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NewsletterDas Wichtigste aus Stuttgart, kostenlosShow zum 30. Bühnengeburtstag
Hautnah kann er. Ganz groß auch: Zum 30. Bühnengeburtstag begeistert Thorsten Strotmann das Apollo Theater mit Illusionen, Witz und Schlagfertigkeit. Dazu gibt’s eine spontane Begegnung mit Musicalstar Maximilian Mann on stage - und eine Geschichte über seinen Vater, die zu Tränen rührt. Auch etliche Stadtpromis feiern mit.
Vor 30 Jahren verblüffte Thorsten Strotmann als junger Close-up-Magier in einer der kleinen Bars des SI-Centrums in Möhringen ein paar Zuschauer. Jetzt ist er an denselben Ort zurückgekehrt. Allerdings etliche Nummern größer. Das Stage Apollo Theater mit seinen 1800 Plätzen müsste ausverkauft sein, so voll ist es. Ein bemerkenswerter Triumph für einen Zauberer, dessen Spezialität die Nähe zum Publikum ist, der immer stolz darauf ist, eine intime Atmosphäre zu schaffen.
Kann das funktionieren? Strotmann ist für seine Hautnah-Shows in der Magic Lounge im Römerkastell in Bad Cannstatt bekannt, wo die Zuschauer in nur sieben Reihen sitzen und ihm ohne Opernglas auf die Finger sehen können. Doch der Magier braucht weder schwebende Jungfrauen noch verschwindende Elefanten, um das große Musicaltheater in seinen Bann zu ziehen. Ihm genügen Spielkarten, ein paar Ringe, ein Klavier und vor allem seine Persönlichkeit.
Ein guter Zauberer führt sein Publikum so raffiniert hinters Licht, bis Wunder und Bewunderung eins werden. Strotmann beherrscht diese Kunst meisterhaft. Da vermehrt sich Geld auf wundersame Weise, wenigstens zum kurzen Glück eines älteren Besuchers, da gelangen Musikwünsche aus den Köpfen der Zuschauer offenbar auf geheimnisvollen Wegen zum Klavierspieler. Wer herausfinden will, wie die Tricks funktionieren, hat ohnehin schon verloren. Besonders dann, wenn Strotmann so tut, als wolle er das Geheimnis lüften. Je ausführlicher er etwas erklärt, desto undurchsichtiger wird die Angelegenheit. Am besten gar nicht mit- oder nachdenken, sondern sich nur der Illusion hingeben.
Der 53-Jährige ist eben nicht nur ein verblüffender Magier, sondern auch ein hervorragender Entertainer. Einer, der mit seinem Publikum spielt, Pointen setzt, spontan reagiert und sich auch über sich selbst lustig macht.
Für viel Spaß sorgt seine Zeitreise um 30 Jahre zurück. Damals gab es noch D-Mark, Telefonzellen, Gelbe Seiten und Disketten, und um 18.30 Uhr war Ladenschluss. Strotmann lässt diese fast vergessene Alltagswelt mit lustigen Erinnerungen wieder aufleben. Das Publikum amüsiert sich prächtig. Unterstützt wird der Chef im Zauberring von zwei Clowns und einer Sängerin.
Für eine Nummer mit Metallringen, die sich auf unerklärliche Weise verbinden und wieder lösen, holt er sich Unterstützung aus dem Publikum zu sich hoch: Maximilian Mann, der im Musical „& Julia“ als Shakespeare auf der Bühne steht und seinen spielfreien Montag offenbar für einen Ausflug in die Zauberwelt nutzt. Strotmann scheint nicht zu wissen, wen er da vor sich hat. Als Mann mit kräftigem Applaus begrüßt wird, fragt der Magier verblüfft: „Ach, den kennt ihr?“ Dann muss Max nur den Mund bewegen, Thorsten leiht ihm die Stimme. Ein Musicalstar, der kein eigenes Wort verliert, aber voll die Lacher auf seiner Seite hat. Großes Kino auch ohne Großillusion
Der vielleicht stärkste Moment des Abends kommt ganz ohne Zauberkunst aus. Strotmann erzählt von seinem 2022 verstorbenen Vater, von Zweifeln, spät ausgesprochenen Wahrheiten und vor allem von Liebe.
