Regen am Tag zwei

„Unter freiem Himmel“ – Wirte kritisieren die Plakate der neuen Weindorf-Kampagne


Uwe Bogen ·21. August 2026 ·3 Min. Lesezeit News

„Wine & Dine unter freiem Himmel“ steht auf den neuen Plakaten. Weindorf-Wirte sehen den Slogan kritisch: Bei Regen wie am Freitag könnten Besucher denken, sie würden nass – und deshalb fernbleiben. Dabei sind die Plätze in den Lauben überdacht. Wie sieht es in diesem Jahr bei den Preisen aus?

Das neue Werbeplakat für das Weindorf löst bei den Wirtinnen und Wirten nicht nur Begeisterung auf, Foto: privat

Der Erfolg des Stuttgarter Weindorfs hängt ganz wesentlich vom Wetter ab.  Am zweiten Tag der 50. Ausgabe regnet es  – und schon gerät die neue Werbekampagne erneut in die Diskussion. „Wine & Dine unter freiem Himmel“, steht auf den Plakaten quer durch die Stadt. Der englische Slogan für das Stuttgarter Weinfest, das voll auf Regionalität setzt, hat bereits die Traditionalisten verstimmt. Nun aber sorgt auch noch der Zusatz „Unter freiem Himmel“ für Ärger.  Denn wer das liest, könnte beschließen, bei schlechtem Wetter lieber gar nicht erst zum Weindorf zu gehen.

Für die Trauben freuen sich die Winzer über Regen 

Dabei sind fast alle Plätze auf dem Weindorf überdacht – in den Lauben lässt es sich auch bei Regen sehr gut sitzen und feiern. Genau darauf weisen die Wirte hin.  „Die neue Werbekampagne der neuen Agentur ist nicht sehr durchdacht“, ist zu hören. Was die Wirte besonders ärgert: Man habe ihnen die neue Kampagne gar nicht vorgelegt, um ihre Meinung äußern zu können, bevor die Plakate hängen. 

Stuttgarter Weindorf: Traumstart mit starken Kesselkehlchen und einer Zukunftsdebatte

Für die Weindorf-Wirte  bedeutet der Regen: Weniger Besucher, weniger volle Tische, weniger Umsatz. Die Winzer unter ihnen können dem Wetter allerdings auch etwas Positives abgewinnen. Denn ihre Reben brauchen dringend Wasser. Die Sommerhitze hat den Weinbergen zugesetzt, und die Weinlese beginnt schon bald. Da kommt der Regen gerade recht – auch wenn er während des Weindorfs wenig willkommen ist.

Wie gut das Fest angenommen wird, zeigte bereits der erste Abend. In den Lauben war es  brechend voll, die Plätze waren begehrt und die Stimmung entsprechend gut. Was einem Wirt auffiel: Viele Besucher seien relativ früh nach Hause gegangen – das habe man in den Vorjahren so nicht erlebt. Dass die Menschen sparen müssten, zeige sich daran: Sie trinken noch Wein, aber vielleicht ein Glas weniger als früher.

Dabei ist gerade am Donnerstag, Freitag und Samstag noch bis 24 Uhr Zeit zum Feiern. Sonntags bis mittwochs darf auf dem Weindorf bis 23 Uhr ausgeschenkt und gefeiert werden.

Die Preise sind im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil geblieben. Die Bandbreite ist allerdings erneut groß: Vom Viertele für 5,90 Euro bis zur Flasche für 3000 Euro ist alles dabei. In der Jägerlaube, die auf den Schillerplatz umgezogen ist und sich dort auf das Dreifache vergrößert hat, gibt es erneut einen Rostbraten vom Wagyu-Rind – für stolze 85 Euro.

Was der Geschäftsführer zu den Preisen sagt

Dass ein teures Gericht polarisiert, sei  klar, sagt Dominik Schwab, der Geschäftsführer des Weindorfs, aber die Nachfrage scheine da zu sein, sonst würden die Wirte es nicht wieder anbieten.  Sein Credo: „Auf dem Weindorf findet jeder genau das, was er sucht. Es gibt bei vielen Lauben weiterhin einen Mittagstisch für 10–13 Euro oder ein klassisches, bodenständiges Abendessen zu fairen Preisen. Und wer sich etwas Besonderes gönnen möchte, geht eben zu Ingo für das Wagyu oder zu Carsten fürs Tomahawk. Das Weindorf bietet die ganze Bandbreite für jeden Geldbeutel.“

Der Rostbraten für 85 Euro kehrt auf das Weindorf zurück – in einer viel größeren Laube

Für die kommenden Tage dürfen die Weindorf-Wirte wieder hoffen, was das Wetter angeht. Nach dem nassen Freitag soll es vor allem am Wochenende und zu Beginn der kommenden Woche freundlicher werden. Trockene Tage sind in Sicht! In einer Woche dagegen könnte es wieder regnen.

Vielleicht zeigt sich dann auch, dass „unter freiem Himmel“ auf den Plakaten nicht ganz so wörtlich genommen werden muss. Denn geschützt unter den Lauben kann man auf dem Weindorf auch dann Wein trinken und feiern, wenn draußen der Regen fällt.

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Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Für die Trauben freuen sich die Winzer über Regen 
  2. Was der Geschäftsführer zu den Preisen sagt

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