat beschlossen.
Auch Oberbürgermeister Frank Nopper hatte sich wegen der angespannten Haushaltslage gegen diese Investitionen ausgesprochen. Er argumentierte, dass angesichts fehlender Mittel für Schulen und Kindertagesstätten andere Prioritäten gesetzt werden müssten.
Mit dem Leonhardsplatz setzt der Gemeinderat seinen Kurs einer zunehmend autofreien Innenstadt konsequent fort. Während Befürworter auf Klimaschutz und mehr Aufenthaltsqualität setzen, wächst bei vielen Geschäftsleuten die Sorge, dass immer weniger Kunden mit dem Auto in die Innenstadt kommen – und stattdessen ganz wegbleiben.
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