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Red Bull Cerro Abajo

Plötzlich erklärt Spanien die Stäffele: So schaut die Welt auf das Downhill-Finale in Stuttgart


Manuel Kloker ·6. September 2026 ·4 Min. Lesezeit News

Stuttgart im Ausnahmezustand vor dem Finale der Weltelite! Halsbrecherische Sprünge, rasende Mountainbiker – und die Welt schaut zu. Das Downhill-Spektakel Red Bull Cerro Abajo sorgt auch international für Aufmerksamkeit. In Spanien schreiben Sportmedien über den "Stäffele Drop".

Ein Athlet fliegt über die Straße, Handys gehen in die Höhe. Foto: Uwe Bogen

Dass Stuttgart erstmals Austragungsort des Red Bull Cerro Abajo ist, wird in der Stadt zum Großereignis. Entlang der Strecke ist eine Massenwanderung zu beobachten. Rund um den Weißenburgpark, die Innenstadt und den Wilhelmsplatz dreht sich alles um das ungewöhnliche Downhill-Rennen mitten durch die Stadt. Das Wetter ist passend zur Stimmung –  bestens.

Interessant ist aber auch der Blick von außen. Denn die Bilder aus Stuttgart sind nicht nur für ein lokales oder deutsches Publikum gedacht. Das Saisonfinale einer internationalen Rennserie bringt auch internationale Aufmerksamkeit mit sich.

Und so passiert etwas, das im Stuttgarter Alltag eher selten vorkommt: Spanier bekommen die Stäffele erklärt. Über 400 gibt es davon. Sie dienten früher als Arbeitswege in den steilen Weinberg-Hängen.

Stuttgart aus dem Häuschen: Für Red Bull Cerro Abajo fliegt die Weltelite durch den Kessel

Die große spanische Sportzeitung „AS“ widmet dem Rennen in Stuttgart einen  ausführlichen Bericht. Schon die nüchternen Eckdaten klingen aus internationaler Perspektive bemerkenswert: Stuttgart ist erstmals Gastgeber der Serie und nach Genua erst der zweite europäische Austragungsort.

Beschrieben wird eine rund 1,2 Kilometer lange Strecke mit etwa 130 Höhenmetern vom Teehaus im Weißenburgpark bis zum Wilhelmsplatz. Dazu kommen Geschwindigkeiten von rund 60 Kilometern pro Stunde und zwölf Hindernisse. Und zwischen englischen Namen wie „Bridge Drop“ und „Bosch Booster“ taucht in der spanischen Sportzeitung plötzlich ein ziemlich vertrautes Wort auf: „Stäffele Drop“.

Ausgerechnet die Stäffele werden zum Exportschlager

Noch deutlicher wird das beim spanischen Magazin „Mountainbike.es“. Dort wird den Leserinnen und Lesern erklärt, dass sich die Straßen und Treppen des „Stuttgarter Kessels“ für das Wochenende in eine urbane Downhill-Strecke verwandeln.

Treppen, enge Straßen, scharfe Kurven, Sprünge und künstliche Hindernisse: Das Magazin beschreibt Stuttgart beinahe so, als wäre die Stadt von Natur aus für Urban Downhill gebaut worden.

HIER GEHT’S ZU UNSEREM VIDEO:

Local Hero Johannes "Fischi" Fischbach mit unserem Autor Uwe Bogen (rechts). Foto: Klaus Schnaidt

Besondere Erwähnung finden dabei die vielen Treppen der Stadt – und auch der schwäbische Begriff dafür wird gleich mitgeliefert: Stäffele.

Das hat einen gewissen Charme. Was im Stuttgarter Alltag bedeutet, auf dem Heimweg noch ein paar hundert Stufen vor sich zu haben, wird für ein internationales Mountainbike-Publikum plötzlich zum Markenzeichen der Stadt.

Andere Städte werben mit Strandpromenaden, Skylines oder historischen Altstädten. Stuttgart schickt an diesem Wochenende seine Treppen ins Rennen.

Stuttgart als ziemlich ungewöhnliche Rennstrecke

Der internationale Blick auf die Stadt unterscheidet sich dabei durchaus von der klassischen Stuttgart-Erzählung.

