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Magazin "Un:bequem" in Stuttgart

Wie Lara Urban nach Krebs Mut macht – und warum Heilungschancen steigen


Uwe Bogen ·1. September 2026 ·4 Min. Lesezeit News

Mit 26 Jahren erhält Lara Urban die Diagnose Hodgkin-Lymphom. Heute gibt die Stuttgarterin mit ihrem Magazin "Un:bequem" Betroffenen eine Stimme, macht Krebspatienten Mut und holt ein Thema aus der Tabuzone, das viele betrifft. Ihre Botschaft: Heilungschancen werden, nicht zuletzt dank der Immuntherapie, immer besser.

Lara Urban mit ihrem Magazin "Un:bequem". Foto: Klinikum Stuttgart

Ein kleiner Knoten am Hals. Zunächst scheint er harmlos. Doch als einige Monate später auf der anderen Seite erneut eine Veränderung auftaucht, geht Lara Urban zum Arzt. Es folgen weitere Untersuchungen, ein MRT im Klinikum – und schließlich eine Diagnose, mit der sie in ihrem Alter nicht gerechnet hat: Hodgkin-Lymphom.

Lara ist gerade einmal 26 Jahre alt.

„Von heute auf morgen änderte sich mein Leben grundlegend“, beschreibt sie diese Zeit. Plötzlich bestimmen Arzttermine, Klinikbesuche und Sorgen ihren Alltag. Sie wird im Rahmen einer Studie behandelt und erhält eine Immuntherapie.

Immuntherapie wird immer wichtiger

Immuntherapien spielen in der modernen Krebsmedizin eine immer wichtigere Rolle und erzielen bei verschiedenen Krebsarten gute Erfolge. Anders als klassische Chemotherapien zielen viele dieser Behandlungen darauf ab, das körpereigene Immunsystem dabei zu unterstützen, Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen. Auch Laras Behandlung zeigt, wie sehr sich die Möglichkeiten der Krebsmedizin weiterentwickelt haben.

Krebs hat nicht nur eine Geschichte

Eine Krebserkrankung passt nur schwer in das Bild, das viele Menschen vom Leben Mitte 20 haben – dies erinnert an die Geschichte von John Müller, über dessen Radtour wir in den vergangenen drei Monaten immer wieder berichtet haben. 

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Lara stellt sich nach ihrer  Diagnose viele Fragen: Warum trifft es gerade mich? Wie sprechen wir eigentlich über Krebs? Welche Vorstellungen haben wir von Menschen, die daran erkranken? Und warum fällt es uns oft so schwer, über Krankheit und Tod zu reden?

Aus diesen Gedanken entsteht die Idee zu Un:bequem.

„Krebs ist ein Thema, das viele Menschen betrifft – und über das dennoch oft geschwiegen wird“, sagt Lara. Mit ihrem Magazin möchte sie Betroffenen, Angehörigen und Expert eine Stimme geben und Raum für persönliche Geschichten, Informationen und unterschiedliche Perspektiven schaffen.

Lara Urban (links) verteilt ihr Magazin im Klinikum Stuttgart. Foto: Klinikum

Denn ihre eigene Erfahrung hat ihr gezeigt: Den einen Umgang mit Krebs gibt es nicht. Manche Menschen sprechen sehr offen über ihre Erkrankung, andere möchten sie möglichst für sich behalten. 

Geschichten, die Hoffnung machen – und solche, die traurig enden

Das optisch aufwendig und sehr ansprechend gestaltete Magazin erzählt deshalb nicht nur Laras Geschichte. Verschiedene Autorinnen und Autoren berichten von ihren Erfahrungen mit Krebs und davon, wie unterschiedlich eine Diagnose das eigene Leben und das der Menschen drumherum verändern kann.

Eine der Geschichten blickt auf eine Krebserkrankung vor rund 20 Jahren zurück – auf eine Zeit, in der die Behandlungsmöglichkeiten noch andere waren. Heute geht es der Betroffenen – sie ist Laras Großmutter – gut . Eine andere Geschichte handelt von einem 31-jährigen Vater von drei Kindern, der seine Erkrankung nicht überlebt hat.

