Uwe Bogen
Jazz Open auf dem Schlossplatz
Lieber Jamie Cullum, du bist längst ein echter Stuttgarter – komm‘ nächstes Jahr wieder!
12. Juli 2026
Aus 7500 Menschen wird ein Mega-Chor, der Schlossplatz wird zur Bühne der Ekstase. „Eins, zwei, drei, vier, jump!“ – und alle springen mit. Lieber Jamie Cullum, komm nächstes Jahr wieder zu den Jazz Open. Du bist längst ein echter Stuttgarter.
Lieber Jamie,
mit einer normalen Konzertkritik wird man dir nicht gerecht.
Man könnte schreiben, dass du seit 15 Jahren mit wenigen Pausen die Jazz Open rockst.. Dass du über die Bühne springst, als gäbe es die Schwerkraft nicht. Dass 7500 Menschen auf dem Schlossplatz gefeiert haben. Alles richtig. Und trotzdem würde das Entscheidende fehlen.
Denn was am Samstag in Stuttgart passiert ist, war kein Konzert. Es war eine Liebeserklärung. Von Stuttgart an dich. Und von dir an Stuttgart.
Seit Freitag laufen die 14. Stuttgarter Chortage. Fast schien es, als würdest du ihnen schon mal einen Rekord schenken. Aus 7500 Kehlen wird der Schlossplatz zum größten Chor der Stadt. Und alle spüren, wie befreiend es ist wie gut es tut, gemeinsam zu singen.
Während die Kesselkehlchen, Stuttgarts neuer Männerchor mit „Fangesang in Schön“, ihre Premiere am 25. Juli feiern, hast du im Kessel schon mal alle Kehlchen zum Klingen gebracht. Irre!
„Eins, zwei, drei, vier, Jump“ – und alle springen mit
An dieser Tradition halten wir unbedingt fest: Kaum spielst du noch leise und langsam die ersten Töne von „Mixtape“ an, weiß jeder auf dem Schlossplatz, was zu tun ist. Du rufst dann laut auf Deutsch: „Eins, zwei, drei, vier!“ – und alle springen hoch. Jump! Dieses legendäre „Hohohooo“ schallt aus voller Brust über den Ehrenhof, als sei es die Stuttgart-Hymne.
Die Bühnenlichter zucken im Stakkato, und wir rasen singend der Ekstase entgegen. Selbst als du und deine Band längst aufgehört habt zu spielen, singt Stuttgart einfach weiter. Niemand will diesen Moment enden lassen.
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Vielleicht ist genau das das Geheimnis eurer Geschichte. Stuttgart und Jamie Cullum – diese Liebe endet einfach nie.
So oft warst du bei den Jazz Open. Und trotzdem fühlt sich dein Auftritt nie wie Routine an. Du bist dieses 1,64 Meter große Energiebündel, das wie ein Flummi über die Bühne hüpft. Als du dem Publikum zurufst, es sei das beste der Welt, glaubt dir das jeder. Denn die Begeisterung kommt nicht nur von der Bühne – sie kommt genauso laut zurück. Der Schlossplatz rastet aus.
Jetzt heißt es: „Sing along and dance“
Dass du längst zur Familie der Jazz Open gehörst, lässt sich an diesem Abend auch oben auf der VIP-Tribüne beobachten. Im Barbereich bleibt es erstaunlich leer. Statt mit einem Glas Gin Tonic den Abend etwas aus der Distanz zu verfolgen, zieht es etliche der Logengäste nach unten. SWR-Moderator Markus Brock steht lieber mitten im Publikum. Auch der Stuttgarter Winzer Hans-Peter Wöhrwag, dessen Weine bei den Jazz Open den regionalen Weinbau repräsentieren, und Autorin Heike Ellwanger (sie schreibt gerade ein neues Buch) genießen die Party.
„Shut up and listen“, steht an der Wand hinter der VIP-Theke. Jetzt könnte es besser heißen: „Sing along and dance“.
Während auf dem Schlossplatz Tausende feiern, entstehen im Bix Jazzclub die Geschichten, die dieses Festival so farbenreich und einzigartig machen. Dort begeistert am selben Abend Emma Smith, Gewinnerin des Parliamentary Jazz Vocalist of the Year 2024, mit ihrer großartigen Stimme. Die Britin zählt zu den aufregendsten Jazzsängerinnen ihrer Generation, stand bereits in der Royal Albert Hall auf der Bühne und arbeitete unter anderem mit Michael Bublé und dem Quincy Jones Orchestra zusammen.
Musiker von Joss Stone tauchen im Bix auf und spielen mit
Später schauen sogar Musiker aus der Hornsection von Joss Stone vorbei und steigen spontan mit ins Konzert ein – einen Song nach dem Start.
Joss Stone ist nicht dabei. Verständlich. England spielt gerade bei der Fußball-WM gegen Norwegen, und diesen Sieg will sich die Britin nicht entgehen lassen.
Mit dir, lieber Jamie, hat sie auf dem Schlossplatz so wunderbar „Don’t Stop the Music“ gesungen. Ein Songtitel, den wir gern als Versprechen nehmen.
Dabei war dieses Konzert für dich noch nicht einmal der einzige Auftritt des Tages. Bereits am Mittag hattest du beim Jubiläumskonzert zum 100. Geburtstag von Stihl für die Belegschaft des Unternehmens gespielt und sie völlig begeistert, selbst bei brütender Hitze am Tag.
Am Montag starten die Jazz Open in Modena
Als nächstes geht’s für dich mit deiner Band im Tourbus nach Modena – zu den ersten Jazz Open in Italien. Dort geht es bereits am Montag los. Modena kann sich freuen!
Und wenn die Kesselkehlchen am 25. Juli ihre Premiere in der Liederhalle feiern, liegt vielleicht noch ein bisschen von jenem musikalischen Schwung in der Luft, den du auf dem Schlossplatz entfacht hast – unter freiem Himmel, mit 7500 Stimmen und dirigiert von einem Briten, der längst ein bisschen Stuttgarter geworden ist, nein, ein echter Stuttgarter.
Komm nächstes Jahr wieder, lieber Jamie!
Don’t Stop the Music.
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