Sein Vater wusste, dass viele Künstler wenig von Geld verstehen. Deshalb schickte er den Sohn zu einem Seminar über Vermarktung, das dieser selbst bezahlen musste. Denn die entscheidenden Erfahrungen, so seine Überzeugung, müsse jeder selbst machen. Wie eine Raupe, der man nicht helfen dürfe, sich aus ihrer Hülle zu befreien, weil sonst Muskeln zerstört werden. Nur durch die eigene Anstrengung entwickle der Schmetterling die Kraft zum Fliegen.
Bevor sein Vater starb, hatte dieser selbst die Todesanzeige für sich geschrieben. Mit einem gelben statt einem schwarzen Rand sollte sie erscheinen. Zur Trauerfeier sollten die Menschen helle Kleidung tragen. Denn sein Vater hatte das Leben geliebt, und dieses Leben sollte gefeiert werden. So anrührend erzählt Strotmann davon, dass im Musicaltheater Tränen fließen.
Die Geschichte des Schmetterlings, der fürs Träumen steht, ist auch die Geschichte des Magiers. Als Strotmann 2009 mit der Idee eines eigenen Close-up-Theaters mit 199 Plätzen bei der Bank vorstellig wurde, erntete er zunächst ungläubiges Staunen. Ein Privattheater ohne Subventionen? In den ersten Wochen kamen manchmal gerade zwölf Zuschauer. Doch die Mundpropaganda wirkte. „Schon nach drei Monaten haben wir verdient“, erinnert sich Thorsten. Nach zwei Jahren war der Kredit zurückgezahlt. Heute ist die Magic Lounge zu 88 Prozent ausgelastet, vor Corona waren es sogar 93 Prozent.
Strotmann, der einst mit Zauberauftritten sein Betriebswirtschaftsstudium finanzierte, versteht eben von Kunst und Geld gleichermaßen etwas. Er vertritt sogar die provokante These, Subventionen könnten die Kreativität hemmen.
Nun füllt er das Stage Apollo Theater. Dass 1800 Menschen gekommen sind, zeigt, wie treu seine Fangemeinde ist. Viele kennen seine Kunst aus nächster Nähe und wollen wissen, ob sie auch im großen Rahmen funktioniert. Ja, sie funktioniert – oft auf überraschenden Weise, aber auch, weil die Kamera Großaufnahmen von Händen und dergleichen mehr auf die LED-Wand überträgt. Strotmann braucht keine größeren Tricks, sondern nur seine Bühnenpräsenz, seinen Humor und das Gespür für sein Publikum.
Im Publikum gesehen: Ballettstar Eric Gauthier, Comedian Michael Gaedt, Frl. Wommy Wonder, die Promifotografen Christof Sage und Wolfgang List, Goldrun-Veranstalter Marc Wenger, Comedian Markus Zipperle, der frühere Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, Comedy-Frau Doris Reichenauer, Face-of-Germany-Teilnehmerin Nelly Sigmann.
Und noch einer feiert an diesem Abend Jubiläum: Strotmanns langjähriger Weggefährte Randy Lee Kay steht seit 40 Jahren auf der Bühne – oder besser gesagt: er sitzt, nämlich am exklusiven FAZIOLI-Flügel, der von Piano Fischer zur Verfügung gestellt wurde. Der Musiker und Komponist ist verantwortlich für alle Showmusiken des Magiers.
Die Jubiläumsshow ist selbst für langjährige Fans ein Höhepunkt. Vor 30 Jahren zauberte Strotmann vor wenigen Zuschauern in einer Bar nahe dem Theatersaal, heute füllt er ein ganzes Musicaltheater. Der Schmetterling hat fliegen gelernt. Und wie! Am Ende gibt es Standing Ovations, die Begeisterung ist riesig. Die Rampensau Strotmann hat womöglich Blut geleckt und will künftig öfter im Großformat zaubern. Doch so mühelos er die große Bühne beherrscht: Manchmal entfalten die kleinen Wunder aus nächster Nähe die größte Magie.
Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.
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