Diese Geschichte hat Lara besonders berührt.

Die Heilungschancen werden immer besser 

Das ist Lara besonders wichtig: Sie möchte Menschen Mut machen. Denn die traurigen Fälle von Todesfälle dürfen nicht darüber hinwegtäuschen:  Heilungschancen werden immer besser. 

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Eine solche Diagnose könne einen zunächst komplett herunterreißen. Gleichzeitig hat die Krankheit ihren eigenen Blick auf das Leben verändert. Kleine Dinge haben für sie heute einen anderen Stellenwert. Einen schönen Tag bewusst wahrnehmen. Zeit mit anderen verbringen. Dankbar sein. Dinge nicht selbstverständlich nehmen.

Ihre zentrale Botschaft: jeden Tag bewusst leben und auch die kleinen Dinge genießen.

Auf den eigenen Körper hören

Auch ihr Verhältnis zum eigenen Körper hat sich verändert. Lara möchte Menschen dafür sensibilisieren, aufmerksam zu sein, ohne sich bei jeder Veränderung sofort verrückt zu machen.

Lieber einmal mehr als einmal zu wenig zum Arzt gehen, lautet ihre Erfahrung. Denn je früher viele Krebserkrankungen erkannt werden, desto besser sind häufig die Behandlungsmöglichkeiten.

Gleichzeitig kennt sie die Unsicherheit, die nach einer Erkrankung bleiben kann. Gerade die Kontrolluntersuchungen können belastend sein. Besonders die Fünf-Jahres-Marke spielt bei vielen Betroffenen gedanklich eine große Rolle. Im Alltag, erzählt Lara, sei sie inzwischen aber wieder deutlich entspannter und zuversichtlicher.

Sozialarbeiterin, angehende Kunsttherapeutin – und Kreative

Dass „Un:bequem“ nicht wie eine klassische medizinische Informationsbroschüre aussieht, ist kein Zufall. Gestaltung und Kreativität spielen in Laras Leben schon lange eine große Rolle.

2021 gründete sie ihr Label Künstlerleben. Seitdem entwickelt sie verschiedene kreative Produkte, von denen es einige mittlerweile auch in Geschäfte geschafft haben. Auf Instagram zeigt sie ihre Arbeit sowohl über @kuenstler.leben also auch über @magazin_unbequem.

Neben ihrer Selbstständigkeit arbeitet Lara in Teilzeit als Sozialarbeiterin im psychiatrischen Bereich. Außerdem macht sie eine Weiterbildung zur Kunsttherapeutin

Ein Herzensprojekt mit viel Eigeninitiative

Für die Umsetzung ihrer Magazins, ihres Herzensprojekts, konnte Lara zwei Sponsorinnen gewinnen. Einen Teil der Kosten trägt sie selbst. Allein durch den Verkauf finanziert sich das Magazin bisher noch nicht. Trotzdem gibt Lara von jedem verkauften Exemplar einen Euro an ein Familienhörbuch-Projekt weiter.

Das Magazin ist in ihrem  Onlineshop erhältlich – und soll kein einmaliges Projekt bleiben. Sie will weitere Tabuthemen aufgreifen- nicht ausschließlich Krankheiten. Es geht um Dinge, die Menschen beschäftigen und betreffen, über die im Alltag aber trotzdem zu wenig gesprochen wird.

Und vielleicht ist genau das die Botschaft von „Un:bequem“: Manche Themen sind unangenehm, traurig oder schwer auszuhalten. Aber gerade deshalb sollten wir über sie sprechen und das Beste aus allem machen. Lebt Euer Leben, genießt auch die kleinen Dinge!

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Uwe Bogen

Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Immuntherapie wird immer wichtiger
  2. Krebs hat nicht nur eine Geschichte
  3. Geschichten, die Hoffnung machen – und solche, die traurig enden
  4. Die Heilungschancen werden immer besser 
  5. Auf den eigenen Körper hören
  6. Sozialarbeiterin, angehende Kunsttherapeutin – und Kreative
  7. Ein Herzensprojekt mit viel Eigeninitiative

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