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Neues Vergabeverfahren für den Wasen

Cannstatter Volksfest: Verdacht auf Korruption ist noch nicht ausgeräumt


Uwe Bogen ·2. September 2026 ·4 Min. Lesezeit News

Am 25. September beginnt das Volksfest - doch der Korruptionsverdacht bei in.Stuttgart ist noch nicht ausgeräumt. Laut Stefanie Ruben, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, laufen die Ermittlungen gegen einen Ex-Mitarbeiter noch, gegen weitere Personen nicht. Dies sagte sie EchtStuttgart. Die Veranstalter haben als Konsequenz das Vergabeverfahren geändert.

Das 179. Cannstatter Volksfest startet am 25. September. Foto: in.Stuttgart/Thomas Niedermüller

Wenn am Freitag, 25. September, OB Frank Nopper gegen 16 Uhr das erste Fass des 179. Cannstatter Volksfestes ansticht, werden davor Stadt-Promis in Lederhosen und Dirndl sitzen. Über die Korruptionsvorwürfe und die umstrittene Vergabe begehrter Standplätze bei in.Stuttgart dürften dann nur noch wenige sprechen. Doch aufgeklärt ist die Affäre noch nicht.

Im Zentrum der strafrechtlichen Ermittlungen steht weiterhin ein ehemaliger Mitarbeiter von in.Stuttgart. Er wurde im November 2025 freigestellt und schied wenig später auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen aus.

Wie Stefanie Ruben, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart, auf Anfrage von EchtStuttgart mitteilt, sind die Ermittlungen gegen den Mann noch nicht abgeschlossen.

Staatsanwaltschaft: Ermittlungen nur gegen eine Person

Rund um den Fall kursierten zuletzt weitere Spekulationen. Unter anderem wurde darüber gesprochen, ob auch gegen den früheren Chef der städtischen Veranstaltungsgesellschaft, der im Mai ausgeschieden ist, ermittelt werde.

Cannstatter Wasen

Zudem rückte eine Person aus dem Schaustellergewerbe in den Fokus. Sie soll den Fall ins Rollen gebracht haben, indem sie angab, dem beschuldigten Ex-Mitarbeiter Geld gegeben zu haben. Im Gegenzug soll es um einen guten Platz beim Public Viewing zur Fußball-Europameisterschaft 2024 auf dem Stuttgarter Schlossplatz gegangen sein. Die Veranstaltung wurde ebenfalls von in.Stuttgart organisiert. Die Person wandte sich vor etwa einem Jahr an OB Frank Nopper, der die Vorwürfe ernst nahm.

Die Staatsanwaltschaft widerspricht nun auf Anfrage von EchtStuttgart Spekulationen über weitere Beschuldigte. „Es wird weiterhin nur gegen eine Person ermittelt“, erklärt Stefanie Ruben gegenüber EchtStuttgart.

Das ist bemerkenswert. Denn bei klassischen Bestechungsdelikten können grundsätzlich sowohl derjenige, der einen unzulässigen Vorteil gewährt, als auch derjenige, der ihn annimmt, strafrechtlich relevant handeln. Ob das im konkreten Fall überhaupt zutrifft und welche Straftatbestände die Staatsanwaltschaft prüft, ist damit allerdings nicht gesagt. Für den beschuldigten ehemaligen Mitarbeiter gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Neben den strafrechtlichen Ermittlungen wurden die Vorgänge auch im Auftrag der Stadt untersucht. Die Affäre hat bei in.Stuttgart zudem zu Veränderungen bei der Vergabe der begehrten Plätze geführt.

Vier-Augen-Prinzip und Ombudsperson

Die städtische Veranstaltungsgesellschaft mit Geschäftsführer Guido von Vacano und Abteilungsleiter  Christian Eisenhardt setzt inzwischen auf mehr Transparenz bei der Auswahl der Betreiber von Fahrgeschäften, Zelten und Ständen beim Cannstatter Volksfest.

Ein Bestandteil des neuen Verfahrens ist das „Vier-Augen-Prinzip“. Entscheidungen sollen damit nicht mehr allein von einer einzelnen Person abhängen. Aber sind bei einem Gespräch zwischen einem Schausteller und einem Vertreter der Veranstalter nicht immer vier Augen im Spiel?   Stefanie Hirrle, die Unternehmenssprecherin von in.Stuttgart, klärt  gegenüber EchtStuttgart auf: „Mit Vier-Augen-Prinzip ist gemeint, dass einer zusätzlichen Person im Unternehmen noch einmal die gesamte Bewertung erläutert wird und die Bewertung so noch einmal überprüft wird.“

Zusätzlich habe man eine Ombudsstelle eingeführt, so Hirrle, wohin sich die Beschicker außerhalb des eigentlichen Widerspruchsverfahrens, das ihnen ja bereits seit jeher zur Verfügung steht, hinwenden können, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. „Die Kontaktstelle ist auf unserer Webseite frei einsehbar.“

Auch das eigentliche Auswahlverfahren soll nachvollziehbarer werden. Die Bewerbungen werden anhand eines festgelegten Kriterienkatalogs bewertet. Bei Fahrgeschäften spielen dabei rund zehn Kriterien eine Rolle. Dazu gehören unter anderem die Außengestaltung und Fassade, die Beleuchtung und die Attraktivität eines Geschäfts. Auch die bisherige Teilnahme am Cannstatter Volksfest fließt in die Bewertung ein.

730 Bewerbungen für das Volksfest 2026

Das Interesse an einem Platz auf dem Wasen bleibt groß. Für das Cannstatter Volksfest 2026 gingen insgesamt 730 Bewerbungen ein, wie Stefanie Hirrle bestätigt. Nach dem Kriterienkatalog und dem neuen Auswahlverfahren wurden demnach 240 Beschicker ausgewählt.

Damit fällt die Zahl in diesem Jahr niedriger aus als sonst. Üblicherweise sind es rund 300 Beschicker. Der Grund: Parallel zum Volksfest findet 2026 auch das Landwirtschaftliche Hauptfest auf dem Cannstatter Wasen statt und beansprucht einen Teil der verfügbaren Fläche.

Wer keinen Zuschlag erhält, bekommt grundsätzlich ein formales Ablehnungsschreiben. Darin soll zusammenfassend erläutert werden, weshalb die Bewerbung nicht berücksichtigt wurde.

Das neue Verfahren soll vor allem eines schaffen: mehr Nachvollziehbarkeit bei Entscheidungen, bei denen es für die Beteiligten um viel Geld geht. Ein attraktiver Platz auf dem Wasen kann für einen Schausteller wirtschaftlich enorm wertvoll sein.

Ob die Veränderungen ausreichen, um das Vertrauen in die Vergabepraxis wiederherzustellen, wird sich zeigen. Es bleibt jedenfalls spannend, wie und wann der strafrechtliche Teil der Affäre endet. 

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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Staatsanwaltschaft: Ermittlungen nur gegen eine Person
  2. Vier-Augen-Prinzip und Ombudsperson
  3. 730 Bewerbungen für das Volksfest 2026

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