Gast beim Musical "& Julia"
Dass Stuttgart in den 1990ern zur Musicalstadt geworden ist, liegt auch an ihm: Im nächsten Jahr kehrt Uwe Kröger zurück. In „& JULIA“ erlebt der Wahl-Spanier einen turbulenten zweiten Frühling. EchtStuttgart sprach mit ihm über die Wirkung von Pophits und seine Erinnerungen an "Miss Saigon".
Es ist mehr als ein gewöhnliches Gastspiel. Wenn Uwe Kröger am 23. April 2027 im Stage Palladium Theater zum ersten Mal seit Jahrzehnten die Bühne auf den Fildern betritt, diesmal bei „&Julia“, kehrt einer der Künstler nach Stuttgart zurück, die wie kaum andere mit den Anfängen der Musicalstadt verbunden sind.
Mehr als drei Jahrzehnte zuvor gehörte Kröger zur Besetzung von „Miss Saigon“, mit der im Dezember 1994 eine neue Ära auf den Fildern begann. Als GI Chris wurde er zum Publikumsliebling. Später stand er hier auch als Biest in Disneys „Die Schöne und das Biest“ auf der Bühne.
Nun kommt er zurück – allerdings nur für wenige ausgewählte Vorstellungen und in einer Rolle, die eine ganz andere Seite des inzwischen 61-Jährigen zeigt.
EchtStuttgart erreicht Uwe Kröger in seiner Wahlheimat Spanien. Dort lebt der Musicaldarsteller seit Jahren. Es geht ihm sehr gut – mit Ehemann und Hund, seinem „Scrooge“, berichtet er. Auf die Rolle bei „& Julia“ hat er richtig Bock.
„Das Musical erzählt ja die Entstehungsgeschichte von ‚Romeo & Julia‘“, sagt er am Telefon, „es geht um Liebe in allen Farben und dort, wo das Wort nicht weiterkommt, übernimmt ein berühmter Popsong.“
Genau das sei das Prinzip des Musicals: Die bekannte Geschichte von Romeo und Julia wird neu gedacht – begleitet von großen Popsongs aus der Feder von Max Martin.
Krögers Figur Lance ist ein wohlhabender französischer Witwer und Vater dreier Söhne. Und dann passiert etwas, womit er vermutlich selbst nicht gerechnet hat: Er verliebt sich in Angélique, Julias Amme.
„Beide erleben einen leidenschaftlichen zweiten Frühling und singen ‚Teenage Dream‘ von Katy Perry“, erzählt Kröger.
Sein eigenes Urteil über diese Liebesgeschichte fällt knapp aus: „Sehr lustig und erwärmt das Herz.“
Seit 410 Jahren ist Shakespeare tot – würde er bei „& JULIA“ in Stuttgart mittanzen?
Dass die Rolle auch musikalisch und komödiantisch einiges für ihn bereithält, macht die Rückkehr zusätzlich spannend. Neben „Teenage Dream“ gehört unter anderem der Backstreet-Boys-Hit „Everybody“ zu den Songs, die Kröger in Stuttgart präsentieren wird.
„Stuttgart hat für mich einen ganz besonderen Platz im Herzen. Dass ich nun nach vielen Jahren zurückkehre, macht mich sehr glücklich“, sagt Kröger. Besonders freue er sich darauf, als Lance sein komödiantisches Potenzial zu zeigen. „& JULIA verbindet Witz, Herz und fantastische Popmusik auf einzigartige Weise – das sollte man sich nicht entgehen lassen.“
Stuttgart und Uwe Kröger – da war doch was …
Und wie.
Wer sich an die frühen Jahre des Stuttgarter Musicalbooms erinnert, kommt an Uwe Kröger kaum vorbei. Als am 2. Dezember 1994 „Miss Saigon“ Premiere feierte, war das nicht nur für Stuttgart ein Ereignis. Auch für Krögers Karriere wurde die Produktion zu einem wichtigen Kapitel.
