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EchtStuttgart blickt auf 2018 und 2022

Was passiert mit dem Cannstatter Volksfest, wenn die Parkplätze fehlen?


Uwe Bogen ·23. September 2026 ·4 Min. Lesezeit News

Aufs Volksfest kommen? Unbedingt. Mit dem Auto? Bloß nicht! Während des Landwirtschaftlichen Hauptfests fehlen die großen Parkflächen. Doch kommen die Auswärtigen trotzdem – oder hält das Parkplatzproblem viele vom Wasen ab? EchtStuttgart blickt auf 2018 und 2022, als die Situation ähnlich war.

Der Aufbau fürs Cannstatter Volksfest befindet sich in der Endphase. Am Freitag geht es endlich los. Foto: Uwe Bogen

Nie war der Appell, mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Wasen zu kommen, so wichtig wie in dieser Volksfest-Saison. Denn Parkplätze gibt es rund um das Festgelände schlichtweg nicht. Das Landwirtschaftliche Hauptfest beansprucht die Flächen, auf denen sonst die Autos der Volksfestbesucher stehen.

Und auf gut Glück in die umliegenden Wohngebiete ausweichen? Kann man völlig vergessen!  Schon an normalen Wasentagen ist die Parkplatzsuche in Bad Cannstatt schwierig. Wenn Hunderttausende feiern wollen und gleichzeitig die großen Parkflächen wegfallen, wird das Auto schnell zur schlechtesten Idee für die Anreise.

Die Botschaft der Veranstalter ist deshalb eindeutig: Bus und Bahn nutzen oder auf Park-and-Ride ausweichen. Für Stuttgarter ist das meist kein großes Drama. U-Bahn, S-Bahn und Regionalzüge bringen die Besucher fast bis vor den Wasen. Doch das Cannstatter Volksfest lebt nicht nur von Stuttgart. Die Gäste kommen aus der gesamten Region, aus Baden-Württemberg und teilweise von weit darüber hinaus.

Cannstatter Wasen

Und damit stellt sich in diesem Jahr eine spannende Frage: Was passiert mit einem Millionenfest, wenn die Parkplätze fehlen? Bleiben vor allem Menschen von außerhalb zu Hause? Oder steigen sie einfach um?

Ganz neu ist dieses Experiment nicht. Denn genau diese Situation gab es schon 2018 und 2022. EchtStuttgart blickt deshalb darauf zurück, wie es damals lief.

2018: Keine Parkplätze – trotzdem vier Millionen Besucher

Das Landwirtschaftliche Hauptfest findet alle vier Jahre statt. 2018 lief es ebenfalls parallel zum Cannstatter Volksfest. Die Besucherinnen und Besucher wurden schon damals aufgefordert, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.

Wer einen deutlichen Einbruch erwartet hatte, wurde überrascht: Rund vier Millionen Menschen kamen zum Volksfest. Im Jahr zuvor waren es etwa 4,1 Millionen gewesen.

Auch die Gäste von weiter weg blieben offenbar nicht aus. Am letzten Volksfestsamstag wurden nach Angaben der Veranstalter rund 400 Reisebusse gezählt, doppelt so viele wie am Wochenende zuvor. Hinzu kamen mehr als 100 Wohnmobile aus Italien.

Zumindest 2018 spricht also wenig dafür, dass fehlende Parkmöglichkeiten die Menschen in großer Zahl vom Wasen fernhielten.

2022: Eine Million Besucher weniger

Vier Jahre später sah es anders aus. 2022 kamen nur gut drei Millionen Besucher. Das könnte zunächst für einen Parkplatz-Effekt sprechen. Allerdings war 2022 ein außergewöhnliches Volksfest: Es war das erste nach der Corona-Pause, und vor allem spielte das Wetter nicht mit. Die erste Festwoche war kalt und nass. 

Auch die Veranstalter führten die niedrigere Besucherzahl vor allem auf die Witterung zurück. Wie viele Menschen tatsächlich wegen der schwierigen Anreise zu Hause blieben, lässt sich deshalb aus der Gesamtzahl nicht herauslesen.

Viele kamen trotzdem mit dem Auto

2022 zeigte allerdings noch etwas anderes: Ein fehlender Parkplatz bedeutet offenbar nicht automatisch, dass das Auto stehen bleibt.

