Neuzugang im Festkalender
Während andernorts Straßenfeste ausfallen, gibt es im Stuttgarter Norden einen bemerkenswerten Neuzugang: Am 11. und 12. September wird die Helfferichstraße erstmals zum Festplatz. Hinter „Das Helfferich“ stehen viele Ehrenamtliche aus dem Viertel. Doch wer war eigentlich Max Helfferich?
Es waren nicht unbedingt gute Nachrichten, die in diesem Jahr aus der Stuttgarter Straßenfest-Szene kamen. Feste wurden abgesagt, Veranstalter kämpfen mit steigenden Kosten, mit der extremen Hitze, mit knappen Kassen oder schlicht damit, genügend Menschen zu finden, die monatelang ehrenamtlich organisieren.
Und dann kommt da plötzlich ein neues Fest.
Am Freitag und Samstag, 11. und 12. September, feiert Das Helfferich Premiere. Zwei Tage lang soll die Helfferichstraße im Stuttgarter Norden zum Treffpunkt des Quartiers werden. Genießen, lachen, tanzen, schwätzen – und vor allem Nachbarn zusammenbringen.
Damit dürfte „Das Helfferich“ zugleich eines der letzten Nachbarschaftsfeste des Stuttgarter Jahres werden.
Initiator ist der Bürgerverein Killesberg und Umgebung, doch getragen wird das neue Fest von vielen Menschen aus dem Viertel. Initiativen, Vereine, Familien und Nachbarn sollen sich beteiligen können.
Dass ausgerechnet jetzt ein neues Straßenfest entsteht, ist durchaus ein kleines Ausrufezeichen. Denn ein Fest auf die Beine zu stellen, wird nicht einfacher. Ohne Menschen, die ihre Freizeit investieren, organisieren und anpacken, geht es kaum.
Beim „Helfferich“ hilft beispielsweise Bärbel Mohrmann ehrenamtlich mit. Sie kennt das Veranstaltungsgeschäft bestens: Mohrmann war lange Geschäftsführerin des Stuttgarter Weindorfs. Nun bringt sie ihre Erfahrung unentgeltlich für das Fest im Quartier ein.
Der Name bekommt dadurch fast eine zweite Bedeutung: Helfferich klingt ein bisschen nach „helfen“ – und ohne Helfer gäbe es das Fest tatsächlich nicht.
Wie schwierig die Lage geworden ist, zeigte sich in diesem Jahr gleich an mehreren Stellen in Stuttgart.
Im Stuttgarter Westen wurde das alternative Stadtteilfest Westallee rund um Johannesstraße und Lerchenplatz komplett abgesagt. Dort spielten auch finanzielle Gründe eine Rolle: geringere städtische Förderung, gestiegene Kosten und die schwierige Suche nach Sponsoren. Zudem herrschte lange Unsicherheit über mögliche neue Auflagen für Stadtteilfeste. Als sich abzeichnete, dass diese in der befürchteten Form nicht kommen würden, war die verbleibende Vorbereitungszeit zu kurz.
Auch das große Heusteigviertelfest fand 2026 zum zweiten Mal in Folge nicht statt. Dort ist das Problem ein anderes: Das Fest war über die Jahre so groß geworden, dass es von der kleinen ehrenamtlichen Mannschaft kaum noch zu bewältigen war. Dazu kamen Diskussionen über Lärm, Besucherandrang und die zunehmende Kommerzialisierung. Ende Juni gab es deshalb lediglich ein kleineres Nachbarschaftsfest.
Andere Absagen hatten dagegen einen ganz anderen Grund. Das Stadtteilfest Veielbrunnen-Neckarpark fiel wegen der extremen Hitze Ende Juni aus. Auch das Stuttgarter Kinderfest wurde deshalb abgesagt; es soll am 27. September nachgeholt werden.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Premiere in der Helfferichstraße fast ein wenig gegen den Trend.
Und wer sich beim Feiern irgendwann fragt, woher die Straße ihren Namen hat, stößt auf eine passende Geschichte.
Namensgeber ist Max Helfferich, der aus einer Familie aus Kirchheim unter Teck stammte und als Stuttgarter Kommerzienrat und Wohltäter bekannt wurde. Er unterstützte unter anderem Stuttgarter Krankenhäuser wie das Karl-Olga-Hospital und die Olgaheilanstalt mit erheblichen Spenden. 1895 gründete er zudem die Max- und Josephine-Helfferich-Stiftung.
1904 erhielt die Helfferichstraße zu Ehren seiner Verdienste und Stiftungen ihren Namen.
Mehr als 120 Jahre später wird aus der nach einem Wohltäter benannten Straße nun für zwei Tage ein Ort, der ebenfalls vom Geben lebt – in diesem Fall vor allem vom Einsatz vieler Ehrenamtlicher.
Und vielleicht ist genau das die schönste Geschichte hinter dem neuen Fest: Während vielerorts darüber gesprochen wird, warum Straßenfeste nicht mehr funktionieren, probiert ein Quartier im Stuttgarter Norden einfach aus, wie es doch gehen kann.
„Das Helfferich“
11. und 12. September 2026
Helfferichstraße, Stuttgart-Nord
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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