Gutachter legen Städtevergleich vor
Wohnungen werden in Stuttgart wieder etwas günstiger. Im zweiten Quartal 2026 sind die Kaufpreise für Eigentumswohnungen zurückgegangen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Sachverständigenbüros CERTA Immobiliengutachten. Im süddeutschen Vergleich bleibt Stuttgart dennoch eines der teuersten Pflaster.
Wer in Stuttgart eine Wohnung kaufen will, muss weiterhin tief in die Tasche greifen – allerdings nicht mehr ganz so tief wie noch zu Jahresbeginn. Nach einer aktuellen Auswertung des Sachverständigenbüros CERTA Immobiliengutachten sind die durchschnittlichen Kaufpreise für Eigentumswohnungen in Stuttgart im zweiten Quartal 2026 um 2,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal zurückgegangen.
Im Schnitt werden demnach 5.007 Euro pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung aufgerufen. Damit gehört Stuttgart trotz des Preisrückgangs weiterhin zu den fünf teuersten der 17 untersuchten Städte in Bayern und Baden-Württemberg.
Nur München (9.231 Euro/m²), Freiburg (6.016 Euro/m²), Heidelberg (5.646 Euro/m²) und Regensburg (5.525 Euro/m²) liegen bei Eigentumswohnungen vor Stuttgart.
Auffällig ist dabei vor allem der enorme Abstand zu günstigeren Städten im Südwesten. In Pforzheim werden laut Auswertung durchschnittlich lediglich 3.002 Euro pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung verlangt. In Stuttgart liegt der Wert damit rund zwei Drittel höher.
Auch wer in Stuttgart von einem Einfamilienhaus träumt, bewegt sich weiterhin in einer der teuersten Regionen Süddeutschlands. Hier nennt die Untersuchung einen Durchschnittspreis von 5.146 Euro pro Quadratmeter. Stuttgart gehört damit neben München, Heidelberg, Erlangen und Freiburg zu lediglich fünf untersuchten Städten, in denen auch Einfamilienhäuser die Marke von 5.000 Euro pro Quadratmeter überschreiten.
Interessant: Anders als in mehreren süddeutschen Groß- und Universitätsstädten sind Häuser in Stuttgart pro Quadratmeter sogar etwas teurer als Eigentumswohnungen.
Stuttgart ist mit der Entwicklung nicht allein. Die Untersuchung sieht im zweiten Quartal 2026 in allen 17 analysierten Städten sinkende Kaufpreise. Je nach Stadt und Immobilientyp liegen die Rückgänge zwischen 0,3 und 4,6 Prozent.
Besonders deutlich trifft die Entwicklung einige traditionelle Industrie- und Wirtschaftsstandorte. Bei Einfamilienhäusern verzeichnet Ingolstadt mit minus 4,6 Prozent auf 4.520 Euro pro Quadratmeter den stärksten Rückgang der Untersuchung. Mannheim folgt mit minus 4,1 Prozent auf 4.069 Euro.
Für Stuttgart ist diese Entwicklung nicht uninteressant: Auch die Region Stuttgart ist stark von Industrie und insbesondere der Automobilbranche geprägt. Aus den vorliegenden Zahlen allein lässt sich allerdings nicht ableiten, welchen Anteil die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung konkret am Stuttgarter Preisrückgang hat.
Nach Einschätzung von CERTA spielen inzwischen auch der energetische Zustand und mögliche Sanierungskosten eine größere Rolle bei der Preisfindung.
„Käufer schauen heute viel genauer auf den energetischen Zustand und kalkulieren künftige Sanierungskosten direkt in ihr Kaufangebot ein“, erklärt Matthias Mertens, Geschäftsführer und Sachverständiger für Immobilienbewertung bei CERTA.
Vor allem ältere Einfamilienhäuser außerhalb der absoluten Top-Lagen könnten dadurch an Attraktivität verlieren. Gleichzeitig beobachtet das Unternehmen einen weiteren Effekt: Wenn sich ältere Eigentümer verkleinern oder Immobilien vererbt werden, gelangen zusätzliche ältere Einfamilienhäuser auf den Markt.
Von einem günstigen Immobilienmarkt kann in Stuttgart also weiterhin keine Rede sein. Die neuen Zahlen zeigen vielmehr zwei Entwicklungen gleichzeitig: Die Kaufpreise bewegen sich nach unten, das absolute Preisniveau bleibt aber ausgesprochen hoch.
Mit durchschnittlich 5.007 Euro pro Quadratmeter für Eigentumswohnungen und 5.146 Euro für Einfamilienhäuser liegt Stuttgart weiterhin in der Spitzengruppe Süddeutschlands.
Ob aus der aktuellen Abkühlung ein längerfristiger Preisverfall wird, lässt sich aus den Daten eines einzelnen Quartals noch nicht ableiten. Für Kaufinteressenten ist die Entwicklung dennoch bemerkenswert: Der jahrelang beinahe selbstverständlich erscheinende Weg immer weiter steigender Immobilienpreise ist zumindest derzeit nicht zu beobachten.
Zur Untersuchung: CERTA Immobiliengutachten hat die Preisentwicklung in 17 Städten in Baden-Württemberg und Bayern ausgewertet. Nach Angaben des Unternehmens fließen unter anderem Transaktionsdaten der statistischen Landesämter und örtlichen Gutachterausschüsse, bereinigte Angebotsdaten großer Immobilienportale sowie Daten aus eigenen Immobilienbewertungen in die Marktberichte ein.
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