Trotz der Warnungen versuchten zahlreiche Besucher, mit dem Pkw in Richtung Wasen zu fahren. Marcus Christen von in.Stuttgart berichtete damals, dass insbesondere Menschen aus dem Großraum Stuttgart mit dem Auto anreisten. Rund um den NeckarPark führte das zeitweise zu erheblichen Verkehrsproblemen.

Gleichzeitig war von einem leeren Wasen keine Rede. Am 1. Oktober befanden sich rund 72.000 Menschen gleichzeitig auf dem Festgelände. Der Andrang war so groß, dass Zufahrten und Zugänge zeitweise geschlossen werden mussten.

Was machen die Auswärtigen?

Für die aktuelle Saison wird deshalb besonders interessant, wie Besucher aus der Region reagieren. Aus Ludwigsburg, Esslingen oder Böblingen ist Bad Cannstatt mit der Bahn vergleichsweise einfach erreichbar. Wer dagegen aus einer kleineren Gemeinde oder aus ländlichen Teilen Baden-Württembergs kommt, ist bei der Anreise häufig stärker auf das Auto angewiesen. Dann heißt die Alternative: Park-and-Ride, eine längere Fahrt mit Bus und Bahn – oder auf den Wasen verzichten.

Welche Variante die Besucher tatsächlich wählen, ist erstaunlich schlecht dokumentiert. Die Besucherzahlen verraten schließlich nicht, woher jemand kommt und wie er angereist ist.

Die Zeltwirte freuen sich auf die Bauern

Für die Festwirte ist das Landwirtschaftliche Hauptfest allerdings keineswegs nur ein Parkplatzproblem. Einige freuen sich sogar besonders darauf. Denn das Hauptfest bringt ein anderes Publikum nach Bad Cannstatt: Landwirte und ihre Familien, Beschäftigte aus der Landwirtschaft, Aussteller, Verbände und Besucher aus ländlichen Regionen im ganzen Land.

Und nach einem Tag zwischen Landtechnik, Tieren und Landwirtschaftsausstellung ist für viele noch nicht Schluss. Die Festzelte stehen schließlich direkt nebenan.

Das Landwirtschaftliche Hauptfest hat für die Wirte deshalb zwei Seiten: Es nimmt ihnen indirekt Parkmöglichkeiten für ihre Stammgäste, bringt gleichzeitig aber Tausende potenzielle neue Besucher auf das Gelände.

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Gerade die Gäste vom Land sind dabei spannend. Bei ihnen könnte man vermuten, dass das Auto für die Anreise eine besonders große Rolle spielt. Trotzdem müssen auch sie eine Lösung finden – mit Reisebus, Bahn oder Park-and-Ride. 

Die Party findet statt. Nur die Autos dürfen halt nicht mitfeiern. Angesichts der Alkoholmengen, die auf dem Wasen konsumiert werden, ist sowieso die beste Idee, öffentlich zu kommen. Und Taxis gibt es ja auch noch. Lohnt sich, alles immer positiv zu sehen: Weil das Auto daheim bleiben muss, bedeutet sich am Ende die Rettung für so manchen Führerschein. 

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Uwe Bogen

Uwe Bogen, Redaktionsleiter von EchtStuttgart, Buchautor und Stuttgart-Kenner, gilt seit vielen Jahren als einer der bestvernetzten Journalisten Stuttgarts. Immer wieder bringt er Hintergründe ans Licht, lange bevor sie öffentlich bekannt werden. Seine Fans schätzen seinen unverwechselbaren Schreibstil und seine Stuttgart-Liebe. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, studierte er in Tübingen und ist seiner Heimatstadt bis heute eng verbunden. Als Reporter prägt er seit vielen Jahren die publizistische Landschaft in Stuttgart. Uwe Bogen ist Autor von bisher 21 Büchern, Mitherausgeber des Lokalteil-Verlags sowie Initiator des Geschichtsprojekts Stuttgart-Album.

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Inhaltsverzeichnis
  1. 2018: Keine Parkplätze – trotzdem vier Millionen Besucher
  2. 2022: Eine Million Besucher weniger
  3. Viele kamen trotzdem mit dem Auto
  4. Was machen die Auswärtigen?
  5. Die Zeltwirte freuen sich auf die Bauern

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