Internationale Top-Acts in Stuttgart
House boomt in Stuttgart – beim Neustart von „The Park“ auf dem Killesberg und mitten in der City. Am 19. September verwandelt Vibrancy den Schlossplatz in eine riesige Tanzfläche. Das Festival ist zu 99 Prozent ausverkauft. EchtStuttgart sprach mit Veranstalter Dominik Seidenspinner über den House-Hype.
House ist heiß. Der Perkins Park auf dem Killesberg wird nach 46 Jahren als „The Park“ zum House-Club. Und mitten in der City steht jetzt das nächste große Ausrufezeichen an.
Am 19. September steigt auf dem Schlossplatz das Vibrancy-Festival – mit internationalen Stars, spektakulärer Lichtshow und einem Soundsystem, das man nach dem Willen der Macher nicht nur hören, sondern auch fühlen soll.
Vor allem aber: Die Nachfrage ist gewaltig.
7000 Besucherinnen und Besucher dürfen in den normalen Publikumsbereich. Dazu kommen 1000 Gäste mit Premium-Tickets. Macht insgesamt 8000.
Und viel Luft ist nicht mehr: Vibrancy ist nach Angaben des Veranstalters bereits zu 99 Prozent ausverkauft. Es gibt nur noch wenige Karten online.
Wer am 19. September einfach zum Schlossplatz spazieren und sich an der Tageskasse ein Ticket kaufen möchte, könnte Pech haben. Wird es dort überhaupt noch Karten geben?
„Wahrscheinlich nicht“, sagt Veranstalter Dominik Seidenspinner im Gespräch mit EchtStuttgart.
Dass elektronische Musik derzeit einen solchen Lauf hat, überrascht Seidenspinner nicht.
„House wird immer mehr zum Mainstream“, sagt er.
Das zeigt sich auch an anderer Stelle in Stuttgart. Der legendäre Perkins Park auf dem Killesberg wird neu ausgerichtet und als „The Park“ verstärkt auf House setzen.
Zäsur im Stuttgarter Nachtleben: Ade, Perkins Park – Welcome, The Park!
Für den Vibrancy-Chef ist der weltweite Erfolg von DJ Hugel ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr die Musik inzwischen in der Mitte angekommen ist. Der Franzose gehört derzeit zu den international gefragtesten House-DJs. Und Vibrancy bringt diesen Sound nun dorthin, wo Stuttgart zentraler kaum sein könnte: auf den Schlossplatz.
Einen einzigen Superstar des Abends will Dominik gar nicht herausheben. „Es ist eine Dreierspitze“, sagt der Veranstalter.
Argy, Monolink und Kölsch seien „auf einer Ebene“. Dazu kommen Henri Bergmann sowie Styffn B2B Caridino.
Das bedeutet: Nicht ein Headliner soll den Abend retten, sondern über viele Stunden – von 14 bis 22.30 Uhr – stehen internationale Top-Acts auf der Bühne.
Von melodisch und emotional bis treibend und euphorisch soll alles dabei sein.
Auch beim Ticketkonzept geht Vibrancy einen ungewöhnlichen Weg. Das reguläre Ticket kostet 64 Euro. Wer deutlich näher an die Künstler heran möchte, zahlt 140 Euro für den Premium-Bereich.
Und „Premium“ heißt hier tatsächlich mehr als eine separate Bar und ein besserer Blick. Die 1000 Premium-Gäste bekommen Zugang zum Backstage-Bereich – und sogar zur Bühne.
„Zugang zum Backstage-Bereich und Zugang auf die Bühne direkt bei den Künstlern“, erklärt der Festivalmacher.
Der Bühnenaufbau macht das möglich. Der Künstler steht zentral, während sich Premium-Besucher in einem eigenen Bereich ebenfalls auf der Bühne aufhalten können. Die Bühne selbst steht ähnlich wie bei den Jazz Open. Das Konzept drumherum ist allerdings ein anderes.
Festival, 9000 Menschen, Hochsommer-Feeling – und dann die übliche Begegnung mit dem Dixi-Klo? Genau darauf haben die Vibrancy-Macher keine Lust.
Statt klassischer mobiler Toilettenkabinen werden Toilettencontainer mit fließendem Wasser aufgestellt. Sie sollen regelmäßig gereinigt werden.
Billig ist das nicht.
„Die sind deutlich teurer“, räumt Dominik Seidenspinner ein. Doch daran wolle man nicht sparen: „Wir wollen hier ein Premium-Erlebnis schaffen.“ Auch bei einem anderen Festival-Klassiker wollen die Veranstalter gegensteuern: Warteschlangen. Einlass und Bars sollen so organisiert werden, dass möglichst niemand das beste Set des Tages damit verbringt, auf sein Getränk zu warten.
Der größte Luxus könnte am Ende aber die Adresse sein.
Schlossplatz, Stuttgart-Mitte.
Keine Fahrt auf irgendeinen Acker, kein Shuttlebus ins Nirgendwo und kein nächtliches Rätselraten darüber, wie man wieder nach Hause kommt. Das Festival liegt mitten im Stuttgarter Nahverkehrsnetz. Das VVS-Kombiticket ist nach Angaben der Veranstalter bereits im Eintrittsticket enthalten.
Eigentlich kennt man Vibrancy größer. Im vergangenen Jahr fand das Festival an zwei Tagen statt. An einem Tag kamen laut Seidenspinner rund 7000 Besucherinnen und Besucher.
Warum also diesmal nur ein Tag – obwohl jetzt sogar 8000 Menschen Platz haben und das Festival praktisch ausverkauft ist?
Das hat mit der Planung auf dem Schlossplatz zu tun.
Streit um das Climax: Was in dieser Nacht passierte – und was daraus gemacht wurde
Ursprünglich sollte dort im September das Historische Volksfest stattfinden. Nachdem die Veranstaltung gestrichen worden war, kam Vibrancy vergleichsweise spät zum Zug. Erst im Januar konnten die Veranstalter mit konkreten Künstleranfragen beginnen.
Und Januar ist im internationalen Festivalgeschäft offenbar ziemlich spät.
Viele der großen Namen seien zu diesem Zeitpunkt bereits vergeben gewesen, sagt Dominik. Internationale Top-Künstler würden teilweise Jahre im Voraus gebucht.
Vibrancy aber will genau in diesem Regal zugreifen. Deshalb konzentriert sich 2026 alles auf Samstag, 19. September.
Das soll allerdings eine Ausnahme bleiben.
Denn die Fortsetzung ist bereits geplant. „Nächstes Jahr machen wir es wieder zwei Tage“, kündigt der Veranstalter gegenüber EchtStuttgart an.
Vibrancy könnte sich damit immer stärker als fester Termin im Stuttgarter Open-Air-Kalender etablieren.
Und der beinahe ausverkaufte Schlossplatz zeigt schon jetzt: Das Publikum dafür ist da.
Oder, wie Dominik es auf den Punkt bringt:
„House wird immer mehr zum Mainstream.“
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
Alle Artikel von Uwe Bogen →
Wöchentliche Highlights, Events und Insides aus Stuttgart – kostenlos, jederzeit abmeldbar.