Atelier am Bollwerk: Ein Abend, der berührt
Sein Lächeln steckt an: John Müller hat Krebs überlebt und ist 8000 Kilometer mit dem Rad bis zum Taj Mahal gefahren. Im Allgäu bei seinen Eltern wurde er wie ein Weltmeister empfangen. Am Mittwoch erzählt er in Stuttgart von Mut, Schmerz, Hoffnung und einer Reise, die weltweit die Menschen bewegt.
Er lächelt. Fast immer. Selbst dann, wenn die Geschichte dahinter traurig ist. John Müller hat eine Art, Menschen mit seinem Lächeln sofort für sich zu gewinnen. Es ist kein oberflächliches Lächeln, sondern eines, das sagt: Ich bin noch da. Ich mache weiter. Gebt auch ihr nicht auf! Und genau diese Botschaft möchte der 26-Jährige am Mittwochabend in Stuttgart mit seinem Publikum teilen.
Nach rund 8000 Kilometern, drei Monaten und unvorstellbaren Strapazen hat John Müller sein großes Ziel erreicht: den Taj Mahal in Indien. Er ist von Berlin aus mit dem Fahrrad bis nach Indien gefahren, hat unterwegs krebskranke Menschen besucht, Spenden gesammelt und Geschichten erlebt, die ihn selbst tief bewegt haben.
Nun ist er zurück in Deutschland – und am Mittwoch, 19. August, um 20 Uhr kommt er ins Atelier am Bollwerk, Hohe Straße 26, Stuttgart. Unter dem Motto „Mut kennt keine Grenzen“ erzählt er von seiner außergewöhnlichen Reise. Es gibt noch Eintrittskarten für zwölf Euro (ein Teil der Einnahmen wird an die CCF Children Cancer Foundation gespendet). Lernt einen Helden unserer Zeit an diesem Abend persönlich kennen!
Wie sehr ihn seine Reise inzwischen auch in seiner Heimat bekannt gemacht hat, erlebte John Müller am vergangenen Sonntag. Im Allgäu, dort, wo seine Eltern leben und er aufgewachsen ist, wurde der 26-Jährige am Bahnhof von Freunden begeistert empfangen – jubelnd wie ein Weltmeister nach einem großen Sieg. Und irgendwie passt dieser Vergleich.
John Müller Tour-Special
Denn John hat nicht nur eine sportliche Höchstleistung vollbracht. Er hat etwas geschafft, das lange Zeit kaum vorstellbar schien.
Beim Lichterfest seiner Allgäu-Heimat wurde er vor rund 3000 Menschen auf die Bühne geholt und durfte von seiner Reise erzählen. „Da habe ich schon mal für die Veranstaltung mit euch in Stuttgart geübt“, sagt er schmunzelnd.
Wer ihm zuhört, merkt schnell: Dieser junge Mann kann erzählen. Und er hat viel zu erzählen.
Besonders eindrücklich ist eine Begegnung, die John während seiner Reise in Bulgarien hatte.
Dort traf er einen 16-jährigen krebskranken Jungen. Der Jugendliche hat einen fast 30 Zentimeter großen Tumor am Bein, sein rechtes Knie ist auf Fußballgröße angeschwollen, sein Kopf ist von der Chemotherapie kahl. Viele Menschen, die ihn sehen, kämpfen mit den Tränen.
John setzte sich zu ihm ans Krankenbett, legte ihm den Arm um die Schulter – und lächelte.
Der Junge lächelte zurück.
Für Müller ist genau das der Kern seiner Geschichte. Er selbst erkrankte mit 22 Jahren an einem Ewing-Sarkom, einem seltenen und hochaggressiven Knochentumor. 14 Chemotherapie-Zyklen musste er im Klinikum Stuttgart über sich ergehen lassen. Die Zeit war hart. Die Prognosen waren alles andere als gut.
Doch der Allgäuer Bub weigerte sich, die Hoffnung aufzugeben.
„Wenn du lächelst, lächeln die anderen zurück. Genau das hat mir damals Kraft gegeben“, sagt er.
Heute gibt er diese Kraft weiter.
Die Fahrt von Berlin bis zum Taj Mahal war für Müller deshalb nie einfach nur eine Fahrradtour.
Es ging durch unterschiedlichste Landschaften und Länder, durch Hitze, Erschöpfung und Momente, in denen der Körper irgendwann nur noch funktionieren wollte. Drei Monate lang war das Fahrrad sein Zuhause. Gepäck und Zelt waren immer dabei. Und immer ging es weiter Richtung Indien.
Am Taj Mahal wartete schließlich eine besondere Überraschung: Mutter, Vater und Bruder von John waren angereist, um ihn dort zu empfangen. Auch ein ARD-Team war vor Ort. Ein erster Film über seine Reise wurde bereits in der Sendung „Brisant“ gezeigt.
Jetzt bringt John die Geschichte nach Stuttgart, wo er lange Zeit gelebt hat, viele Monate davon im Klinikum – und er bringt sogar sein Fahrrad mit.
Ausgerechnet beim Rückflug nach Deutschland ging die Achse kaputt. Doch das Rad soll am Mittwoch trotzdem im Atelier am Bollwerk stehen. Die Besucherinnen und Besucher können sich anschauen, mit welchem Fahrrad Müller die 8000 Kilometer zurückgelegt hat – inklusive Gepäck und Ausrüstung.
Der Weltenbummler wird Videos und Bilder von unterwegs zeigen und von den härtesten Momenten seiner Tour erzählen. Er berichtet von Begegnungen mit Menschen, von der unglaublichen Gastfreundschaft entlang der Strecke und von den Geschichten krebskranker Menschen, die er besucht hat.
Moderiert wird der Abend von Mustafa Göktas, musikalisch begleitet von Babs Steinbock. Auch Johns behandelnder Arzt sowie Mitglieder seines Teams aus dem Klinikum Stuttgart werden dabei sein. Nun kehrt er zurück – nicht als Patient, sondern als jemand, der anderen Mut machen möchte.
Seine Botschaft: Eine Krebsdiagnose muss nicht das Ende sein.
Der Eintritt kostet 12 Euro. Ein Teil der Einnahmen wird an die CCF Children Cancer Foundation gespendet, deren Botschafter John Müller ist.
Der Abend wird gemeinsam von der CCF Children Cancer Foundation und EchtStuttgart veranstaltet. Ein besonderer Dank gilt Simon Erasmus, der diesen Abend in kürzester Zeit möglich gemacht hat.
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt Müller derzeit nicht. Gerade erst ist er von seiner Reise zurück, schon gibt er ein Interview nach dem anderen, sucht Videos und Filme für den Stuttgarter Abend zusammen und bereitet sich auf seinen nächsten großen Schritt vor.
Denn am Samstag geht es bereits weiter: Müller fliegt nach Brasilien. Dort hat er ein Stipendium zum Studieren bekommen. Ein wenig Ruhe will er sich gönnen – aber auch an einem Buch über seine spektakuläre Reise schreiben.
Doch vorher gehört der Mittwochabend Stuttgart.
8000 Kilometer. Drei Monate. Eine Krebserkrankung überlebt. 14 Chemotherapien. Unzählige Begegnungen. Und ein Lächeln, das unter die Haut geht und Mut macht.
„Mut kennt keine Grenzen“ – am Mittwoch, 19. August 2026, um 20 Uhr im Atelier am Bollwerk, Hohe Straße 26.
Karten gibt es online über arthaus-kino.de oder an der Abendkasse.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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