Es geht kaum um Schlossplatz, Fernsehturm oder Automobilgeschichte. Stattdessen werden genau jene Eigenschaften herausgestellt, die man als Stuttgarter manchmal eher als topografische Herausforderung empfindet: der Kessel, die steilen Hänge und vor allem die vielen Treppen.

Auch auf der internationalen englischsprachigen Seite des Veranstalters wird dieses Stuttgart-Bild transportiert. Dort wird sogar der schwäbische Veranstaltungsslogan „D’ Stäffele nonder“ für ein internationales Publikum übersetzt und erklärt. Steile Treppen, schmale Gassen, technische Richtungswechsel, Sprünge und schnelle Passagen werden als Charakteristika der Strecke genannt.

Dass diese Eigenschaften tatsächlich zum sportlichen Kern des Rennens gehören, zeigt der Blick aufs Starterfeld. Fahrer aus Brasilien, Kolumbien, Chile, Argentinien, Neuseeland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Tschechien und mehreren weiteren Ländern treten in Stuttgart an. Auch ein internationales Frauenfeld mit Fahrerinnen unter anderem aus Chile, Italien, Argentinien und den USA ist dabei.

Keine Weltpresse – aber internationale Aufmerksamkeit

Allerdings sollte man die Dimension nicht größer machen, als sie derzeit ist.

Von einer weltweiten Medienhysterie rund um Stuttgart kann keine Rede sein. Große internationale Nachrichtenagenturen und General-Interest-Medien haben das Rennen bisher g nicht in vergleichbarer Weise aufgegriffen.

Sehr wohl findet Stuttgart aber in internationalen Sport- und Mountainbike-Medien statt. Gerade die Berichterstattung aus Spanien ist bemerkenswert, weil sie nicht einfach nur die Ankündigung des Veranstalters wiedergibt, sondern das Rennen für ein eigenes nationales Publikum einordnet.

UND NOCH EIN VIDEO:

Hinzu kommt die internationale Reichweite der Serie selbst. Cerro Abajo kommt ursprünglich aus dem urbanen Downhill und hat insbesondere in Lateinamerika eine große Tradition. Stuttgart bildet nun das Finale der World Series – und ist zugleich der erste deutsche Austragungsort überhaupt.

Damit wird aus einem spektakulären Sportevent in der Innenstadt zumindest für ein Wochenende auch eine ziemlich ungewöhnliche Form des Stadtmarketings.

Die Welt lernt: Stuttgart hat verdammt viele Treppen

Vielleicht ist genau das die schönste Nebengeschichte dieses Rennwochenendes.

Stuttgart versucht seit Jahren, sein Bild nach außen zu erklären: Kulturstadt, Autostadt, Weinstadt, Innovationsstandort, Stadt zwischen Wald und Reben.

Und dann kommen ein paar der besten Urban-Downhill-Fahrer der Welt, rasen mit ihren Mountainbikes durch den Kessel – und plötzlich verstehen Menschen in Spanien ziemlich schnell, was Stuttgart besonders macht.

Es geht bergauf. Es geht bergab.

Und meistens sind irgendwo dazwischen noch ein paar Stäffele.

Mit dieser Rad startet Fischi am Sonntag beim Finale. Foto: Klaus Schnaidt
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Manuel Kloker

Manuel Kloker

Manuel Kloker ist der Mann, der Geschichten eine Form gibt. Als interdisziplinärer Designer denkt er in Bildern, oft bevor andere überhaupt die passenden Worte gefunden haben – und genau das prägt seine Arbeit für EchtStuttgart. Geboren 1981 im Schwarzwald, fand Manuel Kloker seinen Weg nach Stuttgart und ist der Stadt seither eng verbunden. Besonders sichtbar wird das im Stuttgart-Album: Gemeinsam mit Uwe Bogen, mit dem er später auch zum Lokalteil Verlag stieß, hat er die Konzepte entwickelt und dem Mitmach-Projekt sein unverwechselbares Gesicht gegeben. Für EchtStuttgart bringt Manuel Kloker genau diese Mischung ein: den Blick fürs Bild, die Lust am Machen und ein feines Gespür dafür, wie Stuttgart gesehen werden will.

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  1. Ausgerechnet die Stäffele werden zum Exportschlager
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  4. Keine Weltpresse – aber internationale Aufmerksamkeit
  5. UND NOCH EIN VIDEO:
  6. Die Welt lernt: Stuttgart hat verdammt viele Treppen

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