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Architekturwettbewerb gestartet

Doch kein sicherer Abriss: Zukunft des Wittwer-Gebäudes ist wieder offen


Patrick Mikolaj ·22. September 2026 ·3 Min. Lesezeit News

Lange sah es so aus, als seien die Tage des Wittwer-Baus am Schlossplatz gezählt. Doch jetzt ist klar: Auch der Erhalt des markanten Gebäudes ist ausdrücklich möglich. Neun Planungsteams sollen ohne Denkverbote nach der besten Lösung suchen.

Wäre ein Begrünung des Wittwer-Gebäudes eine Lösung? Foto von KI genieriert

Der Wittwer-Bau am Kleinen Schlossplatz muss nicht zwangsläufig abgerissen werden. Im jetzt gestarteten Realisierungswettbewerb für das Gebäude an der Königstraße 30/32 sind ausdrücklich unterschiedliche Lösungen zugelassen: Erhalt, Teilerhalt, Umbau – aber auch ein Neubau. Entscheidend soll die Qualität des Gesamtkonzepts sein.

Damit ist die Zukunft des markanten Gebäudes an einer der prominentesten Stellen der Stuttgarter Innenstadt wieder offen. Neun Teams aus Architektur- und Landschaftsplanungsbüros nehmen an dem Wettbewerb teil, darunter zwei aus Stuttgart. Im März 2027 soll das Preisgericht über die eingereichten Entwürfe beraten.

Keine Denkverbote beim Wittwer-Haus

Die entscheidende Botschaft des Wettbewerbs steckt in der Aufgabenstellung: Die Planer sollen sich ohne vorgegebene Lösung mit dem bestehenden Gebäude auseinandersetzen.

Das bedeutet: Ein kompletter Abriss mit anschließendem Neubau ist nur noch eine von mehreren Möglichkeiten. Ebenso können die Teams Konzepte entwickeln, die den Wittwer-Bau vollständig erhalten, Teile der vorhandenen Substanz weiterverwenden oder das Gebäude grundlegend umbauen.

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Damit dürfte auch die Diskussion über den Umgang mit dem Bestand neue Nahrung bekommen. Denn seit den ersten Überlegungen des Bauherrn zur Neustrukturierung und Sanierung des Gebäudes im Oktober 2025 wird in Stuttgart intensiv darüber gestritten, wie mit dem Wittwer-Bau umgegangen werden soll.

Es geht um mehr als ein einzelnes Gebäude

Das Gebäude gilt als  Statement  einer brutalistischen Architektur, deren Fokus in den 1960ern mit rohem Beton auf Funktionalität und Struktur lag. Die Bausubstanz, so sagen die Eigentümer von der Dinkelacker AG, die das Gebäude von der Familie Wittwer erworben haben, verlangt ganz dringend  nach einer Sanierung. Bisher hieß es von Besitzerseite, die Sanierung wäre viel zu aufwendig, so dass man an einen Neubau denke, der ein neues architektonisches Zeichen in der City setzen könnte wie nebenan das Kunstmuseums.

Der Wettbewerb beschränkt sich nicht auf das Haus selbst. Gesucht wird eine Gesamtkonzeption für einen der sensibelsten Stadträume Stuttgarts: zwischen Schlossplatz, Königstraße, Kunstmuseum und Kleinem Schlossplatz.

Die Planer müssen dabei Architektur und Städtebau ebenso berücksichtigen wie Nutzung, Wirtschaftlichkeit, Ökologie und soziale Aspekte. Eine besondere Rolle spielt der öffentliche Raum rund um das Gebäude.

Gerade die Verbindung zwischen Kunstmuseum, Königstraße und Kleinem Schlossplatz gilt als anspruchsvoll. Höhenunterschiede, Zugänge und Wegebeziehungen müssen neu gedacht werden. Ein eigener freiraumplanerischer Ideenteil des Wettbewerbs beschäftigt sich deshalb mit der künftigen Nutzung und Gestaltung dieses Bereichs.

Ein Stück Nachkriegs-Stuttgart

Der Wittwer-Bau gehört zu den prägenden Geschäftshäusern, die während des großen Umbaus der Stuttgarter Innenstadt in den 1960er Jahren entstanden sind. Über Jahrzehnte befand sich dort der Hauptsitz der traditionsreichen Buchhandlung Wittwer. Der Name ist deshalb bis heute eng mit dem Gebäude verbunden.

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Kaum ein anderer Standort liegt zugleich so prominent und städtebaulich so kompliziert: auf der einen Seite die Königstraße und der Schlossplatz, auf der anderen das Kunstmuseum und der tiefer gelegene Kleine Schlossplatz.

Was dort künftig steht, wird deshalb nicht nur das Erscheinungsbild eines einzelnen Grundstücks verändern, sondern einen zentralen Teil der Stuttgarter Innenstadt.

Mit dem Wettbewerb ist die Antwort darauf vorerst wieder offen. Ob vom Wittwer-Bau am Ende viel, wenig oder gar nichts erhalten bleibt, sollen nun die neun Planungsteams ausloten. Eine Vorentscheidung für den Abriss gibt es jedenfalls nicht.

Die Entwürfe sollen im März 2027 vom Preisgericht beurteilt werden.

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Patrick Mikolaj

Patrick Mikolaj

Geboren 1980 in Kirchheim unter Teck, heute Stuttgart-Fan aus tiefstem Herzen: Patrick Mikolaj hat aus einer originellen Idee ein echtes Stadtphänomen gemacht. Was der Blogger im Sommer 2012 mit dem Unnützen Stuttgartwissen begonnen hat, entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Stuttgart-Projekte in den sozialen Medien. Dieser Erfolg zog weite Kreise: Seine Bücher im Lokalteil Verlag wurden zu regionalen Bestsellern. Zusammen mit Uwe Bogen und Manuel Kloker hat er zuletzt das Buch „Stuttgart – Kleine Geheimnisse einer großen Stadt“ herausgebracht. Mikolaj beschränkt sich nicht auf das geschriebene Wort, so verantwortet er mehrere erfolgreiche Stadtführungen.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Keine Denkverbote beim Wittwer-Haus
  2. Es geht um mehr als ein einzelnes Gebäude
  3. Ein Stück Nachkriegs-Stuttgart

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