Kurz zuvor hatte er in Wien als Tod in „Elisabeth“ große Erfolge gefeiert. Für Stuttgart wurden die langen Haare abgeschnitten, aus der mystischen Figur des Todes wurde der amerikanische GI Chris.
An seine Stuttgarter Zeit erinnert sich Kröger bis heute lebhaft. Noch heute schwärmt er von der damaligen Premiere: „Es war eine Wahnsinnszeit bei Miss Saigon – bin stolz, dass ich dabei war!“
Eine der schönsten Anekdoten stammt gleich vom Beginn der Proben. Nach seiner letzten „Elisabeth“-Vorstellung in Wien verschlief Kröger wegen der Zeitumstellung beinahe seinen Flug. Zum ersten Probentag in Stuttgart kam der Hauptdarsteller deshalb rund drei Stunden zu spät.
Und dann war da noch sein 30. Geburtstag: Nur zwei Tage nach der „Miss Saigon“-Premiere feierte Kröger mit Freunden im Irish Pub des damaligen SI-Centrums.
Drei Jahrzehnte später wirkt diese Zeit fast wie ein Stück Stuttgarter Kulturgeschichte.
Kröger hat den Aufstieg Stuttgarts als Musicalstandort aus nächster Nähe erlebt. Rückblickend sagte er über „Miss Saigon“, es sei ein großes Geschenk gewesen, bei einer deutschsprachigen Erstaufführung und gleichzeitig bei der Eröffnung eines neuen Musicaltheaters dabei sein zu dürfen.
Sehr gern erinnert er sich auch daran, wie ungewöhnlich das alles damals war: Er sei stolz gewesen, dabei gewesen zu sein, „als Rolf Deyhle ein Theater auf einem früheren Sauerkrautfeld gebaut hat“.
Aus dem vermeintlichen Sauerkrautfeld wurde das SI-Centrum, aus Stuttgart eine der wichtigsten Musicalstädte Deutschlands – und Uwe Kröger einer der bekanntesten deutschsprachigen Musicaldarsteller.
Sein Engagement als GI Chris führte ihn weiter zu Rollen wie Joe Gillis in „Sunset Boulevard“. Hinzu kamen im Laufe seiner Karriere zahlreiche große Produktionen und Bühnenfiguren.
Dass er ausgerechnet nach Stuttgart nun mit einer komödiantischen Rolle zurückkehrt, hat deshalb einen besonderen Charme.
Wer sich gefragt hat, ob die Stuttgart-Rückkehr vielleicht auch eine Rückkehr nach Deutschland bedeutet, bekommt von Kröger eine klare Antwort.
„Und ja, ich lebe noch in Spanien“, schreibt er uns – und verabschiedet sich standesgemäß mit: „Un Saludo 👋🏻“
Kröger lebt mit seinem Mann in Puerto de Mazarrón an der spanischen Mittelmeerküste. Gemeinsam sind die beiden dort auch mit dem OCEANICA CLUB verbunden.
Für einige Tage im kommenden Frühjahr wird aus der spanischen Ruhe allerdings wieder Stuttgarter Musicaltrubel.
Wer Uwe Kröger als Lance erleben möchte, hat nur wenige Gelegenheiten. Geplant sind Auftritte bei „& JULIA“ im Stage Palladium Theater am:
Damit schließt sich für Uwe Kröger ein bemerkenswerter Kreis: 1994 gehörte er zu den Gesichtern, mit denen Stuttgart als Musicalstadt groß wurde. 2027 steht er wieder auf einer ihrer großen Bühnen.
Diesmal nicht als GI Chris, nicht als Biest und auch nicht als geheimnisvoller Tod.
Sondern als verliebter französischer Witwer, der mit Julias Amme seinen zweiten Frühling erlebt und dazu Katy Perrys „Teenage Dream“ singt.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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